Airbnb & Co

(T)raumreisen durch fremde Schlafzimmer?

Die Stadt Leipzig wird als Reiseziel immer beliebter: Jährlich werden mehr als eine halbe Million Übernachtungen über Onlineportale wie Airbnb & Co vermittelt. Doch dies hat auch eine verschärfte Lage am Wohnungsmarkt zur Folge.
Auf Reisen in privaten Wohnungen zu schlafen wird immer beliebter - doch hat dies nur Vorteile?

In Leipzig werden jährlich mehr als eine halbe Milion Übernachtungen in 1331 Privatunterkünften über Onlineportale wie zum Beispiel Airbnb, Wimdu oder 9flats vermittelt und daher von der amtlichen Statistik nicht erfasst. Dr. Stefan Brauckmann, Leiter der Abteilung Research und Analyse des Immobilienentwicklers GBI AG, hat jedoch im April 2016 eine Studie veröffentlicht, die ermitteln solll, welche Unterkünfte eine Konkurrenz zu Hotels und Pensionen darstellen. Die Ergebnisse sind dabei erstaunlich.

Millionen-Metropolen an der Spitze

Besonders in Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Köln ist im Deutschland-Vergleich nicht nur die absolute Zahl der Übernachtungen an der Spitze, sondern auch der prozentuale Zuschlag im Vergleich zu den bereits in der amtlichen Statistik erfassten Gästezahlen. Leipzig schiebt sich dabei mit einem Plus von 17,9 Prozent auf den zweiten Ranking-Platz. Laut Brauckmann übernachte somit faktisch etwa jeder elfte Städtereisende bei Airbnb & Co. 

Leipig wird zum einen als Reiseziel immer beliebter. Zum anderen hat sich hier eine besonders starke Privatquartier-Szene entwickelt, viel stärker etwa als in deutlich größeren Städten wie Frankfurt/Main oder Stuttgart.

Dr. Stefan Brauckmann

Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

Trotz der touristischen Vorteile, die mit der Übernachtung in Privatunterkünften einhergehen, wird in der GBI-Studie auch die verschärfte Situation auf dem Wohnungsmarkt deutlich: Dort sinkt durch die Vermietung an Städtereisende nämlich das Angebot kleiner Apartments. Vor allem durch den Entzug mehrerer tausend solcher Unterkünfte verstärke dies laut Brauckmann vor allem den Engpass in der Innenstadt. Als Lösung sehe er jedoch kein rechtliches Verbot der Privatvermietungen, da schon in Berlin laut Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär für Bauen und Wohnen, zumindest verschärfte Überwachungen folgen sollen. Wer hier keine Genehmigung des Bezirks vorweist, riskiert als Privatvermieter Bußgelder. Das Gesetz sieht Strafen von bis zu 100.000 Euro vor. 

Preisgünstige Alternativen bieten

Da vor allem Familien und Kleingruppen die Vermittlungsportale nutzen, sollten laut Dr. Stefan Brauckmann mehr preisgünstige Gruppenunterkünfte vorhanden sein:

Gibt es ausreichend solcher Angebote für Städtereisende, werden Privatvermietungen bei Airbnb & Co abnehmen - und nicht durch Verbote, die ohnehin in der Praxis kaum durchsetzbar sind.

 

 Dr. Stefan Brauckmann

Redakteurin Paula Drope mit weiteren Hintergründen zur starken Nutzung von Onlineportalen auf Städtereisen:

Der Bericht von Paula Drope über die Vermietung von Privatwohnungen
 

 

 

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Sarah Bötscher
18.04.2016 - 19:17