Konzertbericht

They both have moustaches...

...don't let them fool you. So der vollbärtige Jon Terrey über Kris Rochelle und Dan Smith. Die drei sind am 23.11. in der Wärmehalle Süd aufgetreten. Nicht, wie sonst, mit ihren Bands Listener und Red Sweater Lullaby, sondern als Solo-Künstler.
Dan Smith live in der Wärmehalle Süd

Erwartungen

Listener habe ich 2013 schon mal live gesehen. Wenn das Konzert diesmal so ähnlich wird wie damals, dann habe ich einen guten Abend vor mir. Allerdings frage ich mich, ob wirklich soviele Leute kommen wollen, wie angekündigt ist. Alle drei Musiker sind bei Listener involviert, spielen dieses Mal aber jeweils ihr weitesgehend unbekanntes Solomaterial oder Songs von ihren anderen Bands. Die Solo-EP von Listener-"Sänger" Dan Smith habe ich mir im Vorfeld angehört. Musikalisch ist es zwar etwas ruhiger als Listener, aber dennoch ist eine gewisse Ähnlichkeit auf jeden Fall erkennbar. Die Texte erzählen wie immer Geschichten und werden größtenteils im Listener-typischen Spoken Word Stil vorgetragen. Auch wenn mir die EP gefällt, hoffe ich insgeheim ein bisschen, dass er „I don’t want to live forever“ von Listener spielt.

Erster Eindruck

Jon Terrey's Musik ist gitarrenlastig. Zwischen den Songs macht er außerdem gerne Witze. Er erzählt davon wie die drei ja eigentlich schon in Kansas City zusammen leben, jetzt aber auch auf Tour zusammen ein Bett teilen dürfen. Außerdem bemerkt er, dass sie zusammen einen kompletten Bart hätten, wenn sie rummachen würden, denn er hat einen Kinnbart und die anderen beiden jeweils einen Schnauzer. Kris Rochelle fällt mehr durch seinen Gesang auf. Mit traurigen und nachdenklichen Texten, die manchmal durch die Betonung bewusst in die Irre führen, schafft er eine fast andächtige Atmosphäre im Publikum. Dan Smith tritt als einziger mit einer Art Bühnenshow auf. Er lässt Bilder seiner letzten Islandreise hinter sich an die Wand projizieren.

Musik

Dan Smith spielt eine Mischung aus eigenen Songs und Listener Songs. Bei ihm steht die Stimme eindeutig im Vordergrund. Seine Gitarre nutzt er zur Einstimmung auf einen Song und zur Begleitung. Doch vor allem geht es um die Geschichten, die er erzählt und wie er sie vorträgt. Seine Art zu sprechen/schreien/singen hört sich auf CD so leicht an, sieht in echt aber unfassbar anstrengend aus. An einer Stelle, an der Dan Smith eine kurze Pause zwischen den Songs macht, ruft jemand aus den vorderen Reihen „I don’t want to live forever“; dann rufen alle ihre Lieblingssongs. Doch dieser Song wird am häufigsten gerufen. Dan Smith meint, er würde ihn gern spielen, kann aber nicht, denn er beherrscht den Gitarrenpart nicht. Er fragt seinen Listener-Kollegen Jon Terrey, ob er möchte. Der kommt zu ihm auf die Bühne und die zwei spielen den Song. Mit einer kleinen Country-Unterbrechung.

Show

Immer wieder unterbrechen die Musiker ihr Programm, um dem Publikum die Chance zu lassen Fragen zu stellen. „Does anyone have a question“ heißt es immer wieder, und jedesmal ist es ein bisschen wahlloser, aber auch ein bisschen lustiger. Außerdem erfährt man, dass Dan Smith seit Jahren sein Haus renoviert und bei einem bestimmten Song jedesmal daran denken muss. Apropos Haus, da gibt es von seiner Seite aus auch den Vorschlag, dass es doch sehr clever wäre rauszufinden wo Bands wohnen und sich ihre Tour Pläne anzuschauen, damit man dann einen Einbruch ganz gut planen könnte. Wie man diese Idee weiterführen könnte, überlässt er dann doch dem Publikum und betont nochmal, dass er ja „ganz sicher“ in Omaha, Nebraska wohnen würde, und nicht etwa in Kansas City. Zu seinen Vorschlägen zählen auch mögliche Event-Tipps oder sogar ein spontaner Hochzeitsantrag von Seiten des Publikums. Insgesamt wird durch all diese Unterbrechungen immer wieder die Stimmung gelockert, die während der Songs entsteht. Doch jedes Mal, wenn ein neuer Song beginnt, ist die Atmosphäre sofort wieder bannend. Jeder Song wirkt wichtig und bewegt das Publikum immer wieder aufs Neue.

Was in Erinnerung bleibt

Hoffentlich alles. In den mehr als zwei Stunden Konzert, die die drei Musiker unter sich aufteilen, ist alles dabei. Es wird gelacht und es gibt tiefgründige und traurige Themen. Das Publikum wird sowohl menschlich als auch musikalisch mit einbezogen. Die Musiker wirken spontan und bodenständig und so als hätten sie viel Spaß an dem was sie tun. Und die Musik, vor allem der Stil von Dan Smith, ist doch eher einzigartig. Klar, dass dann eben eher Fans des Stils auf ihre Kosten kommen. Diese sind jedoch reichlich anwesend und erleben allesamt einen aufregenden und intensiven Abend.

 

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Gesa Koy, Till Bärwaldt
26.11.2015 - 15:42
  Kultur