Schauspiel Leipzig:"slave to the rhythm"

Sklaverei in Leipzig?

Wer ein Fan von verrücktem Tanz und nackten Tatsachen ist, für den ist "slave to the rhythm" genau das Richtige.
Slave to the rythm
Darsteller im Bann des Rhytmus

Rhythmus, Raum und Dynamik – das sind wichtige Elemente von „slave to the rhythm“. Die Aufführung beginnt, wenn das Publikum zu den Plätzen gelangt. Man betritt also die bereits laufende Vorstellung. Und das Erste, das der Zuschauende wahrnimmt, ist eine Frau, die an einem Synthesizer rhythmische Klänge produziert. Dann kommen die anderen vier Darstellenden auf die Bühne. Sie müssen den Anweisungen der Frau folgen und dabei ihre Bewegungen dem vorgegebenen Rhythmus anpassen. Dabei tun sich die vier anfangs sichtlich schwer.

Je mehr Zeit vergeht, desto leichter fällt es ihnen, dem Rhythmus zu folgen. Als sie ihn verinnerlicht haben, toben sie sich tänzerisch aus. Um dem Ganzen etwas Neues zu geben, werden auch Gymnastikbälle und die wenigen Bühnenutensilien in die Bewegungen der Vier miteinbezogen. Die Tänzer*innen werden im Laufe der Zeit immer freier und experimentierlustiger. Sie geraten in eine Art Ekstase, die zum Schluss komplett ausartet. 

Im Bann des Rhytmus

Während des Stücks vermischen sich die Klänge des Synthesizers mit den Geräuschen, die die Darstellenden von sich geben. So entsteht eine einheitliche Geräuschkulisse, eine Art Rhythmuskomposition. Das Publikum nimmt nicht mehr die einzelnen Komponenten wahr. Sowohl der Bühnenraum als auch die Klänge des Synthesizers sind sehr minimalistisch gehalten. Die Darstellenden tragen am Ende identische sehr schlichte und schwarze Kostüme. Dadurch werden die Bewegungen noch deutlicher in den Fokus gerückt. Das Stück geht etwa eine Stunde – in dieser waren die Darstellenden ständig in Bewegung, nie stillstehend.

 

Kunst trifft Pädagogik

Choreographiert wurde das Ganze von dem gebürtigen Leipziger Hermann Heisig. Die gesamte Inszenierung nähert sich dem Konzept der rhythmischen Erziehung an. Dieses geht zurück auf den Komponisten und Musikpädagogen Émile Jaques-Dalcroze. Mit dem passenden Hintergrundwissen kann man das Grundkonzept von Dalcroze in Heisigs Inszenierung deutlich erkennen. Obwohl es kaum Text gibt, hat das Stück durchaus seine Komik. Die Darstellenden schaffen es, durch Mimik und Gestik, aber auch durch Interaktion untereinander das Publikum zum Lachen zu bringen.

„Slave to the rhythm“ ist ein sehr unkonventionelles Stück und wirkt stellenweise absurd. Lässt man sich jedoch auf die Performance ein, dann stellt sich das Stück als eine interessante Erfahrung heraus.

Den Beitrag finden Sie hier zum Nachhören:

Die Rezension von Nina Knopp zu "slave to the rhytm"
Rezension Slave to the rhytm

 

 

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slave to the rhythm

von Hermann Heisig

Premiere am 19.04.2018

Idee: Hermann Heisig

Bühne und Kostüme: Marie Gerstenberger

Produktionsleitung: Susanne Ogan

Musik: ​Gunnar Wendel aka Kassem Mosse

Licht: Thomas Achtner

Von und mit: Pieter Ampe, Jessica Batut, Hermann Heisig, Elpida Orfanidou, Alma Toaspern

Spieldauer: ​ca. 1 Stunde