Stadtleben

Straßennamen in Leipzig

Wer in Leipzig Knautheim den Weg vom Wildentensteig zum Birkenpilzweg sucht, dem fallen sofort die vielen Tier-, Pilz- und Pflanzennamen auf. Aber wer entscheidet eigentlich darüber, dass Fuchs-, Hasen- und Kaninchenweg nebeneinander liegen sollen?
Straßenschild Kurt-Masur-Platz
Straßenschild auf dem Kurt-Masur-Platz

Für Straßenbenennungen in Leipzig ist das Amt Statistik und Wahlen verantwortlich. Dort ist der amtierende Leiter Peter Dütthorn. Für ihn sind Straßennamen für mehr als nur zur Orientierung da. Sie sollen auf Personen oder Dinge hinweisen, die es verdient haben, im Stadtbild verankert zu werden, so Dütthorn.

Es sind natürlich im gewissen Maße auch Identifikationen(...) aber das Andere ist auch, das ein Straßenname (...) natürlich in gewissem Maße eine Würdigung ist.

Peter Dütthorn, Amtierender Leiter des Amts für Statistik und Wahlen

Der Kurt-Masur-Platz

So zum Beispiel im Falle des Kurt-Masur-Platzes zwischen Gewandhaus und Moritzbastei. Er wurde erst im letzten Jahr benannt und eingeweiht. Kurt Masur war Dirigent im Gewandhaus und setzte sich während der friedlichen Revolution für Gewaltlosigkeit ein. Darüber klärt auch eine kleine Hinweistafel auf. Dass der Platz seit einem halben Jahr nun Kurt-Masur-Platz heißt, ist vielen Vorbeigehenden aber noch gar nicht bewusst. Für sie stehen bei den Straßennamen andere Dinge im Vordergrund, so eine Passantin:

Naja erstmal ist es ja für die Orientierung schon wichtig. Obwohl ich finde das eigentlich schon ganz gut, dass Namen nach Leuten genannt werden, die irgendwie was geleistet haben.

Passantin auf dem Kurt-Masur-Platz

Über eine Platz- oder Straßenbenennung entscheidet letzten Endes der Stadtrat. Wie auch im Fall Kurt Masur findet sich dazu meist ein Konsens zwischen den Parteien. Komplizierter kann es bei Personen werden, die sich sozial oder politisch engagiert haben. Denn sie stehen häufig einer bestimmten Partei nahe. Die entsprechende Partei setzt sich dann auch dafür ein, dass eine Straße oder ein Platz nach dieser Person benannt wird. Dass Parteipolitik bei der Namenswahl durchaus eine Rolle spielt, erklärt SPD Stadträtin Nicole Wohlfahrt.

Es gibt in seltenen Fällen tatsächlich das Übereinkommen, dass mehrere Parteien jemanden für so würdig halten geehrt zu werden, wie es eben Kurt-Masur war. Aber im Normalfall ist es schon die Partei der derjenige nahe stand.

Nicole Wohlfahrt, Mitglied im Stadtrat zu Leipzig (SPD-Fraktion)

Ein Beispiel ist ein kürzlich eingereichter Antrag der CDU-Fraktion. Sie wollen einen Platz oder eine Straße nach Helmuth Kohl benennen um ihn zu ehren. Die SPD-Fraktion hat nun ihrerseits einen Antrag eingereicht. Man solle sich doch auch im Fall einer Benennung nach Helmuth Kohl an das ordnungsmäßige Verfahren halten. Damit versucht die SPD auch eigene Kandidaten stark zu machen. Aber nicht nur Parteien können Namen vorschlagen, sondern auch alle Einheimischen. Dazu meint Wohlfahrt:

Bürgerbeteiligung ja, immer gern. Dann bitte auch zur rechten Zeit und nicht wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Also alle Stadträte, alle Fraktionen, die Verwaltung sind immer offen für Vorschläge.

Nicole Wohlfahrt, Mitglied im Stadtrat zu Leipzig (SPD-Fraktion)

Straßenumbennungen

Sehr viel schwieriger umzusetzen sind Straßenumbenennungen. Die letzte große Umbenennungswelle gab es um 2000 im Zuge der Eingemeindungen. Dass Straßen umbenannt werden ist aber die Ausnahme. Nach Dütthorn, komme es gerade bei Straßennamen darauf an, dass sie eben nicht alle paar Jahre abgeändert werden. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Auch Vorbeigehende teilen diese Ansicht.

Die haben sich historisch entwickelt die Straßennamen und die sollten auch so bleiben wie sie sind. Allein schon aus organisatorischen Gründen.

Passant auf dem Kurt-Masur-Platz

Eine Umbenennung geht in vielen Fällen mit großem Aufwand einher. Das gelte nicht nur für die Verwaltung, sondern auch für die betroffene Einwohnerschaft, so Dütthorn.

Wenn es um eine Umbenennung geht, dann spielt ja auch eine Rolle, wie viele Betroffene gibt es (...) nicht nur wenn es Privatperson sind, die jetzt ihre Ausweise ändern lassen müssten, sondern das sind ja unter Umständen auch Firmenanschriften, wo man dann alle Geschäftspapiere entsprechend ändern muss

Peter Dütthorn, Amtierender Leiter des Amts für Statistik und Wahlen

Bei solchen Entscheidungen ist also Feingefühl gefragt. Denn die Namen sollen ja nicht zusätzlich Verwirrung stiften, sondern helfen. Manchmal tun sie aber sogar mehr als das. Im Idealfall vermitteln sie ein kleines Stück Stadtgeschichte, oder regen zu Nachforschungen an.

Den Beitrag zum Nachhören:

Ein Bericht von Hannes Berger über Straßennamen in Leipzig
0903 BmE Straßennamen
 

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Hannes Berger
20.03.2018 - 17:42