Konzertbericht

"Sie haben nicht genug Zeichen übrig"

The World Is A Beautiful Place And I Am No Longer Afraid To Die haben nicht nur einen Namen, der die Zeichenbegrenzung sprengt, sie spielten auch zum ersten Mal in Leipzig. Und zwar am 26.Januar im Four Rooms. MIt dabei war auch Mewithoutyou.
TWIAPB live
The World Is A Beautiful Place And I Am No Longer Afraid To Die live on stage

Erwartungen 

"Was machst du heute Abend?" - "Ich geh zu The World Is A Beautiful Place And I Am No Longer Afraid To Die und Mewithoutyou." - "Warte, war das jetzt n Bandname?"... so ähnlich liefen in den letzten Tagen einige meiner Gespräche. Und irgendwie ist es auch immer wieder eine schöne Minute, die ich damit verbringe den doch etwas ungewöhnlichen Bandnamen aufzusagen. Daraus entsteht dann schnell ein Gespräch über die Musik der Band: klingt wie 90s Emo, ist aber total aktuell. Das ist in sich eher eine Rarität. Ich freue mich auf jeden Fall, denn ich bin etwas zu jung, als dass ich die Originalen 90's Emo Bands live hätte erleben dürfen. Mewithoutyou hingegen habe ich mit 15 das erste Mal auf einer Bühne gesehen. Ich kannte die Band vor der Show nicht, erinnere mich aber gut, dass sie mich total beeindruckt haben damals. Ich bin also freudig gespannt, was der Abend so bringen wird - und welche Band eigentlich anfängt... das geht irgendwie nicht so ganz aus den Plakaten hervor. Ich rate mal The World Is A Beautiful Place starten. Achso, und einen bestimmten Song erwarte ich diesmal natürlich auch wieder. Von TWIAP möchte ich unbedingt "Picture Of A Tree That Doesn't Look Okay" hören - der erste Song, den ich von der Band kannte.

Erster Eindruck

Ich liege falsch. Es geht mit Mewithoutyou los. Der kleine Raum des Four Rooms ist so voll, dass wir ganz hinten stehen. Kuschelig ist es hier. So sieht mein Blick auf die Bühne (in schlechter Handy-Bild Qualität) aus:

Blick auf Mewithoutyou
Blick auf die Bühne

Wie man sieht, kein Blick auf die Bühne. Das ist irgendwie schade, aber sobald die ersten Töne losgehen auch egal. Der Sound ist unfassbar clean und die Band startet mit viel Energie. Sofort bewegen alle ihre Köpfe zur Musik. Der ein oder andere ist textsicher. Mewithoutyou spielen ein ausgewogenes Set. Es sind rockige Songs dabei, die sofort krachen. Andere Songs beginnen ruhig und bauen sich langsam auf. Dem jubelnden Publikum zufolge spielen sie auch genügend ihrer Hits. Die typischen Off-Beat Sprechgesänge und auch einige Shout-Passagen begleiten die Instrumente. Wer Mewithoutyou auf Platte mag, muss sie wirklich live hören. Ich weiß sofort wieder, warum es gerade diese Band ist, die mir von dem Festival mit 15 Jahren so in Erinnerung geblieben ist. Die Bewegungsfreude des Publikums beschränkt sich allerdings eher auf zunächst verhaltenes, dann energisches Head-Banging. Könnte aber auch am Kuschelfaktor liegen. Zwischenzeitlich klettert Sänger Aaron Weiss auf die Boxen, um sichtbarer zu sein. Er kommentiert, dass er sich auch sehen wollen würde, wenn er im Publikum stehen würde. Seine Band macht sich ein wenig über ihn lustig, aber ich finde er hat Recht und freue mich, jetzt doch noch ein spannenderes Bild für meinen Bericht zu haben:

Mewithoutyou
Mewithoutyou On Stage

Musik

Um diesmal etwas mehr sehen zu können, stelle ich mich für The World Is A Beautiful Place And I Am No Longer Afraid To Die in die dritte Reihe. Schon bevor die Band spielt ist klar, dass es klanglich spannend wird, denn sie haben eine echt stolze Menge Effekt-Geräte vor sich liegen. Da ich so weit vorne stehe, kann ich das sogar beweisen:

Beweis
Beweisbild

Die Band steht außerdem zu acht auf der Bühne. Das sieht man auch nicht oft - zumindest kenne ich wenig Emo-Bands, auf die das zutrifft. Aus dem Interview, das ich mit der Band vorher geführt habe weiß ich, dass sie ursprünglich gerne wie Taking Back Sunday klingen wollten. Da ist wohl was schiefgelaufen, aber im positivsten Sinne. Ich meine, ich mag TBS sehr gerne, aber was TWIABP machen, übertrifft meine Erwartungen an ein Live-Konzert bei Weitem. Es ist wirklich völlig still in der Menge, das Publikum wird nur mal hörbar, wenn es in Applaus ausbricht. Die Reihen vor mir und um mich herum tanzen und können scheinbar jeden einzelnen Text. Etwas weiter hinten scheint es ruhiger zu sein, aber vielleicht sind die Leute da auch einfach gebannt von der Musik. Es ist irgendwie alles dabei: fröhliche, unbeschwerte Melodien begleitet von Gesang, Shout-Parts, und schwere Lieder, die den Raum völlig einnehmen. Die Band spielt sehr gekonnt mit dem "emotional", für das Emo steht. Sie erzählen nicht viel und die Songs gehen ohne langen Pausen ineinander über. Als es dann heißt "This is gonna be our last one for tonight" denke ich - wie? die haben doch gefühlt gerade mal fünf Songs gespielt. Das könnte aber sogar fast hinkommen, denn ihre Songs sind alle relativ lang. Sie spielen noch einen Song, den sie live noch nie vorher gespielt haben. Wirkt nicht so. Insgesamt sind viele Songs dabei, die den Eindruck erwecken, dass das Publikum hat genau auf dieses Lied gewartet. Ich habe aber meinen erwarteten Song längst bekommen und finde es diesmal fast egal. Es war eh jeder Song großartig.

Was in Erinnerung bleibt

Leider ein wirkliches Manko: Die Einlass-Stempel machen Werbung für Senses Fail. Bäh. Aber zurück zum Positiven. Hier bleibt auf jeden Fall der Klang in Erinnerung. Ich hätte ehrlich gesagt nicht unbedingt erwartet, dass der Sound so klar sein würde. Beide Bands überzeugen musikalisch auf ganzer Linie und für Fans von Post-Hardcore und Emo ist der ganze Abend wirklich eine Freude. Ich bin auch fast schon stolz auf das Publikum. Alle scheinen wirklich für die Musik da zu sein, daher stört niemand durch unpassende Gespräche. Im Großen und Ganzen habe ich mich wirklich wieder ein bisschen wie 15 gefühlt. Denn so wie dieser Abend war, erinnere ich mich an frühere Konzerte. Ich bin beeindruckt und hoffe, die beiden Bands spielen öfter zusammen in Leipzig - Mewithoutyou und The World Is A Beautiful Place And I Am No Longer Afraid To Die passen definitiv wunderbar zusammen.

 

Kommentieren