Konzertbericht

Überraschend tanzbar

Am Sonntag gaben Prag ihr erstes Konzert ihrer deutschlandweiten Januar-Tour. Wir waren im Neuen Schauspiel mit von der Partie und verraten, ob die Band auch im kleinen Rahmen zu begeistern wusste.
Prag im Neuen Schauspiel in Leipzig.

Erwartungen

Es ist bereits das zweite Konzert von Prag, das ich besuchen soll. Beim letzten Mal war das ehemalige Bandmitglied Nora Tschirner die Rampensau, riss Sprüche und hob mit ihren Bespaßungen die Stimmung. Ich bin gespannt, wie die Jungs den Teil zwischen den Liedern ohne sie gestalten. Vielleicht richten sie den Fokus auch komplett auf die Musik, den Teil haben sie auf jeden Fall drauf. Ich lasse mich überraschen.

Erster Eindruck

Das Neue Schauspiel wartet mit einem kleinen, gemütlichen Saal auf. Obwohl vor dem Einlass die Bar noch proppenvoll ist, mag sich dieser jedoch nicht ganz so gut füllen. Der Eindruck wird unterstützt, als die Leute anfangen, sich nach hinten zu verkrümeln und die Stühle wieder aufzubauen. Was soll das? Sind wir hier nicht auf einem Konzert? Schmeißt die Stühle in die Ecke, kommt von den Rängen herunter und stellt euch gefälligst auf die Tanzfläche! Zum Glück geschieht das später tatsächlich noch. Wenn auch erst, nachdem Musiker und Sänger Erik Lautenschläger den Vorschlag macht. Könnte alles einen Grund haben: Das Publikum ist leicht gehobenen Alters. Der geschätzte Durchschnitt liegt bei um die Mitte dreißig bis vierzig Jahre, den ich mit meinen Anfang zwanzig Jahren ein wenig herunterschraube. Nicht, dass ich alle älteren Herrschaften als Spielverderber darstellen möchte. Prag machen eben Musik, die wohl überraschend tanzbar und schwungvoll ist. Nennen wir es daher einen langsamen Start.

Musik

Auf den Platten glänzen sie mit großen Orchesterproduktionen, auf die kleine Bühne quetschen sich nicht ganz so viele Musiker. Neben den beiden festen Bandmitgliedern Tom Krimi und Erik Lautenschläger spielen zudem ein Keyboarder, Schlagzeuger, Bassist sowie stellvertretend für das Orchester ein Trompeter und eine Geigerin. Letztere übernahm in Duetten übrigens den weiblichen Gesangspart. Übersichtlich, aber vom Klang her sehr voll und reich. Abwechselnd rauscht die Musik um einen herum, hebt die Füße hoch, schubst die Hüften hin und her, dann wieder verweilt sie direkt im Herzen, hält es fest im Griff und schiebt einem einen riesigen Kloß in den Hals. Prag geben nicht nur ein Konzert, sondern nehmen das Publikum mit auf eine emotionale Achterbahn. Der Mann, der neben mir steht und nach jedem Lied "Ach, war das schön" ruft, würde mir wohl zustimmen. Und in der Tat gibt es eine sehr herzliche und offene Interaktion der beiden Herren von Prag mit dem Publikum, die der meines vorigen Konzertbesuchs in nichts nachsteht. Schade, dass die gut eineinhalb Stunden Spielzeit viel zu schnell vergehen.

Setlist

Die Setlist bietet eine gute Mischung aus Liedern der neuesten EP "Was können die Blumen dafür", den alten Klassikern der beiden Alben, bislang unveröffentllichten Songs und unbekannteren B-Seiten. Ein Cover von Rio Reisers "Der Krieg" tummelte sich ebenfalls darunter, nach dem das Publikum wohl erst einmal geplättet schlucken musste. Eine rundum gelungene Auswahl, bei der zumindest alle meine Lieblingslieder gespielt wurden.

Was in Erinnerung bleibt

Ein kleiner Höhepunkt des Konzert ist es, als Lautenschläger und Krimi ihre Gitarren kurzerhand ausstöpseln, ins Publikum kommen und alle gemeinsam den Song "Alles wieder gut" singen. Mittlerweile passiet das wohl bei jedem zweiten Konzert, trotzdem sind solche Momente immer wieder was Besonderes.

 

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Karo Kafka
18.01.2016 - 17:35
  Kultur