CD der Woche

Stephen Malkmus & the Jicks

Der ehemalige Pavement-Frontmann und die Jicks haben ihr neues Album in den letzten Jahren in Deutschland aufgenommen und sich dabei auch von Land und Leuten inspirieren lassen. "Wig Out at Jagbags" ist unsere CD der Woche.
Stephen Malkmus and The Jicks

Stephen Malkmus ist für viele eine Ikone — eine Indie-Ikone. Dieser Nimbus fußt vor allem auf seine Zeit mit und bei Pavement. Kaum eine Band hat den Indie-Sound der Neunziger klassischer interpretiert und mehr verkörpert als sie. Aber auch nach deren Ende 1999 machte sich Malkmus daran, diesen Nimbus fortzuführen. Er gründete die Jicks, die nun schon länger zusammen spielen als einst Pavement. Sowieso scheint die Zeit dem Kerl nichts anhaben zu können. Sicherlich! Optisch mag der Gute ein wenig gealtert sein — Wer tut das nicht? Aber musikalisch hören sich die Sachen auf dem neuen Jicks-Album "Wig Out at Jagbags" frischer an denn je.

Womit wir beim Thema wären. Nach drei Jahren Schaffenspause die der Frontmann vorwiegend in Berlin verbracht hat sind Stephen Malkmus & the Jicks wieder zurück. Wobei Schaffenspause wahrscheinlich der falsche Begriff ist. Es ist vielmehr eine (geographisch) exponierte Schaffensphase gewesen diese Zeit in Berlin — erinnernd an die Bowie'sche Berlinzeit. Dabei herausgekommen ist "Wig Out at Jagbags" - ein gleichzeitig klassisches, aber für Jicks-Verhältnisse auch facettenreiches Album. Die Inspiration die Malkmus mit dem Umzug suchte scheint gefruchtet zu haben. Die Jicks haben nichts an ihrem Sound eingebüßt, wenn überhaupt noch etwas an Esprit dazugewonnen. Offensichtlich wird das an Nummern wie "J Smoov", welche mehr in Richtung Easy Listening-Pop geht als alles was Stephen Malkmus und Konsorten bisher vollbracht haben. Und es funktioniert im Band- als auch im Album-Kontext. Nahtlos vollbringt es die Band die Brücke zu Stücken zu schlagen die näher am traditionellen rhythmischen Gitarren-Stakkato der Band liegen ( "Planetary Motion" ). Ihre poppige Ader leben Stephen Malkmus & the Jicks vollends in "Chartjunk" aus. Besagter Esprit sprießt ihnen in diesem Song aus jeder einzelnen Pore.

Was am meisten beeindruckt an "Wig Out at Jagbags" ist Leichtigkeit mit der die Band durch das, wie gesagt, sehr facettenreiche Album führt. Zu keinem Zeitpunkt verlieren sie den Kern, den Jicks-Sound, aus den Augen und trotzdem wagen sie es immer wieder neue und andere stilistische Haken zu schlagen. Es funktioniert einfach — manchmal hat man so einen Lauf. Selten dauert dieser ein ganzes Album lang. Umso mehr kann man sich über "Wig Out at Jagbags" freuen. Wer die Nadel im Heuhaufen suchen will, der kann behaupten, dass der Willen zur Innovation doch zu kurz kommt oder dass die klassischeren Stücke angestaubt wären. Einzig und allein - er hätte unrecht. Denn im Blick aufs Ganze macht das Alles seinen Sinn.

Also: Einer für Indie, Indie für Alle! Heureka, Stephen Malkmus & the Jicks sind wieder zurück!

 

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André Beyer
07.01.2014 - 19:17
  Kultur

Stephen Malkmus and The Jicks: Wig Out At Jagbags

Tracklist:

1. Planetary Motion
2. The Janitor Revealed
3. Lariat
4. Houston Hades
5. Shibboleth
6. J Smoov
7. Rumble at the Rainbo
8. Chartjunk
9. Independence Street
10. Scattegories
11. Cinnamon and Lesbians
12. Surreal Teenagers

Erscheinungsdatum: 03.01.2014
Domino / Rough Trade