Rezension

"Tannhäuser" auf Katalanisch

Richard Wagners Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ feierte am Samstag in der Leipziger Oper Premiere. Die Inszenierung stammt von Calixto Bieito und ist nun zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.
Tannhäuser in der Oper Leipzig
Einblick in den zweiten Akt

Eigentlich sollte die Urenkelin Wagners, Katharina Wagner, Regie führen, doch sie sagte im Dezember überraschend ab. An ihrer Stelle steht nun der katalanische Regisseur Calixto Bieito. Seine Inszenierung ist eine Koproduktion der Opera Vlaanderen und des Teatro La Fenice di Venezia. In den vergangenen drei Jahren wurde sie in Gent, Antwerpen, Venedig und Bern aufgeführt. Eine Fülle, die hoffen lässt, dass die Oper Leipzig hier einen mehr als würdigen Vertreter gefunden hat. An diesem Premierenabend musste übrigens spontan noch für weiteren Ersatz gesorgt werden: Der vorgesehene Darsteller des Protagonisten Tannhäusers, Burkhard Fritz, lag krank im Bett und so wurde Stefan Vinke als Tannhäuser ins Land berufen.

Zwischen Lust und gesellschaftlichen Konventionen

Im ersten Akt lässt Tannhäuser sich von der Göttin Venus verführen. Das Bühnenbild besteht dabei aus rund 15 grünen Geästen, die von der Decke baumeln. Dieser Ort, der Venusberg, steht für Sinnlichkeit und Genuss, doch die Berührungen der Göttin auf Tannhäusers Brust wirken eher starr und befremdlich – wie ein aufgesetztes Spiel.

In der weiteren Handlung kehrt Tannhäuser vom göttlichen Venusberg wieder auf die Erde zu seinem bewährten Kreis zurück: den Wartburgsängern und seiner Geliebten Elisabeth. Während dieser Begrüßungsszene liegt eine schwarze Plane auf dem Bühnenboden - ansonsten: Leere. Das schlichte Bühnenbild bleibt unter seinen Möglichkeiten. Hinzu kommt eine reduzierte Bühnenbeleuchtung, bei der nur eine Handvoll Scheinwerfer die Dunkelheit und den Nebel auf der Bühne durchdringt. Die Augen werden müde, weil jede Ecke nach neu auftretenden Figuren abgesucht werden muss und Tannhäusers graue Baumwolljacke mag in dieser Beleuchtung erst recht nicht zur Geltung kommen.

Der zweite Akt ist dagegen wortwörtlich ein Lichtblick: Die komplette Bühne ist ausgeleuchtet. Das ist nun auch nötig, denn in den folgenden Szenen stehen stets zahlreiche Charaktere auf der Bühne. Folgende Geschehnisse: Die Wartburgsänger sollen die Liebe besingen und dabei eröffnet Tannhäuser, dass er sich auf dem Venusberg dem Lusttrieb hingegeben hat – ein Tabubruch. Die Wartburggemeinschaft ist empört und der Fürst verdammt den Verräter. Elisabeth setzt sich für ihren Geliebten ein und erhandelt ihm eine letzte Chance: Er darf mit den Pilgern nach Rom, um dort den Papst um Gnade zu bitten.

Bunter Schwung

Während dieser Szenen steht ein geometrisches Geflecht aus weißen Balken auf der Bühne. Einige liegen auf dem Boden, andere strecken sich in die Höhe. Der Raum ist dadurch in mehrere Abteile getrennt und bietet so das perfekte Ambiente, um verschiedene Charaktere aufeinandertreffen zu lassen und am Ende einen Streit zu entfachen. Zur Steigerung der Dramatik dringen die Sänger und Sängerinnen des Opernchors dicht an dicht ebenfalls auf die Bühne. Bei ihrem Weg nach vorne stehen dabei immer andere Menschen, teilweise mit farbenfrohen Kleidern, leicht erhöht auf den Balken. Dieses Szenario ist ein Schmaus für Augen und Ohren. Der Opernchor und auch das Gewandhausorchester überzeugen mit ihrer Darbietung.

Unter den Darstellern sticht vor allem Elisabet Strid als Elisabeth heraus - auf Gesangs- und Schauspielebene. In Gesten und Tönen spürt man die Leidenschaft, die Unsicherheit und das Bangen ihrer Figur.

Ein Buh im Applaus

Der bunte Schwung aus Akt zwei verliert sich leider wieder im dritten. Der abschließende kräftige Applaus des Publikums wird an diesem Premierenabend von einem hartnäckigen Buhrufer durchbrochen. Vielleicht äußert der sich auch stellvertretend für jene mürrischen Zuschauer, die ich in der Pause wahrnehme: „zu weit weg vom Original, zu abgedreht“ Diese Gesprächsfetzen klingen an mein Ohr und: „Dieses Rumgeschmiere mit Blut auf nackten Männeroberkörpern, was hat das im 13. Jahrhundert auf der Wartburg verloren?“ Nicht jeder kann sich auf Bieitos Inszenierung einlassen – eine Inszenierung mit Höhen und Tiefen: lieber kantig, als glatt.

Die Rezension zum Nachhören:

"Tannhäuser" in der Oper Leipzig - Eine Rezension von Ronja Binus
Tannhäuser
 

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