Stolpersteine

Über Erinnerungen gestolpert

Was ist mit meinen Nachbarn passiert? Wo sind sie hin? Diese Fragen öffentlich zu stellen war in der NS-Zeit verboten. Heute wird sie von dem Projekt "Stolpersteine" beantwortet, besonders detailliert im Rahmen der Jüdischen Woche in Leipzig.
Stolpersteine in der Leipziger Innenstadt
Stolpersteine in der Leipziger Innenstadt

In der NS- Zeit war es nicht unüblich, dass von einem Tag auf den anderen die Nachbarwohnung leer war, die Möbel weg waren und auf dem Hinterhof die Spielgeräusche immer leiser wurden. Um diesen Menschen einen Namen zu geben und an ihre Geschichten an dem Ort zu erinnern, wo sie tatsächlich gelebt haben, gründete der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig das Projekt „Stolpersteine“.

Seit 2006 sind immer neue Ergebnisse seiner Arbeit auch in Leipzig zu sehen. Im Rahmen der Jüdischen Woche wurde es den Leipzigern ermöglicht, einige Details sowohl zu dem Projekt als auch zu einzelnen Schicksalen zu erfahren.

Jeder Stein erzählt eine persönliche Geschichte

Es sind Erinnerungen, über die man stolpern soll. Dabei verneigt man sich, um zu sehen, worüber man gestolpert ist. Für Frau Dr. Andrea Lorz, die im Rahmen ihrer Arbeit u.a. während der Jüdischen Woche von Stolpersteinen erzählt, ist das eine Art Symbol für den Respekt gegenüber den Menschen, die in der Zeit des NS-Regimes verfolgt wurden. Einige der Angehörigen fühlen sich bis heute noch so sehr von diesen Ereignissen geprägt, dass sie auch für noch lebende Angehörige einen Stolperstein anfertigen lassen, so Dr. Lorz.

Die Historikerin und Mitglied der Arbeitsgruppe Stolpersteine aus Leipzig beschäftigt sich in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen und Kolleginnen mit der Recherche über einzelne Schicksale. Die Ergebnisse werden nicht nur auf den Gedenkstätten aus Stein präsentiert, auch im Rahmen von Ausstellungen, Rechercheprojekten oder Führungen, wie die zur Jüdischen Woche, kann man mehr über die Aufgaben der Arbeitsgruppe und die einzelnen Opfer des NS-Regimes erfahren. 

 

 

Auch Frau Dr. Lorz hat ein besonderes Verhältnis zum Projekt "Stolpersteine". Es handelt sich dabei nicht nur um ihre Arbeit, sondern auch um eine persönliche Geschichte, die sie dazu gebracht hat, das Thema genauer zu erforschen und die Geschichten weiter zu erzählen.

Die mephisto 97.6-Redakteurinnen Dorota Kusiak und Conny Poltersdorf im Gespräch mit Dr. Andrea Lorz

Dorota Kusiak, Conny Poltersdorf

Interview Dr. Andrea Lorz

Heute gibt es in Leipzig 319 Stolpersteine, so Frau Dr. Lorz. Das Projekt läuft weiter und schon im Oktober wird eine neue kleine Gedenkstätte in eine der Leipziger Straßen eingebettet. Bis dahin kann man sich selbst auf eine Suche durch die Stadt machen oder bestimmte Orte und Biographien mithilfe der Internetseite des Projekts erforschen. 

 

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Dorota Kusiak, Conny Poltersdorf
03.07.2015 - 19:27

Über das Projekt Stolpersteine in Leipzig wie auch einzelne Geschichten kann man mehr auf der Homepage der Arbeitsgruppe erfahren: http://www.stolpersteine-leipzig.de/