Erneuerbare Energien

Smartphones für die Energiewende

Gut 30 Prozent des Stroms stammten in Deutschland im letzten Jahr aus erneuerbaren Energien. Was wird in Leipzig getan, um die Energiewende voranzubringen? Und wie können uns Smartphone & Co. dabei helfen?
Am Frühstrückstisch kann man entspannt seinen Stromverbrauch in einer App überprüfen
Das Stromsparen wird in Zukunft durch Apps noch leichter

Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee verteilt sich in der Küche. Mit einem "Plopp" springen die warmen, knusperigen Brotscheiben aus dem Toaster. Butter und Marmelade aus dem Kühlschrank landen auf dem Tisch. Was brauchen diese ganzen Geräte um zu funktionieren? Strom.

Ein Zwei-Personen-Haushalt in Leipzig verbraucht jährlich ungefähr 2000 Kilowattstunden Strom. Addiert man den Verbrauch aller Leipziger und der Wirtschaft, ergeben sich um die 7200 Gigawattstunden. Diese Zahl ist zunächst einmal schlecht greifbar, aber im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten wird klar: Die Leipziger sind ziemlich sparsam.

Doch nur fünf Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Energien - ganz im Gegensatz zum deutschlandweiten Durchschnitt von knapp 30 Prozent:

Was die Energieerzeugung betrifft, steht auf dem Gebiet der Stadt Leipzig sicherlich wenig Raum zur Verfügung.

Heiko Rosenthal, Umweltbürgermeister Leipzig

Obwohl es im Stadtgebiet folglich schwierig sei, beispielsweise große Wind- oder Solaranlagen zu bauen, fördere die Stadt die Nutzung von regenerativen Energien. Laut Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal habe sie wichtige Maßnahmen und Ziele im Energie- und Klimaschutzprogramm festgelegt. Ein Beispiel sei die Nutzung kommunaler Dachflächen für Solaranlagen, die bereits bei allen neu gebauten Schulen umgesetzt werde. Vor allem aber sollen große Gebäude in Leipzig saniert und damit energieeffizienter werden:

Ich denke, dass die Stadt Leipzig auch im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Großstädten mit über 100.000 Einwohnern, ein Stück weit eine Vorreiterrolle hat.

Bisher beziehen nur 2,3 Prozent der Haushalte in Leipzig Ökostrom, also Strom aus ausschließlich erneuerbaren Energien. Strom sparen und auf regenerative Energien umsteigen könnte in Zukunft jedoch einfacher werden.  

Wie die Digitalisierung die Energiewende voranbringen kann

Lukas Schleupner vom "Akademischen Energieverein Leipzig" ist überzeugt, dass die Digitalisierung die Energiebranche verändere und die Energiewende langfristig vorantreiben werde:

Die Digitalisierung macht alles flexibler. Vor allem kann der Kunde mehr über seine Energie entscheiden. Zum Beispiel gehst du ins Internet, suchst dir irgendeinen Anbieter heraus und kannst sagen: Ich will so und so viel Prozentanteil an Strom von erneuerbaren Energien haben.

Lukas Schleupner, Akademischer Energieverein Leipzig

Die Digitalisierung macht die Stromangebote nicht nur transparenter, sondern schafft auch Raum für eine Dezentralisierung des Energiemarktes, auf dem jeder Verbraucher seinen eigenen Strom produzieren und verkaufen kann. Dies wird auch als „Prosuming“ bezeichnet, da der Verbraucher gleichzeitig „Producer“ und „Consumer“ seiner Energie ist.

Strom von meiner Solarzelle zum Nachbarn

Doch was kann man sich genau darunter vorstellen? Mal angenommen ich habe eine Solaranlage auf dem Dach. An einem sonnigen Tag produziert sie mehr Energie, als ich verbrauchen kann. Nun habe ich die Möglichkeit den Strom auf einem digitalen Marktplatz, in einer "Cloud" anzubieten. So könnte mein Nachbar ganz leicht auf einer solchen Online-Plattform den Strom meiner Solarzelle kaufen. Aber auch Unternehmen und andere Stromanbieter könnten dort mit Energie handeln. Bevor das jedoch funktionieren kann, fehlen noch wichtige Grundlagen: Zum Beispiel muss unser Strom digital gezählt werden. Das passiert momentan bereits mit der Verbreitung von sogenannten "Smart Metern", digitalen Stromzählern, die den Verbrauch nicht mehr jährlich zählen, sondern die Zahlen jederzeit an den Stromanbieter weiterleiten.

Mithilfe von Smart Metern könnte man zum Beispiel in einer App nachsehen, zu welcher Uhrzeit man besonders viel oder besonders wenig Strom verbraucht und dadurch Energie einsparen. Doch wie immer, wenn Informationen digital aufgezeichnet und gesammelt werden, stellen sich die Fragen:

Wer steuert diese Datenflüsse? Wem gehören diese Daten? Wer geht wie mit diesen Daten um? Oder wer macht dann aus diesen Daten dann welches Geschäft?

Christoph Rasch, Greenpeace Energy

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Katharina Wolf können Sie an dieser Stelle nachhören:

Ein Beitrag zur Digitalisierung des Stroms von Katharina Wolf
 

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