Frisch Gepresst: B-Sides

So incredible

Der Februar ist vorbei und wieder einmal haben uns vier Alben für den Monat Februar nicht ausgereicht. Deswegen: Nochmal fünf Platten, die uns diesen Monat viel Spaß gemacht haben.
Die Frisch gepresst B-Sides im Februar
Die Frisch gepresst B-Sides im Februar

Denzel Curry & Kenny Beats - UNLOCKED

Der Rapper Denzel Curry und der Produzent Kenny Beats haben wohl das, was man einen Lauf nennt: Denzel Curry hat in den letzten Jahren mit seinem Konzeptalbum „TA13OO“ und dem Mixtape „ZUU“ überzeugt, Kenny Beats hat sich Kultstatus erarbeitet. Das liegt vor allem an seiner YouTube-Serie „The Cave“, in denen er sich mit Rapper*innen und Sänger*innen ins Studio einsperrt und mit ihnen einen Freestyle aufnimmt. Jetzt haben sich die beiden zusammengetan, um ein Minialbum zu produzieren. Und das überzeugt mit samplelastigen Beats, wilden Rapflows und Kopfnicker-Songs.

An vielen Stellen erinnert die Produktion an Produzenten- und Rapgrößen der 2000er wie Madlib oder DMX. Trotzdem bleibt das Projekt immer eigenständig. „UNLOCKED“ überzeugt auf voller Linie und das heißt: Denzel Curry und Kenny Beats funktionieren nicht nur solo, sondern auch zusammen.

Tennis - Swimmer

Dem Ehepaar hinter „Tennis“ sind seit der Veröffentlichung ihres letzten Albums einige schwere Schicksalsschläge widerfahren. Daraus entstanden ist „Swimmer“, das fünfte Studioalbum des Duos. Eingebettet in seichte Indie-Pop Klänge mit 70er Jahre Ästhetik verarbeiten sie diese schweren Zeiten.

Aber „Swimmer“ ist vor allem ein Album über die Liebe. Tennis halten an ihrem nostalgisch träumerischen Sound fest, der schon ihre früheren Werke charakterisiert hat. Und obwohl sie dabei auch das ein oder andere Mal die Linie zum Kitsch übertreten, ist „Swimmer“ ein Album, das überzeugt.

King Krule - Man Alive!

King Krules neues Album „Man Alive!“ ist eine Fortsetzung seiner ohnehin schon starken Diskografie und mischt wieder einmal unzählige Genres. Auf „Man Alive!“ finden sich Elemente aus Jazz, Post-Punk, Hip-Hop, Psychedelic Rock und Ambient Music. Dabei überzeugt besonders die erste Hälfte mit seiner düsteren Stimmung.

„Man Alive!“ ist aber noch viel mehr als nur ein großer Genretreffpunkt. Auch inhaltlich hat das Album einiges zu bieten. King Krule behandelt seine jugendlichen Erfahrungen mit Drogen, urbane Traurigkeit und seine Erlebnisse als frischgebackener Vater. Das Album beeindruckt mit tollen Songstrukturen und grandiosen Übergängen zwischen den Tracks. All das macht „Man Alive!“ zu einem großartigen Musikerlebnis.

Douglas Dare - Milkteeth

Der Südengländer Douglas Dare hat ein Händchen für Melodien. Das liegt unter anderem daran, dass seine Mutter Pianistin und Klavierlehrerin ist. Daher lag der musikalische Fokus seiner vorherigen Platten auf dem Klavier. Auf "Milkteeth" hingegen stellt Dare ein neues Instrument vor: Die Autoharp, eine Unterart der Zither, war für ihn die Inspiration für das gesamte Album.

Laut Dare war der Schaffensprozess von "Milkteeth" mithilfe der Autoharp ein Selbstgänger. Und so hat er das gesamte Album in nur 12 Tagen geschrieben.

Die Songs, die dabei entstanden sind, beschäftigen sich fast ausschließlich mit Dares Kindheit. Dadurch ist es wahrscheinlich sein persönlichstes Album. "Milkteeth" arbeitet die Negativität seiner Vergangenheit auf. Und so klingt Dares drittes Studioalbum optimistischer und melodischer als seine Vorgänger. In Kombination mit seinem Gespür für musikalische Strukturen hat Douglas Dare mit "Milkteeth" ein Album abgeliefert, das auf allen Ebenen funktioniert und beim Hören viel Freude macht.

Against All Logic - 2017 - 2019

Vor zwei Jahren veröffentlichte der renommierte chilenische House-Produzent Nicolas Jaar erstmals unter dem Künstlernamen „Against All Logic“. Das Album „2012 - 2017“ brachte die Wärme zurück in den House. Dafür sorgten vor allem die zahlreichen Samples. Das neue Album „2017 - 2019“ bleibt sich hinsichtlich der Sampledichte treu. So sind auf der Platte unter anderem Soundschnipsel von Beyoncé und Post-Punk-Ikone Lydia Lunch zu hören. Jaar schafft es aber, diese neu gewonnene Wärme in ein viel kühleres, industrielleres Soundgewand einzubauen.

Ausgangspunkt für die Songs auf der Platte sind immer wieder relativ simple Loops. Um diese herum baut Jaar erst im Laufe eines Songs dort herum neue Soundwelten, die sich immer wieder selbst dekonstruieren, um dann wieder neu aufzuerstehen. So wirkt die Platte fast wie „Work in Progress“. So ist „2017 – 2019“ eine fast schon surreale Erfahrung, die mit ihrem dystopischen Klang beeindruckt.

 

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Scott Heinrichs, Lina Kordes, Charlotte Peters
05.03.2020 - 21:08
  Kultur