LA Priest

Sexysofter Alienpop

Treffen sich ein Priester, ein Brite und ein begnadeter Musiker... Nein, das ist kein Witz, sondern eine Person. LA Priest, alias Sam Eastgate, ehemaliger Frontman bei Late of the Pier, verzaubert das Publikum mit seinem Debütalbum 'Inji'.
LA Priest in der Berghain Kantine
LA Priest in der Berghain Kantine

10 Jahre in der Schublade

Die Entstehung des Debüts 'Inji' von LA Priest ist eher ungewöhnlich. Das älteste Songmaterial darauf hat nämlich inzwischen zehn Jahre auf dem Buckel, die aktuellsten Sachen gerademal ein Jahr. Dieser immense zeitliche Rahmen ist durch zwei Umstände bedingt. Zum einen war Sam Eastgate parallel zu seinem Soloprojekt mehrere Jahre Frontmann der Nu Rave-Band Late of the Pier, zum anderen spielte er nach deren Auflösung bei verschiedenen Bands als Tour- und Studiomusiker. Das Soloprojekt gab es jedoch schon vor alledem (Anm.: erste EP 'Engine' von 2005) und Eastgate hat es auch nie aus den Augen verloren. Im Gespräch deutet er zwar an eine Umbenennung in Betracht gezogen zu haben. Aber 'Inji' fühlte sich für ihn nicht neu an, sondern vertraut und stringent zu dem Material, was er bereits früher unter dem Namen geschrieben und veröffentlicht hat. Deswegen blieb er einfach bei LA Priest.

In der Mine in Grönland

Als es daran ging nun endlich nach so langer Zeit ein Debütalbum aufzunehmen, war Sam Eastgate umtriebiger denn je. Auf Reisen machte er field recording-Aufnahmen, zum Beispiel in einer Mine auf Grönland. Diese Aufnahmen verfremdete er ins Unermessliche und fügte sie dann seinen Kompositionen hinzu, um, wie er sagt, dem Album ein paar 'weirde' Elemente einzuverleiben. Er trieb sich auch in einem alten Fabrikhaus in seiner Heimatstadt Nottingham rum. Darin waren einige Probenräume, mehr schlecht als recht, installiert. Eastgate wohnte sogar dort - ohne Erlaubnis versteht sich. Und wüssten die Metalheads aus dem benachbarten Proberaum, dass er an ihrem Waschbecken seine tägliche Katzenwäsche betrieb, bliebe ihnen wahrscheinlich das Gegröhle im Halse stecken. Andauernd befürchtete Eastgate bei der nächsten Gelegenheit deswegen Prügel zu beziehen.

Die Geister, die LA rief

Und das war nicht das einzige, wovor er sich fürchtete. Zwei Mal hätte er Geister in den Fabrikhallen spuken sehen, beteuert er. Da verwundert es kaum, dass er für die finale Phase der Aufnahmen auf ein Landhaus in Wales floh, welches er 'Fairy Canary' taufte, aber eigentlich einen aus 14 Konsonanten bestehenden Ortsnamen trägt. 'Feenartiger Kanarienvogel' hört sich aber auch einfach besser an. Im walisischen Idyll hat er dann 'Inji' fertiggestellt. Das Ende einer langen abenteuerlichen und mitunter unglaublichen Reise.

André Beyer porträtiert und spricht mit LA Priest
Ein Porträt von LA Priest

 

 

 

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André Beyer
11.12.2015 - 10:51
  Kultur