Gespräche auf dem Roten Sofa

Sterben wollen oder müssen

In seinem Debüt "Jeder Tag wie heute" nähert sich der israelische Autor Ron Segal der Geschichte des Holocaust an und stellt die Frage nach dem würdevollen Sterben.
Ron Segal auf dem Roten Sofa.

Die Geschichte spannt sich um den alternden Autoren Adam Schumacher. Nachdem seine Frau von seinem Opus Magnum erschlagen wird, versucht er seine Sprache wieder zu erlangen. Doch dann erfährt er die Diagnose Alzheimer und immer wieder verschwimmen seine Erinnerungen, vor allem die Erinnerungen an Nazi-Deutschland. Als er beginnt, den Freitod als Option in Betracht zu ziehen, begegnet er der Idee der begleiteten Sterbehilfe in der Schweiz, wo er erneut mit dem Thema Vergebung, Tod und Schuld in Form eines todkranken Nazis begegnet.

Ron Segal ist ein grandios verwobenes Werk gelungen, das wie im Vorbeigehen Schuld, Tod und Erinnerung thematisiert. Er erzählt von der Individualität der Erinnerung, ihrer Manipulation durch den Erinnernden. Er überlagert die Auseinandersetzung mit dem Holocaust mit der Diskussion um aktive Sterbehilfe und zeigt dabei, dass jeder schuldig werden kann und die Entscheidung über den Tod schwer wiegt. Zwar wirkt der Protagonist stellenweise etwas unglaubwürdig, man hört den jungen Autoren durch den alten, doch das lässt sich bei dieser geschickten Komposition übersehen.

Ron Segal auf dem Roten Sofa im Gespräch mit Moderatorin Constanze Müller.
Ron Segal
 

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