59. DOK Leipzig

Suche nach Glück

Der eigene Vater hat eine Beziehung mit einer Thailänderin, die halb so alt ist wie er. Und dann wollen die beiden auch noch heiraten. Wie reagiert man darauf als Tochter? Carolin Genreith hat einen Film darüber gedreht: "Happy".
Regisseurin Carolin Genreith
Regisseurin Carolin Genreith

Dieter Genreith ist Anfang sechzig und geschieden von seiner ersten Frau, der Mutter seiner Tochter Carolin Genreith. Zweimal im Jahr macht Dieter Urlaub in Thailand, auch wegen der jungen Thaifrauen. Und eine dieser Frauen will er nun heiraten. Sie heißt Tukta und Dieter schickt ihr regelmäßig Geld. Tukta ist dreißig Jahre jünger als Dieter und mit Anfang dreißig ungefähr so alt wie seine Tochter Carolin. Ihr ist das Thema unangenehm, sie steht der Beziehung skeptisch gegenüber. Denn sie hat sofort das Klischee des alten weißen Sextouristen vor Auge.

Doch je länger sie ihren Vater beobachtet, desto mehr beginnt sie an ihrer ersten Einschätzung zu zweifeln. Die beiden telefonieren täglich und lernen die Sprache des jeweils anderen. Carolin entschließt sich, einen Film zu drehen. Über ihren Vater, Tukta und sich selbst. Dafür besucht sie ihren Vater in ihrem Heimatort in der Eiffel und begleitet ihn nach Thailand.

Ich habe gedacht, ich fordere mich jetzt einfach heraus. Ich stelle mich dieser absoluten Peinlichkeit und mach einen Film darüber.

Regisseurin Carolin Genreith

Unterschiedliche Definitionen von Liebe

Liebe in Thailand ist etwas anderes als Liebe in Deutschland, erklärt Dieter. Es habe viel mehr mit Geld und finanzieller Absicherung für die Frauen selbst, aber auch für ihre Familien zu tun. Es ist klar, dass ein europäischer Mann auch immer die wirtschaftliche Situation der Frau ausnutzt. Die Männer heiraten, noch viel stärker als in Deutschland, auch die Familien ihrer Frauen – und sollen auch hier mit Geld aushelfen. Dieter gibt sich Mühe, das zu akzeptieren. Doch in manchen Momenten wirkt er genervt davon, als wandelnder Geldautomat angesehen zu werden. Trotz alledem scheinen Dieter und Tukta sich wirklich zu mögen und wirken manchmal einfach wie ein ganz normales Paar.

Ich finde, dass es Graubereiche gibt und ich glaube, mein Vater und Tukta, die fallen in diesen Graubereich. Vielleicht ist es ganz gut, wenn man nicht von vornherein Schwarz und Weiß denkt, sondern sich auf diese Schattierungen einlassen kann.

Regisseurin Carolin Genreith

Glück in allen Ebenen

Besonders wird "Happy" auch durch Dieter Genreith. Er lässt den Zuschauer sehr nah an sich heran. So läuft er zum Beispiel in Unterhosen über seinen Bauernhof, oder erzählt, wie einsam er ist. Der Film begleitet ihn in allen Gefühlslagen: trotzig, weil niemand seine neue Beziehung versteht. Verliebt, fast schon naiv, wenn er von seinen Plänen mit Tukta erzählt. Genervt, als er in Thailand mit den Erwartungen von Tukta und ihrer Familie konfrontiert wird. Nachdenklich, reflektiert und ja, zwischendurch glücklich. "Happy" ist ein Film über Beziehungen, Liebe, Glück, unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen, der einen zwingt, über ein altes Klischee nachzudenken.

Glück in allen Ebenen, darum geht es in dem Film. Für mich.

Regisseurin Carolin Genreith

Carolin Genreith erzählt mephisto97.6-Redakteurin Lara Lorenz von ihrem Vater, der Suche nach dem Glück und warum sie einen Film über ihren Vater und Tukta gedreht hat.

mephisto97.6-Redakteurin Lara Lorenz im Gespräch mit Carolin Genreith
 

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Lara Lorenz
04.11.2016 - 09:28
  Kultur

Happy

Regie: Carolin Genreith

Dauer: 90 Minuten

Sprachen: Deutsch, Thai