KZ Auschwitz

Seit 70 Jahren frei

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das KZ Auschwitz. In keinem anderen Konzentrationslager wurden so viele Menschen ermordet. Auch Leipzig erinnert sich mit verschiedenen Veranstaltungen.
Vortrag im Rahmen des Symposiums der Theologischen Fakultät der Uni Leipzig

Es ist das Symbol für den größten Massenmord in der Geschichte der Menschheit. Im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen. Die meisten davon waren Juden. Heute sind die Reste des Lagers ein Museum, in dem Menschen sich über den systematischen Massenmord informieren können – und über die Erinnerung daran.

70 Jahre Frei

Am 27. Januar 1945 brachen sowjetische Soldaten der Roten Armee durch die deutsche Front und befreiten das Konzentrationslager Auschwitz. Sie trafen dort auf ungefähr 7.000 Überlebende. Allerdings waren sie in so schlechtem Zustand, dass viele von ihnen an den Folgen starben. Und genau diesem Tag der Befreiung wird heute überall in der Welt gedacht. In Auschwitz selbst findet die größte Gedenkveranstaltung statt. An dieser wird unter anderem auch Bundespräsident Joachim Gauck teilnehmen.

Auch Leipzig gedenkt

Die Stadt lädt zur Gedenkstätte Abtnaundorf ein, wo die SS und die Gestapo 300 Häftlinge aus dem Lager Birkenau ermordet hatten. Dort wurde heute Mittag eine Schweigeminute abgehalten und Kränze niedergelegt. Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie die Generalkonsuln von Russland und der USA hielten Reden.

Außerdem wird eine Ausstellung in der Katharinenstraße 2 eröffnet, die das Stolpersteinprojekt vorstellt. Bei diesem Projekt werden goldene Pflastersteine vor Häusern verlegt, aus denen Juden deportiert wurden. Auf den Steinen sind der Name und das Geburts- sowie das Deportationsjahr eingraviert.

Um 17 Uhr gibt es eine Veranstaltung im Hauptbahnhof. Dort soll am Gleis 23 der Opfer gedacht werden, die von dort aus in die Konzentrationslager deportiert wurden.

mephisto 97.6-Redakteur Michael Buchweitz mit den wichtigsten Informationen zum Gedenktag
2701 Servicebeitrag Gedenktag

Symposium der Theologischen Fakultät

Die Theologische Fakultät veranstaltet ein Symposium. Es findet in der Ritterstraße 26 statt. Beginn ist um 9.30 Uhr, enden wird das Symposium ungefähr um 19.30 Uhr. Die Theologische Fakultät kooperiert dabei mit der Bar-Ilan Universität in Israel. Leipziger Theologen sowie israelische Professoren und Rabbis setzen sich in verschiedenen Vorträgen mit Auschwitz und dem Holocaust auseinander.

Zu diesem Symposium hat unser Redakteur Ole Zender ein Interview mit Alexander Deeg geführt. Er ist Professor für praktische Theologie an der Universität Leipzig und einer der Organisatoren des Symposiums. Er erklärt, dass die Veranstaltung vor allem Denkanstöße darüber geben soll, wie Erinnerungskultur heute betrieben wird und was die damaligen Ereignisse im Juden- und Christentum verändert haben. Einen Schlussstrich unter der Vergangenheit zu ziehen ist für Alexander Deeg nicht möglich. Er möchte vielmehr, dass gemeinsam ein "bunter Strauß an Wegen der Erinnerung" gefunden wird.

mephisto 97.6-Redakteur Ole Zender im Gespräch mit Alexander Deeg, Professor für praktische Theologie
2701 TI Ole Alexander Deeg

Demonstration für weltoffenes Leipzig

Schon am einen Tag vor dem eigentlichen Gedenktag in Leipzig gingen bereits 2.000 Menschen auf die Straße, um für ein weltoffenes Leipzig zu demonstrieren. Courage zeigen e.V. und das Bündnis 8. Mai hatten sich dafür zusammengefunden. Christian Wolff, ehemaliger Pfarrer der Thomaskirche, hatte die Demonstration angemeldet.

Gerade am heutigen Tage, dem Vorabend des Holocaust-Gedenktages, war es ganz wichtig, dass wir hier ein deutliches Zeichen setzen. Und wir müssen alles tun, dass wir das friedliche Zusammenleben in einer multireligiösen Gesellschaft lernen.

Christian Wolff

Es müsse außerdem endlich klar werden, was sich hinter Pegida und Legida verberge, so Wolff. Die Demonstration war also auch eine klare Positionierung gegen Legida, aber gleichzeitig eine Maßnahme, um vor dem Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz ein Zeichen zu setzen.

Außerdem besteht eine Verknüpfung zu den Montagsdemonstrationen in der DDR. Daher begann die Aktion gegen 16 Uhr mit einem Friedensgebet an der Nikolaikirche, bevor sich der Zug in Bewegung setzte, um auch an der Synagogengedenkstätte noch einmal inne zu halten.

Moderatorin Lisa Hofmann im Gespräch mit mephisto 97.6-Redakteur Ole Zender zur Demonstration für Weltoffenheit in Leipzig
2701 Demo Montag
 

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Michael Buchweitz Alexandra Huth
27.01.2015 - 17:06

Um 13.30 Uhr stehen kostenlose Busse vor dem neuen Rathaus bereit und fahren nach Abtnaundorf.

Eröffnung der Ausstellung zu dem Projekt "Stolpersteine": 14 Uhr in der Katharinenstraße 2

Gedenk an die Opfer, die vom Leipziger Hauptbahnhof aus deportiert wurden: 17 Uhr auf Gleis 23

Symposium der Theologischen Fakultät in Kooperation mit der israelischen Universität Bar-Ilan. Das Programm finden sie hier.