Musik-Highlights: KW 38

Über Introspektive und Realität

Und wieder ist Releasefreitag. Heißt, es ist Zeit für das Beste, was unsere Musikredaktion an neuer Musik so zu bieten hat. Dieses Mal gibt es Trap von Monk aus Berlin, Garage-Rock von Jettes aus Berlin und Rap von Marika Hackman aus ... Hampshire.
v.l. Monk, Jettes, slowthai, Marika Hackman
Musikhighlights der Woche - KW 38

Frisch Gepresst: Diese Woche ist unser Musiktipp das Album "Re-Animator" von Everything Everything. Hier geht's zur ausführlichen Rezension.

Monk - "Hellwach"

Album-VÖ: 18.09.2020

Wer noch nie von Monk gehört hat, dem ist das nachzusehen. Der Berliner hat zwar vorletztes Jahr schon eine Solo-EP veröffentlicht, ist aber bisher hauptsächlich mit seiner Label-Crew BHZ in Erscheinung getreten. Und auch auf seinem Solo-Debüt „Hellwach“ finden sich zahlreiche Features von Monks Kollegen. Dadurch ist die Platte selbst schon fast ein Label-Sampler, aber eben nur fast. Denn Monk nimmt sich den Raum, um persönlich zu werden.

Das übergreifende Thema des Albums ist Realität und die Flucht davor. Dem gegenüber stehen die klassischen Themen Liebe, Geld und Drogen, die sich eben so finden auf einem Trap-Album. Aber Monk thematisiert auch die Schattenseiten dieser Dinge. Liebe ist kompliziert, Geld macht nicht zwingend glücklich und Drogen können einen ganz schön fertig machen.

Dazwischen finden sich Crew-Tracks wie „Loud“, der das Ganze dann doch wieder glorifiziert, oder „ABC“, der so stumpf ist, dass man das eigentlich gar nicht so richtig ernst nehmen kann. Das sind die Momente, in denen man sich wünscht, dass Monk ein bisschen mehr Mut gehabt hätte. Einerseits dazu, sich für sein Debüt komplett alleine zu präsentieren und nicht so sehr auf seine Crew zu verlassen. Und andererseits seine Introspektive noch ein bisschen weiter zu spinnen. Denn am Ende des Albums will Monk zurück in seinen Traum, in dem alles einfacher und schöner ist. Das Album fadet mit demselben Herzschlag aus, mit dem es begonnen hat und man merkt: Diese Balance zwischen Erkenntnis und Realitätsflucht ist ein Zyklus, der sich immer wiederholt und scheinbar endlos ist. Vielleicht schafft Monk es ja irgendwann, auszubrechen. Bis dahin hat er ein spannendes Trap-Album geschaffen, das neugierig macht auf das was da noch so kommen mag.

Charlotte Peters

Slowthai feat. James Blake & Mount Kimbie - "feel away"

Single-VÖ: 15.09.2020

Der britische Rapper Slowthai will einfach nicht nachlassen. Erst 2019 hat der 25-Jährige sein Debüt-Album „Nothing Great About Britain“ veröffentlicht und damit gleich hohe Wellen geschlagen. Unter anderem gab es Platz Eins in den britischen RnB-Charts, Lob aus allen Teilen der internationalen Musikpresse und eine Nominierung für den Mercury Price. In dem Jahr seither hat er schon satte sieben weitere Singles veröffentlicht und hat mit mehreren anderen KünstlerInnen wie Disclosure, Denzel Curry und den Gorillaz zusammengearbeitet.

Auch für seine neue Single „Feel Away“ hat sich Slowthai prominente Unterstützung mit an Bord geholt, die ihn auch etwas aus seiner Comfort-Zone herausholen. Produzent Mount Kimbie und Produzent/Gastsänger James Blake prägen den Song mit dem für sie typischen melancholischen Stil. Slowthai, der sonst eher für seine aggressiv-düstere oder aufmüpfig-alberne Art bekannt ist, gibt sich dazu passend introspektiv und spricht in den Lyrics von den Zweifeln, die in zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten können. Nur im Video, in dem sich Slowthai schwanger auf der Entbindungsstation wiederfindet, kommt der typische Humor des Briten zum Vorschein.

Martin Pfingstl

Jettes - "Justine"

Single-VÖ: 16.09.2020

Im letzten Jahr haben Jettes mit ihrer EP „Hockey Smile“ einen vielversprechenden Start hingelegt. Die Berliner Garage-Rock-Band um Laura Lee von GURR und Melody Connor setzt auf schrammelige, aber eingängie Gitarrenriffs, die überzeugen. Diese Woche hat ihre neue Single „Justine“ das Licht der Welt erblickt und kommt überraschend ruhig daher. Inhaltlich beschäftigen sich Jettes mit dem Aufwachsen und Leben in der Kleinstadt, der Deplatziertheit, die damit oft einhergeht, und den Menschen, die einem durch solche Zeiten helfen. Die Single verleitet zur Introspektive und macht Lust auf den ersten Jettes-Langspieler. Vermutlich müssen wir aber ohne diesen überwintern: Ein Album haben die Berliner bisher nicht angekündigt.

Charlotte Peters

Marika Hackman - "Realiti"

Single-VÖ: 15.09.2020

Radikale Selbstoffenbarung, selbstdiagnostizierte Beziehungsunfähigkeit und zähe Selbstreflexion – auf ihrem letzten Album „Any Human Friend“ war Marika Hackman ziemlich hart zu sich selbst. Sie verarbeitete die Trennung von ihrer langjährigen Freundin und ließ tief blicken in ihr Gefühls- und Sexleben. Kein Wunder also, dass die Engländerin nach so einem auslaugendem Album erstmal Zeit zum Durchatmen braucht.

Und doch gibt es ungewohnt schnell Nachschub aus dem Hause Hackman: Sie hat den Lockdown genutzt, um einige ihrer Lieblingslieder zu covern. Ihre Version von Grimes’ „Realiti“ gibt’s bereits zu hören und lässt auf Großes hoffen: Während das Original durch flirrenden Pop-Elan punktet, verleiht Hackman ihm einen erdige, quecksilbrigen Sound.

Wir dürfen gespannt sein, welche Songs die Singer-Songwriterin in ihrem Kämmerchen sonst noch so verwandelt hat. Die Antwort naht auf schnellem Fuß: „Covers“ erscheint am 13. November.

Ariane Seidl

 

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Monk - "Hellwach"

 

slowthai feat. James Blake & Mount Kimbie - "feel away"

 

Jettes - "Justine"

 

Marika Hackman - "Realiti"