Die Kolumne

Schrilles, buntes Leipzig

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Lars-Hendrik Setz über Leipzigs sympathischste Außenseiter, die Kinder der LEGIDA und einen neuen Zeitgeist.
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Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben wie immer eine Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Die Kolumne von Redakteur Lars-Hendrik Setz über Montagsdemonstrationen, Legida und die Leipziger Straßenbahnen - oder Rohrleitungen?

Schrilles, buntes Leipzig - Die Kolumne von Lars-Hendrik Setz
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Das Leipziger Wave-Gotik Treffen bekommt zum 25-jährigen Jubiläum in diesem Jahr eine eigene Ausstellung. Sie läuft von März bis Mai. Reicht das schwarze Gedudel nicht einmal im Jahr?

Ich verstehe ja, dass man mit den Geschmäckern der WGT-Teilnehmer nicht so sehr übereinstimmt. Aber als Leipziger kann man für den Wave-Gotik Treff eigentlich nur dankbar sein. Nicht nur, weil jedes Jahr tausende Touristen am WGT-Wochenende in die Stadt kommen. Sondern auch, weil Leipzig eben nicht Leipzig wäre, gäbe es nicht das WGT. Was steht denn mehr für die Möglichkeiten der Postwende-Ära einer ostdeutschen Großstadt, als ein paar Außenseiter, die

Heiß oder kalt? Runter oder Rausch? Kolumnist Lars-Hendrik Setz ist das alles egal. Für ihn zählen Worte mehr als Taten.

einmal im Jahr ihr Anderssein feiern? Und wenn es eben etwas komisch und deprimierend aussieht, was soll's! Ich bin übrigens auch ein kleines bisschen WGT. Ich trage ausschließlich schwarze Hosen - aber das können Sie ja gar nicht sehen.

Demo-Montag in Leipzig: Die einen bilden eine Lichterkette um den Innenstadtring, andere randalieren in Connewitz. Wie nah liegen Licht und Schatten in dieser Stadt beieinander?

Der Punkrock-König Rio Reiser hat mal gesungen: „Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nähsten.“ Damit will ich sagen, dass es doch eigentlich jetzt nur besser werden kann. Schließlich muss doch nun auch den letzten Dumpfbacken  auffallen, worum es sich bei LEGIDA und deren Kindern handelt. Nämlich um eine Gruppe, die Aufmerksamkeit haben will, mit der sie nicht umgehen kann. Und warum? Weil sie einfach nicht weiß, was sie damit anfangen soll. Wer sich jetzt noch diplomatische Beziehungen zu einer schlicht undemokratischen, menschen- und kulturfeindlichen Gruppe offen halten will, sollte vielleicht lieber eine politische Auszeit nehmen. Und ja, liebe Sachsen-CDU (lieber CDU Sachsen?), du bist gemeint.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe, die Stadtwerke und Wasserwerke Leipzig sind unter einer neuen Marke zusammengeführt worden. Sie heißt "Leipziger". Welcher Name hätte noch einfacher und gleichzeitig verwirrender sein können?

Ich weiß gar nicht, was dein Problem ist. Mal ehrlich, ich finde diese Guerilla-Kampagne großartig. Während andere Großstädte sich auf spießige PR-Methoden von vor 100 Jahren verlassen, zeigt die Stadt Leipzig Mut zum Zeitgeist. Das mag jetzt oberflächlich klingen, aber ich habe endlich das Gefühl, von meiner Wahlheimat verstanden zu werden. Also, zumindest ästhetisch. Was jetzt noch fehlt, sind Flohmarktmöbel im Rathaus, Soya-Latte Decaf an öffentlichen Kaffeeautomaten und eine Umarmung von Burkhardt Jung, der im Over-Sized-Second-Hand-Look herumläuft. Und ein 50-Jähriger Beamter, der in die Kamera grinst und sagt: Leipzig ist die hippste Stadt in ganz D-Land. Kommt, ihr coolen Kids, alles fresh hier!

Und nächste Woche?

Haben die Geschäfte in Connewitz hoffentlich alle ihre Fenster und Einrichtungen zurück. Sonst denken die Deppen da draußen noch, sie hätten mit ihrem Getue eine Chance.


 

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Lars-Hendrik Setz
15.01.2016 - 10:42