Parkbogen-Ost

Spaziergang über Leipzigs Dächern

Der Parkbogen im Leipziger Osten wird seit fast 10 Jahren geplant und umgesetzt. Auf fünf Kilometern Gesamtstrecke soll man zu Fuß oder per Rad die schönsten Ecken des Stadtteils sehen. Über das Projekt und den aktuellen Stand.
Anger-Crottendorfer Bahnschneise nach Ende des Lene-Voigt-Parks

Die Idee kam "von unten"

2013 legte die Deutsche Bahn den S-Bahn-Bogen im Osten Leipzigs still. Schnell fanden sich Vorschläge von Bürger:innen, diese Strecken umzuwandeln: zu Park- und Radstrecken. Die Ideen wurden von der Stadt aufgenommen und mit lokalen Akteuren weiterentwickelt. Das Projekt Parkbogen Ost kam so ins Rollen, das letztendliche Konzept wurde dann Anfang 2017 im Masterplan formuliert. Dieser bildet auch die Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln sowie weiterer Planungen und letztendlich die stückweise Umsetzung des Parkbogen Ost.

Das soll das Großprojekt bewirken

Eine Besonderheit des Projektes ist die Vereinigung vielfältiger Ziele. So beispielsweise die Umwandlung ehemaliger Bahnstrecken, die ja auch den Ausgangspunkt der Planung darstellten. Darüber hinaus soll der Parkbogen die Ortsteile Reudnitz, Anger-Crottendorf, Stötteritz, Sellerhausen, Schönefeld und Zentrum Ost einerseits untereinander, andererseits auch den kompletten Leipziger Osten mit der Gesamtstadt verbinden. 

Dieser Parkbogen ist letztendlich nur eine Art roter Faden, ein symbolischer roter Faden, der sich durch dieses Gebiet zieht, um letztendlich verschiedene Aufwertungsmaßnahmen dort vorzunehmen. 

Dr. Frank Amey, Leiter des Amtes für Wohnungsbau und Stadterneuerung 

So verläuft der Parkbogen-Ost. 

Letztendlich laufen unter der Dachmarke Parkbogen Ost viele Einzelmaßnahmen, die so zusammengebracht werden. Neben der Verbindung der Stadtteile sollen auch die entstehenden Grünflächen den sonst eher strukturschwachen Stadtteil aufwerten und die Wohnfeldqualität steigern. Bauhistorisch wertvolle Orte wie etwa die alte Feuerwache oder das denkmalgeschützte Viadukt und ungenutzte Flächen im Osten sollen neu erschlossen werden und somit auch die äußere Wahrnehmung auf den Stadtteil lenken. Durch die Anbindung an andere Radwege kann zudem die überregionale touristische Anbindung gestärkt werden.

Wegführung und Stand des Parkbogen Ost

Der Parkbogen wird den Leipziger Osten bogenförmig umschließen, daher auch der Name. Dabei ist er in drei Teile geteilt: Der erste Teil, der Südabschnitt, startet am Grassimuseum und führt über den Täubchenweg in den Lene-Voigt-Park. Über die durch Grünflächen umrandete Anger-Crottendorfer Bahnschneise gelangt man schließlich zum südlichen Ende des Sellerhäuser Bogens. Dieser Abschnitt ist bereits fertiggestellt, der Übergang zum Ostabschnitt ist jedoch noch durch Baustellenschilder gesperrt. 

Der darauffolgende Ostabschnitt führt dann über den stillgelegten Bahndamm Richtung Norden an den zahlreichen Kleingärten vorbei bis hin zum markanten Sellerhäuser Viadukt. Alte Bahnsteige sollen dabei geschickt umgenutzt, die Wege ansprechend begrünt und somit neue Erholungs- und Informationsangebote geschaffen werden. Der Hochradweg über das Viadukt soll dabei einen besonderen Teil der Wegeführung darstellen. Zusätzlich müssen aber barrierefreie Rampen und Treppenanlagen geschaffen werden. 

So soll das Viadukt später aussehen. 

Aktuell wird das Sellerhäuser Viadukt saniert und die Brücke Eisenbahnstraße abgerissen, welche künftig durch eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke ersetzt werden soll. Die weitere Umsetzung des Ostabschnitts soll zwischen 2021 und 2024 folgen. Dazu gehören vor allem der Bau des Aktivbands zwischen Zweinaundorfer Straße und Eisenbahnstraße und damit verbundene Brückenneubauten, die ab 2023 geplant sind. Zudem fehlen auch hier Aufgänge, die in Höhe der Feuerwache Ost ab 2021 gebaut werden, der Anschluss der Anger-Crottendorfer Bahnschneise (also zum Südabschnitt) ist aber erst ab 2024 geplant. 

Und dann ist da noch der letzte Teil, die Nordspange, welche ab der Bahnstrecke Richtung Dresden beginnt. Hier gibt es jedoch zwei Vorschläge. Der Weg zum Hauptbahnhof kann entweder südlich der Bahnstrecke Leipzig-Dresden durch Volkmarsdorf und Neustadt oder nördlich am Alten Postbahnhof vorbei und entlang der Parthe führen. Die Planung ist noch unvollständig, der Fokus wird zunächst auf den Ostabschnitt gelegt. 

Langsam aber stetig 

Warum dauert der Bau des Parkbogen Ost so lang? Das liegt wohl vor allem an der Dimension des Projektes. Offziell ist die Umsetzung auf 20 Jahre angesetzt und wird laut der Stadt auf bis zu 40 Mio. Euro geschätzt. Wann welche Maßnahmen umgesetzt werden können, entscheidet vor allem der Zugang zu entsprechenden finanziellen Mitteln. Das Geld wird durch mehrere Förderungsprogramme, etwa dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus"oder dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE), aber auch durch Gelder der Stadt und private Mittel zusammengetragen und ist teilweise an Bedingungen geknüpft. So müssen immer wieder Auflagen geprüft und weitere Gelder beantragt werden. Ein immenser bürokratischer Akt also. 

Dennoch ist die Stadt mächtig stolz auf das Projekt:

Ich sag mal so, das gibt`s nicht nochmal in Leipzig. Und da bewundern uns schon heute viele Städte für dieses tolle Projekt.

Dr. Frank Amey, Leiter des Amtes für Wohnungsbau und Stadterneuerung

Wahrnehmung der Bürger:innen

Und auch Leipziger:innen beobachten das Projekt gespannt. Insgesamt ist die Idee des Parkbogens letztendlich ja auch aus Bürgerinitiativen entstanden und diese werden nach dem Leitbild nachwievor intensiv einbezogen. Unmut gab es jedoch darüber, dass die Planung nach einem Wettbewerb der Stadt 2019 teilweise in Hand eines Berliner Büros gelegt wurde und die Gestaltung des Aktivbands nun nicht mehr komplett Sache der Leipziger:innen ist. Dennoch ist die Resonanz vorrangig positiv, schließlich kommt das Großprojekt Parkbogen Leipzig Ost nicht zuletzt den Anwohner:innen zugute.

 

Unser Redakteur Jan Arne Friedrich hat sich auch mit dem Projekt beschäftigt. Den Beitrag zum Nachhören gibt es hier:

 

 

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