Körperspenden

Über den Tod hinaus

Wenn man an Medizinstudierende in ihrer Ausbildung denkt, kommen einem manchmal schaurrige Bilder in den Kopf. Große weiße Hallen mit Leichen auf Metalltischen. Doch die Leichen sind nur ein Teil des Alltags am Institut für Anatomie in Leipzig.
Gedenkfeier in der Peterskirche
Gedenkfeier für die Körperspendenden der Uniklinik Leipzig

Die Gänge im Institut für Anatomie scheinen zunächst unheimlich steril. Sie sind lang und weiß. Typisch Krankenhaus könnte man sagen. Fehlt nur noch, dass hinter der nächsten Tür eine Leiche auf dem Seziertisch liegt. 

Das ist völlig unspektakular und kein dunkler Keller und keine großen Becken, in denen Leichen schwimmen.

Prof. Ingo Bechmann, Institut für Anatomie Leipzig

Lernen zum Anfassen

In der Uniklinik steht für die Medizinstudierenden im ersten Lehrjahr die menschliche Anatomie auf dem Lehrplan und damit der Präparierkurs im zweiten Semester. Anhand von menschlichen Präparaten sollen die Studierenden die Dreidimensionalität des menschlichen Körpers kennen und verstehen lernen. Nur auf zweidimensionalen Seiten in einem Buch sei das nicht möglich. Hierfür kommen sogenannte Körperspendende zum Einsatz.   

Am Institut für Anatomie in Leipzig arbeiten die Studierenden mit den Körperspenden
 

Noch zu Lebzeiten vermachen Menschen ihren toten Körper der Wissenschaft und unterschreiben einen Vertrag, welcher der Uniklinik die Arbeit mit dem leblosen Körper erlaubt. Bis zu drei Jahre verbleiben die Leichen dann in den Händen des Instituts und dienen unter anderem den Studierenden als Unterrichtsmaterial. Einige Körper werden allerdings auch zu Forschungszwecken verwendet oder bleiben gar für immer in der Uniklinik. Sofern die Spendenden eine lebenslange Verwendung erlauben, werden Dauerpräparate aus den Körpern hergestellt. 

Lehrstunde statt Geisterstunde

Vielen wird bei dem Gedanken, eine Leiche zu sehen, mulmig. So bekommt auch der ein oder andere Studierende bei dem Gedanken an die erste Präparierstunde Gänsehaut. 

Man hat noch nie eine Leiche gesehen und dann hat man eben eine gesehen und stellt fest, dass ist vielleicht nicht viel anders als man erwartet hätte. Also ich denke die erste Reaktion die Studierende haben, ist, dass ihnen klar ist, welches Wunderwerk wir sind. Und wie stabil einerseits, aber auf der anderen Seite eben auch zerbrechlich.

Prof. Ingo Bechmann, Institut für Anatomie Leipzig

Innerhalb des Kurses wird jedes noch so kleine Teil des menschlichen Körpers untersucht. Mit Schere, Pinzette und Messer ausgestattet, arbeiten die Studierenden im Millimeterbereich und lernen das Innere des Menschen genaustens kennen. Während des Kurses werden alle Teile eines Menschen zusammengehalten, sodass sie am Ende in einem Sarg verbrannt werden können. So wird gewährleistet, dass nach spätestens drei Jahren die Spendenden würdevoll in ihren eigenen Urnen bestattet werden können.

Hierfür richten die Studierenden am Ende des Sommersemesters eine Gedenkfeier in der Peterskirche aus. Sie wollen sich bei den Angehörigen für ihre Wartezeit bedanken und dafür, dass sie die Möglichkeit hatten, durch die Körperspenden immens viel zu lernen. Das neue Wissen soll den Studierenden beim Verständnis des Menschen oder bei späteren Operationen helfen.

Den Beitrag zum Nachhören:

"Über den Tod hinaus" - eine Reportage von Sophie Richter
 
 

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