Frisch Gepresst: I Break Horses

„Slow the fuck down!“

Mit ihrem neuen Album „Warnings“ nähert sich die Formation I Break Horses wieder ihren musikalischen Anfängen, zeigt sich aber auch von einer bisher unbekannten Seite.
I Break Horses - "Warnings"
I Break Horses - "Warnings"

Neun Jahre ist es her, dass das schwedische Duo I Break Horses ihr erstes Album „Hearts“ in die Welt setzte. Mit ihrem schwelgerischen Dreampop erspielten sich Maria Lindén und Fredrik Balck zunehmend gute Kritiken. Ihr Werk „Chiasroscuro“ bewegte sich dann etwas weg vom anfänglichen Shoegaze-Sound, es wurde poppiger als der Vorgänger. Auf „Warnings“, ihrem frisch erschienenen dritten Album, kehren sie wieder zurück zu der Melancholie, mit der sie bekannt wurden.

Film oder Traum?

Durch das ganze Album zieht sich eine düster melancholische Atmosphäre, die an einen Filmsoundtrack erinnert. Das ist kein Zufall, schließlich haben Filme bei der Entstehung der Platte tatsächlich eine wichtige Rolle gespielt. Viele Ideen kamen Lindén, als sie anfing Soundtracks für ihre Lieblingsfilme zu schreiben. Auf „Warnings“ werden, typisch für das Duo, die Hauptrollen von Synths besetzt, über die die Schwedin ihre sanfte Stimme legt, während Fredrik Balck das Ganze auf dem Schlagzeug begleitet. Zwischendurch gibt es immer wieder längere instrumentale Parts und Interludes. Obwohl das Album vor den momentan so wirren Zeiten fertiggestellt wurde, fügt es sich doch gut in dieses Jetzt ein – nachdenklich, dramatisch, entschleunigt. Könnte man den aktuellen Wahnsinn in der Welt von außen betrachten, dann würde „Warnings“ ohne Zweifel die passende musikalische Untermalung bieten.

An vielen Stellen wird einem beim Hören aber auch das Gefühl gegeben, man befinde sich in einem Traum. Fast klingt es so, als würde die Zeit für I Break Horses langsamer vergehen als für alle anderen. Nur rosig und sonnig ist dieser Traum aber keinesfalls, das zeigt zum Beispiel der Titel „Death Engine“. Der Track, der vorher schon als Single ausgekoppelt wurde, behandelt das Thema Selbstmord: Die heutige Jugend hat immer häufiger mentale Probleme, häufiger als jede andere Generation. Düster bleibt es auch in den restlichen Titeln. So spricht Lindén im Opener „Turn“ zu einem Ex-Liebhaber, mit dem es nicht funktioniert hat und schließt die Platte mit einem Titel über Depression („Depression Tourist“) auf dem ihre verzerrte Stimme im Vordergrund steht.

Reizvoll ausgereizt

Während die Länge der Songs auf „Chiasroscuro“ noch recht konstant zwischen vier und acht Minuten blieb, lässt sich „Warnings“ ziemlich viel Spielraum. Von einer bis neun Minuten ist auf den zwölf Tracks beinahe alles vertreten. Die Titel des Albums sind mitunter also ziemlich lang, so bietet „Turn“ bereits einen neun minütigen Einstieg. Das klingt zwar erst einmal mächtig, trotzdem legt der Opener auch eine erstaunliche Leichtfüßigkeit an den Tag.

Nowadays, the attention span equals nothing when it comes to how most people consume music, and it feels like songs are getting shorter, more ‘efficient’. I felt an urge to go against that and create an album journey from start to finish that takes time and patience to listen to. Like, slow the fuck down!

Maria Lindén über „Warnings“

Einige Tracks nehmen sehr viel Raum ein, ob nun aufgrund der Länge oder weil darin musikalisch recht viel passiert („Baby You Have Travelled For Miles Without Love In Your Eyes“, „Turn“), wohingegen andere eher wie eine kleine Verschnaufpause wirken („I Live At Night“, „l a r m“). „Warnings“ ist konstant gefühlvoll und gibt dabei Lindéns Stimme und den Sounds viel Platz. Das überzeugt, wer aber nach einem Spannungsbogen sucht, der wird wohl eher nicht fündig werden.

Wie ein Spaziergang im Wald

Sowohl Länge der Songs, als auch das ähnliche Soundbild führen leider dazu, dass viele der Titel auf „Warnings“ ineinander verschmelzen. Highlights der Platte sind vor allem die vorher veröffentlichten Singles („Death Engine“, „I’ll be the death of you“, „The Prophet“, „Neon Lights“), alles Übrige trägt vor allem zum Gesamtbild bei.

„Warnings“ ist kein Album, das sich so einfach auf Dauerschleife hören lässt. Es ist ein Album für den richtigen Moment. Es fühlt sich an wie ein schöner langer Waldspaziergang an einem bedeckten Tag. Und auch wenn die Platte etwas zäh erscheinen kann: Nimmt man sich die Zeit, dann ist es das auf jeden Fall wert.

 

Kommentieren

I Break Horses: Warnings

Tracklist:
  1. Turn 
  2. Silence 
  3. l a r m 
  4. I'll Be The Death Of You*
  5. d e n l i l l a p å s e a v l y c k a
  6. The Prophet*
  7. Neon Lights 
  8. I Live At Night 
  9. Baby You Have Travelled For Miles Without Love In Your Eyes*
  10. Death Engine*
  11. a b s o l u t a m o l l p u n k t e n 
  12. Depression Tourist 

*Anspieltipps