Frisch Gepresst: Car Seat Headrest

So schön asymmetrisch

Mit „Making A Door Less Open“ veröffentlichen Car Seat Headrest ihr 13tes Studioalbum. Trotz des massiven musikalischen Outputs eine imposante Platte.
CSH
Düstere Atmosphäre, reicher Sound: Car Seat Headrest gehen auf „Making A Door Less Open“ in die Feinarbeit.

Nach vier Jahren gibt’s endlich neue Musik von Car Seat Headrest. Allein darüber kann man sich freuen. Aber es wird noch besser: Die Entstehungsgeschichte von „Making A Door Less Open“ ist so wunderschön verzwackt, Fans komplizierter Produktionsprozesse mögen sich vor Freude fast einpullern:

Car Seat Headrest, das sind Will Toledo (Gesang), Ethan Ives (Gitarre), Seth Dalby (Bass) und Andrew Katz (Schlagzeug). Außerhalb dieser Formation sind Toledo und Katz auch Väter des elektronischen Nebenprojekts 1 Trait Danger – Will Toledo tritt da aber nicht als Will Toledo auf, sondern unter seinem Alter Ego Trait. Die Songs auf „Making A Door Less Open“ entstanden in den vergangenen Jahren jetzt als eine Art Liebeskind beider Gruppen. Also Tracks, die sowohl irgendwie CSH, aber eben auch 1 Trait Danger sind. Und um der ganzen Sache den letzten Schliff zu geben, wurde die Platte dann auch gleich zweimal aufgenommen. Einmal live, mit voller Bandbesetzung und einmal als MIDI-Version, mit rein synthetisch erzeugten Sounds. Das fertige, vollendete Album, welches wir jetzt begutachten können ist nun die Zusammenführung beider Versionen und wurde durch einige zusätzliche Aufnahmen ergänzt.

Alles hat seinen Platz – aber da muss es ja nicht liegen

Die Schnittstellen der beiden Stile verlaufen nicht immer makellos. Das sollen sie womöglich auch gar nicht. Opener „Weightlifters“ beginnt mit einer Sequenz, die zunächst nach ruhigem Cello klingt. Spätestens eine halbe Minute später erinnert es dann aber eher an eine hartnäckige Mücke im Schlafzimmer, als an ein Musikinstrument und zieht sich so durch den kompletten Song. Klug eingewobene Drums und Gitarre verleihen dem Track dann zwar eine Richtung, der man gerne folgt – aber für feine Ohren bleibt das Gefühl, dass an dem Song irgendetwas nicht ganz genau da ist, wo es sein soll.

Auch andere Songs, zum Beispiel das zuvor als Single ausgekoppelte „Martin“ rasseln ein bisschen eigensinnig vor sich hin. Schließlich macht aber genau das einen großten Teil ihres Reizes aus. Auch klingen sie zu keiner Zeit nervig oder sperrig: Egal, ob es überraschend scheppert („Hollywood“) oder ein Track als 7-Minüter („The Must Be More Than Blood“) daherkommt, Car Seat Headrest halten uns gespannt an den Lautsprechern. Lediglich „Hymn“ reißt einen grob aus dem Flow und erscheint in seinem Versuch, Indie-Rock und EDM-Dancefloor kreativ zu verbinden ein wenig zu wirr. Wenig später gelingt dem starken „Deadlines (Thougtful)“ aber genau das.

Die Songs und ihr Charakter 

Die Songs bestehen allein, sind aber auch als Album stimmig. Die vielschichtige Atmosphäre erklärt Toledo in seinem Essay „Newness and Strangeness“, gewidmet der Veröffentlichung der neuen Platte:

I wanted to make something that was different from my previous records, and I struggled to figure out how to do that. I realized that because the way I listened to music had changed, I had to change the way I wrote music, as well. I was listening less and less to albums and more and more to individual songs, songs from all over the place, every few days finding a new one that seemed to have a special energy. I thought that if I could make an album full of songs that had a special energy, each one unique and different in its vision, then that would be a good thing.

– Will Toledo über „Making A Door Less Open“

Ein Haus mit vielen Räumen 

„Making A Door Less Open“ ist geprägt durch eine Mischung aus Energie und Weltschmerz, Schaffensdrang und beherrschtem Handwerk. Es entsteht ein Gesamtbild, das im schlimmsten Falle ein bisschen unaufgeräumt und im besten liebevoll asymmetrisch scheint.

So oder so, die kleinen Reibereien ziehen stets mehr Aufmerksamkeit auf die Songs, als von ihnen weg. Das Album ist wie ein Haus mit zahlreichen Räumen, von denen man beim Betreten denkt sie gut zu kennen – bis man in den Ecken doch einige Überraschungen findet. Eine Erkundungstour, auf die wir uns gerne einlassen

 

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Car Seat Headrest: Making A Door Less Open

Tracklist:

1) Weightlifters
2) Can’t Cool Me Down*
3) Deadlines (Hostile)
4) Hollywood
5) Hymn – Remix
6) Martin*
7) Deadlines (Thoughtful)
8) What’s With You Lately
9) Life Worth Missing*
10) There Must Be More Than Blood
11) Famous

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 01.05.2020
Matador Records