Internethetze

Threatrain statt Shitstorm

Immer häufiger werden statt Beleidigungen Drohungen in die Kommentarspalten geschrieben. In der Zeit der "besorgten Bürger" kommt es mehr und mehr zu Übergriffen via Facebook und Co. Das bekam auch SPD-Stadträtin Katharina Schenk zu spüren.
Shitstorm
Der Shitstorm eine Erscheinung des 21. Jahrhunderts

Der, die, das Shitstorm?

Jeder kennt ihn, manche machen mit und andere werden sein Opfer: der Shitstorm. Laut Duden handelt es sich dabei um einen „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht.“, kurz: Der besorgte Nutzer des World Wide Webs lässt via Facebook und Co. seiner Wut freien Lauf. Besonders A- bis Z-Promis lassen sich gerne im Internet über ihre täglichen Sorgen aus. Da ist es kein Wunder, dass der Shitstorm es in die Satire geschafft hat. So hat Jan Böhmermann mit dem Lied Besoffen bei Facebook die Shitstorm-Gesellschaft parodiert:

Kein Spaß

Was durch Satire, falsche Wortwahl und Grammatik der "Hater" oft lächerlich wirkt, kann sehr schnell an Ernsthaftigkeit gewinnen. Immerhin handelt es sich dabei um Beleidigungen, die andere Menschen verletzt. Meist sind die Hasskommentatoren sich nicht bewusst, was schon fünf Wörter bei dem Gegenüber auslösen. In der Anonymität des Internets fällt auch die letzte Hemmschwelle und Beleidigungen werden am laufenden Band produziert. 

Wenn aus Beleidigungen Drohungen werden

Manche Nutzer greifen vermehrt zu Drohungen, um ihrem Gegenüber einzuschüchtern. So passierte es auch SPD-Stadträtin Katharina Schenk, die in der Vorweihnachtszeit ein Bild auf Facebook postete. Darauf war sie mit einer Kiste Christbaumkugeln zu sehen, auf denen „Refugees Welcome“ stand. Diese Aufschrift gefiel nicht jedem und so konnte man bald die ersten Hasskommentare darunter lesen. Es blieb aber nicht nur bei solchen, sondern bald wurde auch schon die erste Drohung ausgesprochen.

Drohungen auf Facebook und Co. sind kein Einzelfall mehr: Es kommt immer häufiger zu Hasskommentaren im Internet. Auch die Verwendung von Klarnamen schreckt viele nicht ab – im Gegenteil: Gerade die Nutzer mit Klarnamen benutzen eher aggressive Wörter in ihren Kommentaren. 

Was kann dagegen getan werden?

Doch die Verwendung der Klarnamen erleichtert immerhin den Behörden ihre Arbeit. Die Täter können einfacher angezeigt werden und es kann gezielt gegen diese vorgegangen werden. Auch im Fall von Katharina Schenk kam es zu mehreren Anzeigen, jedoch ist noch nicht klar, welche Folgen es für die Kommentatoren hat. Die Leipziger Polizei hat bis jetzt noch keine Stellung dazu genommen. Oberbürgermeister Burkhard Jung sagte dem MDR, dass er jeden Angriff auf Politiker und Politikerinnen inakzeptabel in einer Demokratie finde und somit die Drohungen verurteile. Katharina Schenk hingegen findet es wichtig mit den Tätern in Kontakt zu treten, damit das Netz wieder freundlicher wird. Jedoch suchen viele Täter weniger das Gespräch, sondern wollen lieber ihren Frust via Internet herauslassen. 

Redakteurin Raphaela Fietta hat mit SPD-Stadträtin Katharina Schenk gesprochen und sich mit Hasskommentaren im Internet auseinandergesetzt:

mephisto 97.6 Redakteurin Raphaela Fietta mit einem Beitrag über Hasskommentare im Internet
 
 

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