CD der Woche

Sweet Home Alabama?

Was zur Zeit an Neuigkeiten aus den USA zu uns herüberschwappt ist zum Großteil wohl eher ernüchternd als erfreulich. Das selbstbetitelte Debüt-Album der Future Elevators rückt die USA mal wieder ins richtige Licht - zumindest musikalisch.
Michael Shackelford
Michael Shackelford ist nicht nur kreativer Kopf der Future Elevators - er schwimmt auch gerne.

'Let's make America great again' - eigentlich keine schlechte Idee von Präsidentschafts-Kandidat Donald Trump. Dass er dazu wohl eher keinen Beitrag leisten kann, ist den meisten wiederrum auch bewusst. Wer die USA aber mit Sicherheit in ein besseres Licht rücken kann (zumindest musikalisch), ist Michael Shackelford, der kreative Kopf der Band Future Elevators. Die Band kommt aus Birmingham, Alabama und ihr selbstbetiteltes Debüt-Album schickt die Zuhörer auf Zeitreise in eine amerikanische Zukunft, in der mit Sicherheit jeder leben möchte.

Home is where your heart is

Michael Shackelford lebt schon seit frühen Kindheitstagen in den Südstaaten der USA. Seine Familie ist extrem musikalisch. Mit zehn Jahren spielte er Schlagzeug in der Band seines Großvaters, als Teenager probierte er sich an verschiedensten Instrumenten in verschiedensten Bands - scheinbar hat ihn aber keine so richtig ausgefüllt. Mit den Future Elevators hat sich das geändert, denn laut Shackelford geht es in diesem Projekt nur darum, über sich selbst hinauszuwachsen und das Beste herauszuholen. Um "das Beste" erreichen zu können, gehört wohl ein gewisser Narzismus dazu. Die Band formiert sich definitiv um Shackelford herum, mit ihm als kreativem Kopf der Band. Der Multi-Instrumentalist komponiert und schreibt alle Songs selbst. Jeder Song trägt seine Handschrift: den Sound seiner Heimat.

Future Elevators gestaltet sich stil-technisch sehr vielfältig. Von Indie-Pop, über Krautrock, Blues und Folk, bis hin zu R'n'B-Klängen ist auf dem Album alles vertreten. Den roten Faden bildet eine charakteristische Südstaaten-Gitarre mit ihrem knarzigen Bottleneck-Sound. Besonders deutlich hört man das in den folkigen Songs des Albums, wie Just Another Day  oder dem Closer Narcosis. In den Titeln It Is What It Is oder Everything Everywhere  kommt eine deutlich rockige Note durch, die den sonst eher ruhigeren Charakter des Albums aufbricht. Everything Everywhere beginnt zwar entspannt bluesig, gegen Ende bricht der Song aber in ein Kraut-Rock-ähnliches Gitarren-Geschrammel aus. Trotzdem sind es gerade die gediegeneren Momente, die den Future Elevators besonders gut stehen. Im Alabama Song singt Shackelford über eine Heimat, die er über keinen festen Ort definiert, sondern über die Personen die er dort findet. So wirken seine Worte 'I know nothing's wrong right now / I know rain that falls gives light' über sanften Gitarren-Klängen unglaublich authentisch. Der Song, der wohl am meisten heraussticht, bleibt auch am ehesten in Erinnerung. In der ersten Single-Auskopplung des Albums Modern World ist nichts von den charakteristischen amerikanischen Gitarren zu hören und der Sound wird ungewohnt elektronisch. Trotzdem passt er hervorragend in die Stimmung des Albums und fügt sich dadurch beinah problemlos ein.

Fazit

Das Debüt-Album der Future Elevators erinnert eher an einen Soundtrack als an ein Album - extrem differnziert und trotzdem in sich stimmig. Zu jedem Song entwickeln sich Bilder, die an Hollywood Filme aus den 80ern erinnern. Jemand fährt mit offenem Verdeck über die Route 66 - und das nicht weil es cool ist, sondern einfach weil es gut tut den Wind in den Haaren zu spüren. Gleichzeitig ist es dieser Soundtrack-Charakter aber auch die Schwachstelle des Albums. Future Elevators lässt sich so gut nebenbei hören, dass es zum Teil im Hintergrund verschwindet und wenig in Erinnerung bleibt. Andererseits braucht man doch auch gerade das manchmal - Musik die nicht die gesamte Aufmerksamkeit einnimmt, sondern zum Träumen und Abschweifen einlädt. Und eins ist garantiert: der Traum führt in eine Zukunft, in der irgendwie alles großartig ist, auch ohne Donald Trump.

 

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Isabel Woop
29.03.2016 - 18:40
  Kultur

Future Elevators: Future Elevators

Tracklist:
  1. Rome On A Saturday
  2. Modern World *
  3. Losing Sleep
  4. Just Another Day
  5. Alabama Song *
  6. Machine Maker
  7. It Is What It Is
  8. Everything Everywhere
  9. Narcosis *
  10. Aphrodite

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 01.04.2016
Communicating Vessels