Sziget Festival: Tag 2

Spa, Playback, Tischtanz: Budapest!

Eine Insel wie eine eigene Welt: Vom 10. - 16. August findet in Budapest das Sziget Festival statt. Mit am Start sind neben Weltstars wie Rihanna, Muse und Manu Chao auch Geheimtipps – mephisto 97.6 berichtet täglich vom Inselwahnsinn.
Stagediver
Stagediving auf der VOLT-Stage

Was hat das Sziget Festival, was jedes andere Festival auch hat? Duschen. Aber was hat das Sziget Festival, was viele andere wie Rock am Ring und Hurricane nicht haben? Eine Stadt wie Budapest um sich herum. Und das ist gut so. So kann man sich am Donnerstagmorgen beim Anblick der unglaublich langen Dusch-Schlange dazu entscheiden, einfach in eines der berühmten Bäder Budapests zu fahren. Dank des „Citypasses“, mit dem man für gut 30 Euro die ganze Woche lang die Verkehrsmittel benutzen darf, ist der Eintritt sogar frei. So verbringt sich der Nachmittag eben auch mal ganz entspannt in der Therme, umzingelt von Touristen, Einheimischen und vereinzelten Festivalbesuchern.

Spa
 

Der größte Teil der Fans ist auf der Insel geblieben. Das hat vor allem einen Grund. Um 21:30 soll einer der größten Popstars die Bühne betreten: Rihanna. Seit Wochen ist dieser Tag des Sziget Festials der einzige, der komplett ausverkauft ist (hier sei angemerkt, dass die 7-Tages-Pässe auch allesamt vergriffen sind, aber ein paar Tagestickets übrig sind). Beim Betreten der Insel merkt man sofort, dass es etwas voller ist. So ist das riesige Zelt der A38-Stage zum frühabendlichen Set der dänischen Sängerin Mø bereits gut gefüllt. Das Publikum steht an diesem Tag auf Pop. Direkt nebenan bespielt das österreichische Kollektiv um Parov Stelar den Co-Headliner-Slot. Auch wenn einige Leute ausgelassen tanzen, ist die Stimmung vor allem vorne eher verhalten. Viele sind vor allem wegen Rihanna hier. Doch die lässt auf sich warten. 21:30? Auf der Bühne wird noch gebaut. Na gut, Zeit noch einmal ein Bier zu holen.

Publikum sitzt
 

Viele Biere hätte man sich holen können in der Zeit, in der das Publikum auf Rihanna wartet. Mit einer halbstündigen Verspätung – das ist immerhin ein Drittel des geplanten Sets – beginnt die Dame aus Barbados ihre knapp einstündige Show. Jetzt muss schon was kommen. Der Beginn ist ruhig. Das halbe Festival schnappt sich ein Smartphone und hält es in die Luft. Trotzdem irgendwie ganz nett. Nach drei Songs hat der intensive Konzertgänger trotzdem Lust zu gehen. Rihanna singt gefühlt 30% der Zeit – und zwar im Duett mit sich selbst. Nur leider aus der Konserve. Fraglich, ob sie überhaupt singt. Die Show ist ganz nett: Rihanna fügt sich gut in die sexy Tänze ein. Na ja, sie muss ja auch nicht singen. Schon ziemlich blöd. Enttäuscht geht es nach 30 Minuten Wartezeit und 10 Minuten Konzert zur benachbarten Bühne. Dort zeigt die schwedische Band Movits!, wie man es besser macht. Das Zelt ist zwar nur halb voll, aber die Leute haben Bock. Ihr Pop mit Bläser-Einschlag wird abgefeiert. Hinsetzen, hochspringen – alles am Start. Echte Live-Musik mit Glückseligkeit statt Rihanna.

Band In The Air
 

Danach beginnt die Nacht so richtig. Auf der VOLT-Stage rockt die ungarische Band Intim Torna Illegal (dabei sei an dieser Stelle mal eine der vielen guten Bands namentlich genannt) die Bude. Irgendwo zwischen Indie-Rock und Disco – die springende Meute ist ihnen sicher. Im Folgenden begeben sich viele Besucher an eine der zahlreichen Open-Air-Bars und Dancefloors. In der Jack Daniel’s Experience (von dieser Bar wird sicher noch häufiger die Rede sein) laufen Outkast. Wer eher dem Elektro zugeneigt ist, begibt sich in den Westen der Insel. Dort sind mit dem Colosseum und der Telekom Arena gleich zwei Bühnen nebeneinander. Das Colosseum bietet ein schönes Open-Air-Konstrukt mit Techno. Die Telekom Arena ist hingegen ausschließlich auf Größe aus. Hier geben sich in einem Zelt EDM-DJs die Ehre. Der Laden ist so voll, dass der Einlass gestoppt wird. Drinnen gibt es Tomorrowland-Flair im Großformat. Wem’s gefällt... Mir macht es eher Lust auf Zelti und Betti. Auf dem Heimweg wird die Nacht dann aber nochmal ein wenig verlängert.

Anheizen
 

Ein klassischer Sziget-Moment: An einer Aperol-Spritz Bar ist die Musik ordentlich aufgedreht und Leute tanzen vor dem Tresen. Das Personal scheint komplett betrunken. Der Besitzer (!) stellt sich auf die Bar und heizt die Leute an. Dazu gibt es „How much is the fish“ und viel mehr ähnliche Musik. Man blickt in ausgelassen-tanzende Gesichter. Wahrscheinlich geht die Party bis um 5 Uhr morgens weiter und der Besitzer liegt jetzt mit Kopfschmerzen in Bett. Letzteres ist mir erspart geblieben. Gut so, sind ja schließlich noch 5 Tage.

 

 

 

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Till Bärwaldt
12.08.2016 - 14:48
  Kultur