Digitale Arbeitswelt

Sind Roboter die besseren Personaler?

Immer mehr Branchen nutzen Roboter und Algorithmen. Inzwischen hat auch das Personalmanagement ihren Nutzen entdeckt. Was bedeutet es für den Bewerber, wenn plötzlich Algorithmen über Bewerbungen entscheiden?
Sieht so die Personalabteilung der Zukunft aus?

Algorithmen und Roboter werden immer intelligenter. Personalexperten sehen in der Technologie große Chancen für Personalverantwortliche und Bewerber. Chancen und Risiken wurden vergangenes Wochenende im Rahmen des "HR-Innovation Day 2017" an der HTWK Leipzig diskutiert. Unternehmen nutzen vermehrt intelligente Tools in ihrem Personalmanagement zur Mitarbeitergewinnung. Auch werden sie zur Verbesserung des Betriebsklimas und der Mitarbeitermotivation genutzt. Algorithmen sollen Kandidaten besser kennenlernen können und die Passung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbessern, erklärt Personalexperte Joachim Dierks.

Arbeitgeber finden also Arbeitnehmer, die besser zu ihnen passen. Chatbots und Algorithmen werden von großen Unternehmen mittlerweile häufig eingesetzt. So kommunizieren manche Bewerber bereits ausschließlich mit Chatbots. Dessen sind sie sich oft gar nicht bewusst. 2015 arbeiteten mehr als die Hälfte aller Unternehmen mit intelligenten Werkzeugen. Bei Unternehmen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern waren es sogar alle. Problematisch ist, laut Trendforscher und Personalexperte Tom Haak, vor allem der Verlust von Arbeitsplätzen.

Algorithmen durchsuchen Bewerbungen auf Persönlichkeit

Aber nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch auf der praktischen Ebene gibt es Auswirkungen. Unternehmen versprechen sich, Bewerber effizienter und schneller zu finden. So werden die neuen intelligenten Tools vor allem in der ersten Stufe des Auswahlprozesses genutzt. Telefonate mit Robotern sollen Anschreiben und Lebenslauf ersetzen, denn anhand der Stimme können Persönlichkeitsmerkmale herausgelesen werden. Der Roboter kann also erkennen, wie nervös oder unsicher der Bewerber ist. Nicht nur telefonische, sondern auch schriftliche Bewerbungen werden von Bots analysiert. Diese können Tonfall und Motivation erfassen. Auch Anschreiben und Lebensläufe werden auf Schlüsselwörter durchsucht. Dementsprechend fallen Bewerber heraus, die sich nicht um diese Schlüsselwörter bemühen. Bewerber müssen also mitziehen und sich an die veränderten Auswahlprozesse anpassen. Wer diesen Schritt verpasst, hat wenig Chancen auf ein Bewerbungsgespräch.

Auch der Bewerber soll profitieren

Intelligente Algorithmen zeigen Bewerbern passendere Stellen an. Online-Assessments sollen helfen, herauszufinden, ob ein Job oder Unternehmen überhaupt zu einem Bewerber passt. Künstliche Intelligenz kann auch denen helfen, die bereits einen Job haben. So soll der Einsatz von intelligenten Werkzeugen das Betriebsklima und die Motivation der Mitarbeiter verbessern. Beispielsweise können Emails aller Mitarbeiter analysiert werden, um so die Stimmung einer Abteilung herauszulesen. Das soll Personalern helfen, ein besseres Betriebsklima zu schaffen. Ob eine ständige Überwachung das Betriebsklima tatsächlich verbessern kann, ist fraglich.

Mehr zum Thema hören Sie im Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Maren Schöttler:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Maren Schöttler.
3005 BmE Roboter Personalwesen
 

Kommentieren