One Day in History

Sergio Leone: Meister der Langsamkeit

Obwohl sein filmisches Oeuvre bloß sieben Filme beinhaltet, hat er sich seinen Platz im Film-Olymp redlich verdient. Immerhin hat er in den 60er Jahren das Genre des Italo-Western etabliert. Sergio Leone zählt zur Riege der ganz großen Regisseure.
Sergio Leone
Sergio Leone: Regisseur und Begründer des Italo-Western

"Mein Hauptdarsteller ist die Zeit" hat er einmal gesagt. Wie wohl kein anderer Regisseur hat Sergio Leone die Langsamkeit zelebriert. Minutenlang fokussiert die Kamera seine Darsteller und Darstellerinnen. Unerbittlich langsam wird ein Schweißtropfen beim Herunterrinnen verfolgt. Die Länge seiner Duellszenen reizt der Italiener bis zur Unerträglichkeit aus.

Italo-Western Legende

Sergio Leone, 1929 in Rom geboren, gilt als der Begründer des Italo-Westerns. Seine "Dollar Trilogie" mit seiner zynischen, harten Grundstimmung den Weg für das Genre bereitet und gleichzeitig den Höhepunkt geschaffen. Es sind auch die Filme, mit denen Clint Eastwood als wortkarger, abgebrühter Revolverheld zum Filmstar und zur Medienikone wird. Der namenlose Fremde, den er in den drei Filmen verkörpert, ist ambivalent und opportunistisch und damit weit weniger heroisch als der klassische Westernheld à la John Wayne. Diese realistischere Charakterzeichnung gepaart mit einer fast unverschämten Lässigkeit haben das Genre stark geprägt. Sergio Leone, der sich später mit dem Schauspieler überwarf, soll einmal gelästert haben, Eastwood habe genau zwei Gesichtsausdrücke, einen mit und einen ohne Hut. Aber manchmal reicht es auch völlig aus, einfach lässig in die Ferne zu gucken.

Die "Amerika-Trilogie"

Nach den drei Filmen mit Eastwood wendet sich Sergio Leone neuen Aufgaben zu. In seiner "Amerika-Trilogie" porträtiert er das Land über einen Zeitraum von hundert Jahren hinweg. Ist bereits der erste Teil der Reihe "Once upon a time in the West" (Spiel mir das Lied vom Tod) mehr Wild-West-Oper als klassischer Western, entfernt sich der Regisseur im Verlauf der Trilogie immer weiter vom Genre. Leones letzter Film "Once upon a time in America" (Es war einmal in Amerika) ist der längste und komplexeste Film des Italieners. Über drei ineinander verwobene Zeitebenen erzählt er die Geschichte einer New Yorker Gangsterbande. Das Ergebnis ist ein fast vierstündiges Epos vom Streben der Underdogs nach dem großen Wurf, von Freundschaft und Verrat.

Der Film, an dem der Regisseur fast zehn Jahre gearbeitet hat, ist ein krönender Abschluss seiner Karriere. Obwohl Sergio Leone bei gerade einmal sieben Filmen Regie geführt hat, zählt er zur Riege der ganz großen Regisseure und Regisseurinnen. Am 30. April 1989 stirbt der Italiener in seiner Heimatstadt Rom.

 

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Filmographie:

1959: "Der Koloß von Rhodos" (The Colossus of Rhodos)

1964: "Für eine Handvoll Dollar"    (A Fistful of Dollars)

1965: "Für ein paar Dollar mehr" (For a Few Dollars More)

1966: "Zwei Glorreiche Halunken" (The Good, The Bad and the Ugly)

1968: "Spiel mir das Lied vom Tod" (Once upon a Time in the West)

1971: "Todesmelodie" (Duck, You Sucker!)

1984: "Es war einmal in Amerika" (Once upon a Time in America)