Tonleiter

Skurrilität in der Musik

Es ging um Frank Zappa. Und Instrumente aus Gemüse. Außerdem um das WGT in Leipzig und wie immer: Musik. Eine skurrile Themensendung im Tonleiter.
Bananenflöte
Musik auf Obst zu spielen, ist oft schwerer als gedacht

Wave-Gotik-Treffen

Ab heute findet das 23. WGT in Leipzig statt. Da es viele der „Otto-Normal-Bürger“ als „anders“ oder eben auch skurril bezeichnen, war es natürlich auch Thema bei uns in der Sendung. Wie sich einer der Hotspots, die Moritzbastei, auf das WGT vorbereitet, hat uns Programmkoordinator Rick Barkawitz im Interview erzählt.

Moderator Thomas Jähn über das 23. WGT - Rick Barkawitz von der MB im Interview

Programmkoordinator Rick Barkawitz als O-Ton Geber für die Moritzbastei

WGT Mod 05.06. TL

Frank Zappa

von Carsten Richter

Als Teenager interessierte sich Zappa für Rhythm and Blues Bands, aber auch für Komponisten wie Stravinsky und Varese. Vielen seiner Songs merkt man die verschiedenen Einflüsse durchaus an: Blues, Jazz, Rock und orchestrale Musik werden zusammengeworfen und auf teils parodistische Weise bearbeitet. Das Ergebnis ist ein eigenwilliges Stilgemisch. Komplexe Arrangements, rhythmische Vielfalt und lauter verrückte Ideen prägen seine Musik. Songs wie „Teen-Age Prostitute“ machen das deutlich.

Eine wichtige Rolle spielte Zappas Humor. Ersichtlich wird dieser vor allem in seinen Texten. Vielmals handelt es sich um Gesellschaftssatire. Gerade die Amerikaner nahm er zu gern aufs Korn. Politiker, Hippies und vor allem Sex sind regelmäßig wiederkehrende Themen. Zappa machte sich einen Spaß daraus, seinen prüden amerikanischen Mitbürgern einen Spiegel vorzuhalten. Auch Alltagsbeobachtungen und Anekdoten haben ihm häufig als Grundlage gedient.

Nach seinem Tod hinterließ Zappa mit mehr als 60 Alben ein umfangreiches Œuvre. Seine Musik ist dabei so eigenwillig und exzentrisch wie Zappa selbst. Dem Künstler war dies durchaus bewusst, er selbst sagte einst:

„Ohne Abweichung von der Norm ist Fortschritt nicht möglich.“

Skurrile Instrumente

von Christiaan Hümbs Steinbeck

Gemüse

Flöten aus Karotten, Trommeln aus Kürbissen. Was sich seltsam anhört, ist für ein Orchester in Wien alltäglicher Standard. Das so genannte “Gemüseorchester” spielt seine Konzerte tatsächlich auf Gemüse.

Vormittags frisch eingekauft, danach verarbeitet und abends gespielt sind das die einzigen Instrumente, die die Musiker benutzen. Als Nachtisch gibt es eine Gemüsesuppe für das ganze Publikum. Als Instrumente dienen die verschiedensten Arten von Gemüse, jeden Tag werden sie neu gebastelt. Essentiell für die Gemüsemusik ist die Zusammenarbeit mit der Tontechnik des Ensembles. Mit einer Mischung aus Kondensator-, Gesangs- und Kontaktmikrofonen ergibt sich eine spezielle “Mikrofonierung”. Nur damit ist die Verstärkung der oft sehr sensiblen und leisen Töne der Klangkörper möglich.

Interessant ist bei diesem Orchester demnach nicht unbedingt die Musik. Diese unterscheidet sich nämlich nicht sonderlich von einem normalen Orchester. Aber die Tatsache, dass die Instrumente aus Gemüse bestehen, ist definitiv ein skurriles Merkmal.

Ungetüm

Weg von der Gemüsesuppe, hin zu Ketten, Blechen und horrorfilmartigen Sounds. Die holländische Band “De Staat” hat bei Auftritten immer ein sehr großes Instrument dabei.

“De Machine” nennt sich das Ungetüm. Vom Aussehen her könnte die Maschine aus dem Mittelalter stammen, auch die erzeugten Töne klingen danach. Erfunden und gebaut wurde De Machine von Geert Jonkers. Beruflich arbeitet er als Audiomaschinist. Wie der Name schon verrät, werden in der Audiomechanik Maschinen gebaut, die Töne erzeugen sollen.

Beinahe so groß wie ein Elefant, strahlt “De Machine” Skurrilität auf das Publikum aus. Durch Strom angetrieben, setzen sich riesige Arme in Bewegung – es gibt auch Ketten, die gegen ein großes Blech schlagen. Somit klingen die erzeugten Töne nicht gerade leicht. Tiefe, schmirgelnde Töne bestimmen den Anfang der meisten Lieder der Band. Darauf folgen dann Gitarrenriffs und nach einer halben Stunde hat das Publikum sich an De Machine gewöhnt. Es fällt gar nicht mehr auf, dass das Instrument eigentlich skurril ist.

Geisterhaft

Aber das war noch nicht alles. Unheimlicher als das Waterphone, habe ich tatsächlich noch kein Instrument bezeichnet. Vom Äußerlichen habe ich das Instrument nicht erkannt, allerdings beim Hören.

Im Jahre 1967 hat Richard Waters das sogenannte Waterphone erfunden. Seitdem wird das Instrument häufig in der Filmmusik-Branche verwendet. Gespielt wird das Waterphone, indem man die Stäbe mit Stöcken schlägt oder streicht. Durch Schwenken und Kippen des Korpus kann der Ton zusätzlich verändert werden.

Ein Instrument, vor dem fast jeder Angst bekommt, wenn es seine Töne zeigt. Obwohl es sehr schön gebaut ist, gehört es, meiner Meinung nach, mit unter die skurrilsten Instrumente.

 

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