Buchmesse 2015

"Schwarz" ist nicht gleich schwarz

Ab dieser Woche starten die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Leipzig. Über abstruse Alltagsrassismen, den Begriff "farbig" und Deutschlands koloniale Vergangenheit berichtet die Autorin Anne Chebu in ihrem Buch "Anleitung zum Schwarz sein".
Anne Chebu vor ihrer Lesung im Haus der Demokratie Leipzig
Anne Chebu vor ihrer Lesung im Haus der Demokratie Leipzig

Woher kommst du?: Anne Chebu stammt gebürtig aus Nürnberg, hat in Ansbach Multimedia und Kommunikation studiert und arbeitet in Hamburg als TV-Journalistin und Moderatorin. Auf die Frage nach ihrer Herkunft ist sie es leid, immer ihren Stammbaum und das Herkunftsland ihrer Eltern als Erklärung für ihre Hautfarbe nennen zu müssen. So wie ihr geht es vielen jungen Afrodeutschen. Ihr Buch "Anleitung zum Schwarz sein" ist als Hilfestellung für junge Schwarze Menschen gedacht, die sich mit dem Umgang ihrer Hautfarbe auseinandersetzen wollen. Das Video des Youtubers Sidney Frenz aus Hamburg schildert Situationen, denen sie sich im Alltag ausgesetzt sehen können und deren Absurdität. 

 

 

Positiver Rassismus

Dabei wird klar, dass Rassismus nicht immer nur rechtsextrem sein muss. So gibt es zum Beispiel auch positive Rassismen oder rassifizierende Aussagen. Diese bedienen Klischees und Stereotype (z.B. "alle Schwarzen können gut tanzen") bzw. betonen die Andersartigkeit des Gegenübers (z.B. ohne Erlaubnis in die Haare fassen durch weiße Deutsche). Dass diese Unterscheidungen zur weißen Bevölkerung nicht zwangsläufig wahr sein müssen, wird dabei aber nicht berücksichtigt.

Schwarz auf Weiß

Auch was Bezeichnungen angeht, besteht eine große Wortverwirrung. Immer noch tun sich viele Menschen mit dem Begriff "Schwarze" schwer und wählen stattdessen Begriffe, die noch verletzender sein können. Der Begriff "farbig" zum Beispiel hat seinen Ursprung im Sprachgebrauch der deutsch-afrikanischen Kolonien und ist aus dem Wortschatz der Rassenideologie entnommen, macht ihn also für heutige Verhältnisse nicht verwendbar. Anne Chebu plädiert in ihrem Buch dafür, das Adjektiv "Schwarz" am Anfang großzuschreiben, um es als politischen Begriff auszuzeichnen, der die soziokulturellen Begebenheiten aufzeigt. 

 

Dora Midré im Gespräch mit der Autorin Anne Chebu.
 

 

 

 

Kommentare

Anne gibt ein wunderbares Interview. Ihre Antwort auf "Tips" ist sehr gut da es auf den Menschen, die Situation und die Umstände darauf ankommt. Stimme zu daß es wichtig ist etwas zu sagen wenn man falsch angesprochen/bezeichnet wird. Hut up, Anne! Gute Arbeit und mach weiter so.

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"Anleitung zum Schwarz sein" von Anne Chebu

Erschienen im Unrast Verlag

ISBN: 978-3897715271

Die Lesung fand im Rahmen der Buchmesse 2015 und der Internationalen Wochen gegen Rassismus in Leipzig statt. Das Veranstaltungsprogramm dazu finden Sie hier.