Schulabschluss in der JVA

Schule hinter Gittern

Gefängnis und Schule? Jährlich nutzen ca. 100 Häftlinge der JVA die Chance, ihren Bildungsabschluss nachzuholen. Doch wie sieht so eine Schulausbildung im Gefängnis aus und worin liegt ihre Motivation?
Eine JVA gleicht von außen fast einer Schule. Die Gitter verraten jedoch, dass hier junge Häftlinge ihre Straftaten absitzen.

Andreas ist 25 Jahre alt und saß für insgesamt zwei Jahre in Haft. In der JVA nahm er seine Chancen wahr und entschied sich, seinen Hauptschulabschluss im Gefängnis nachzuholen – mit dem Ziel auf ein besseres und einfacheres Leben danach.

Schulalltag

Für Andreas läuft der Schulalltag "normal" ab. Der Morgen im Klassenraum, das Lernen in einer Gruppe, Schulfächer wie Mathe, Deutsch und Englisch – das alles ist auch für ihn und die Häftlinge, die sich zur Schulausbildung in JVA entscheiden, nichts Besonderes. Prüfungen werden in Partnerschulen abgelegt und stellen dieselben Anforderungen an die Häftlinge, wie an alle anderen Schüler. Auch das Abschlusszeugnis erhalten sie von Partnerschulen – ohne jegliche Anmerkungen der Inhaftierung. Neben dem Hauptschulabschluss kann auch ein Realschulabschluss und in Münster und Freiburg sogar das Abitur nachgeholt werden. Berufsfördernde Maßnahmen können ebenso von den jungen Erwachsenen in Anspruch genommen werden.

Der feine Unterschied

Jürgen Martens, Sächsischer Staatsminister für Justiz, erklärt die feinen Unterschiede, die das Lernen in der Haft eben doch nicht ganz mit der Schule außerhalb der Haft vergleichbar machen. So seien die Lehrer zwar freiwillig als Lehrkräfte im Gefängnis, sie hätten jedoch keine spezielle Ausbildung. Sie sind lediglich auf ihre Kompetenz und Erfahrung angewiesen, um auf die Probleme der Inhaftierten einzugehen. Inhaftierte Schüler sind in der Regel auch älter als 'normale' Schüler – zwischen 18 und 24 Jahre alt. Zudem sind die Klassen kleiner: Sie bestehen aus bis zu zehn Leuten. Auch andere Lehrmethoden und Klassenzusammensetzungen seien eine Herausforderung.

Ziel und Motivation

Für Andreas war vor allem seine Zukunft die Motivation, sich für eine Schulbildung in Haft zu entscheiden. Auch Martens betont, dass es eine Chance der Sträflinge sei, "etwas für sich zu tun". Ein Schulabschluss sei wichtig, um die Resozialisation einfacher zu gestalten, es würden sich mehr Möglichkeiten für späteren Erfolg auf dem Ausbildungs-und Arbeitsmarkt bieten.

Andreas fand seine Motivation vor allem darin, dass er die Möglichkeit hatte, seine Zelle zu verlassen und sogar ein klein wenig Taschengeld für den "Schulbesuch" bekam. Martens meint, es solle nicht an finanziellen Problemen scheitern, die Möglichkeit zum Bildungserwerb wahrzunehmen.

Insgesamt zeigt sich laut Martens das Konzept der Schule in der JVA als gelungen.

 

Ein Beitrag von Anika Ahmadi über die Schulausbildung in der JVA.
Ein Beitrag von Anika Ahmadi über die Schulausbildung in der JVA.
 

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Luise Hopfmann
13.08.2014 - 13:48
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