Weißrussland

Terra incognita im Osten

Weißrussland ist für viele ein weißer Fleck auf der europäischen Landkarte. Eine Podiumsdiskussion setzte sich zum Ziel, das zu ändern.
Podiumsdiskussion Weißrussland
Elena Temper, Wolfram Maas, Constanze Krehl und Michael Naumann (Moderation)

Wolfram Maas ist Botschafter der Bundesrepublik in Minsk und wirbt für mehr Interesse an Belarus in Deutschland:

„Wir schulden es den Menschen um ihrer selbst willen, sich für dieses Land zu interessieren.“

Bei der vom Institut für Auslandsbeziehungen und der Friedrich-Ebert-Stiftung initiierten Podiumsdiskussion „Belarus – Terra incognita für die EU?“ wies er auf eine gravierende historische Verbindung zwischen Deutschland und Weißrussland hin: Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs war Weißrussland langzeitig von deutschen Truppen besetzt. Heute, nach 23 Jahren politischer Unabhängigkeit, stecke das Land immer noch in einem Identitätsfindungsprozess.

Vereiste Beziehungen

Diese Identitätssuche könne man nicht beschleunigen, wenn man Druck aufbaue, meint Constanze Krehl, Leipziger Abgeordnete im Europaparlament. Den Fehler, den man in der Ukraine gemacht habe, nämlich zu fordern, sich entweder für die EU oder Russland zu entscheiden, dürfe man nicht wiederholen. Vielmehr sei es nötig, durch einen langfristigen Dialogprozess eine Annäherung zwischen der EU und Weißrussland herzustellen. Zurzeit liegen die politischen Beziehungen aufgrund des autoritären Führungsstils von Staatspräsident Alexander Lukaschenko auf Eis. Einer Aufnahme in den Europarat zum Beispiel steht die Todesstrafe entgegen, die in Weißrussland nach wie vor praktiziert wird.

Risiko Planwirtschaft

Die EU könnte etwas mehr auf Belarus zugehen, meint hingegen Elena Temper, Vertreterin des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft in Leipzig. Wenn die EU nicht bereit sei, das Land mit Krediten zu versorgen, müsse sich Weißrussland zwangsläufig Russland zuwenden, das 90 Prozent aller Kredite zur Verfügung stelle. Temper führte weiterhin aus, dass es bisher nur sehr wenig wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Weißrussland gebe. Vielen Unternehmen sei die Investition in eine Planwirtschaft zu riskant. Problematisch sei vor allem die Jahresplan-Politik, erläuterte Maas. Wenn die Lohnsteigerung staatlich festgelegt werde, sei es für die Unternehmen schwierig, diese dann auch zu erwirtschaften.

Moderator Florian Farken im Gespräch mit Julien Reimer über die Podiumsdiskussion zu Weißrussland
SG Weißrussland
 

Kommentieren

Julien Reimer
24.10.2014 - 12:47