#Leipzigtoo

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen

Die #metoo-Debatte ist seit Oktober 2017 in aller Munde. Doch wie steht es mit der Gleichberechtigungsdebatte hier in Leipzig? Ein Blick auf #Leipzigtoo.
Susanne Hampe in ihrem Beratungszimmer
Susanne Hampe in ihrem Beratungszimmer

Frauen für Frauen e.V. ist ein Leipziger Verein, der sich um Frauen kümmert, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Darunter versteht der Verein jede Form erzwungener sexueller Handlungen, von Vergewaltigung und Missbrauch, über Angrapschen bis hin zu Belästigung am Telefon. Der Verein betreibt mehrere Anlaufstellen für betroffene Frauen, unter anderem ein Frauenhaus, eine Gewaltopferambulanz und einen Frauennotruf. Letzter wird von Susanne Hampe betreut. Sie sitzt in ihrem gemütlich eingerichteten Büro auf einem Sofa. Der Raum soll den betroffenen Frauen Ruhe und Wärme schenken. Sie berät hauptsächlich Frauen, die vergewaltigt worden sind. Außerdem kümmert sie sich um Frauen, die in der Kindheit Missbrauch erlebt haben und jetzt als Erwachsene merken, dass sie damit Schwierigkeiten haben. Frau Hampe möchte den Frauen helfen, mit den Folgen besser klarzukommen.

Hampes Aufgabe ist es, den betroffenen Frauen Informationen zu vermitteln und ihnen zu zeigen, dass sie keine Schuld haben.

Das wichtigste ist aber, dass die Frauen lernen, mit dem Erlebten umzugehen und gut zu leben.

Susanne Hampe, Mitarbeiterin Frauennotruf

Vergewaltigungsmythen

Doch der Schritt aus der Anonymität hin zur Beratung kostet Überwindung. Viele Frauen schämen sich für das Erlebte oder geben sich selber die Schuld. Grund dafür sind laut Hampe sogenannte Vergewaltigungsmythen. Dabei geht es zum Beispiel darum, was eine echte Vergewaltigung ist. Eine echte Vergewaltigung passiert durch einen Fremdtäter, in der Regel draußen, die Betroffenen wehren sich so sehr, dass sie massivste Abwehrspuren haben und sie gehen danach sofort zur Polizei. So zumindest der Mythos. Doch in der Realität sieht das anders aus: Die meisten Vergewaltigungen finden, so Hampe, durch Bekannte, Freunde oder Familie statt, oftmals sogar zu Hause. In der Regel wehrten sich die Frauen auch nicht so stark, dass Spuren blieben und häufig trauten sie sich auch nicht, direkt zum ärztlichen Personal oder zur Polizei zu gehen. Gleich am Anfang der Beratung wird geklärt, ob die Betroffene bereits beim ärztlichen Personal war oder Anzeige erstattet hat und ob sie das überhaupt will.

Die Beratung

In der Beratung gehe es hauptsächlich darum, das Vertrauen der Frauen zu gewinnen und diese zum Sprechen zu bringen. Vielen Frauen fällt das Sprechen sehr schwer, denn sie stehen durch das Erlebte unter Schock. Frau Hampe verfolgt mit ihrer Beratung auch noch ein weiteres Ziel:

Mein heimliches Ziel in der Beratung ist es, am Ende einer Beratung, dass die betroffene Person mindestens einmal gelacht hat.

Susanne Hampe

Zu wenig traumatherapeutisches Fachpersonal

Doch laut Hampe gebe es viel zu wenig traumatherapeutisches Fachpersonal. Betroffene müssten mindestens ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz warten. Deswegen fordert sie von der Regierung mehr Mittel für Fachstellen wie ihre. Doch zugleich ist sie auch dankbar, dass die Stadt Leipzig den Verein finanziell unterstützt, denn dies sei staatlich nicht vorgeschrieben.

Täterorientierte Antigewaltarbeit

Die Triade GbR ist eine Organisation, die mit Menschen arbeitet, welche Gewalt gegen eine andere Person ausüben. Grund für das gewaltsame Verhalten sei vor allem Machtausübung.

Laut Wolfram Palme von der Triade GbR ist es am wichtigsten, das gewalttätige Verhalten zu unterbrechen. Zudem sollen die Tatbegehenden, welche meist männlich sind, neue Arten des Umgangs erlernen. Der neue Umgang soll nicht auf psychischer, körperlicher oder sexualisierter Gewalt fußen, sondern auf Respekt.

So verwunderlich es auch wirken mag, wollen sich die Paare häufig gar nicht trennen und können nach der Therapie eine glückliche Beziehung ohne Gewalt führen.

Die Arbeit der Triade, des Vereins Frauen für Frauen, aber auch aller weiteren Hilfsorganisationen, die sich gegen sexualisierte Gewalt einsetzen, ist wichtig, um den Opfern in ein gutes Leben zu verhelfen.

Ein Beitrag von Nicole Franz über sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Leipzig
Ein Beitrag von Nicole Franz über sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Leipzig

 

 

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