Konzertbericht

Schönes Boot aus Klang

Am 13. November 2016 gab sich das Friedrich Liechtenstein Trio im Fasskeller der Moritzbastei die Ehre. Einen Tempel voller Kleinkunst bot dieses Konzert mit jazzig-blumigen Klängen und stimmungsvoller, beruhigender Lichtkunst.
Friedrich Liechtenstein
Friedrich Liechtenstein

Friedrich Liechtenstein – den stets vorzüglich gekleideten Mann mit goldenen Fingernägeln, Sonnenbrille und weißem Rauschebart – kennen die meisten aus der Fernsehwerbung einer großen deutschen Supermarktkette. Das ist Fluch und Segen für den Künstler, der die Aufmerksamkeit genießt, aber so viel mehr als „Supergeil“ zu bieten hat.

„Der Delfinmann“

Etwas später als seine beiden Mitstreiter betrat Friedrich Liechtenstein a.k.a. „Der Delfinmann“ mit langsamen, dennoch tänzelnden Schritten die Bühne. Etwas später gab er preis, dass er die Gedanken des Publikums lesen könne. Er ist sich sicher, dass dieses wohl bei seinem Erscheinen dachte, was er denn für ein Spinner sei.

Wenn ihr mal traurig seid

Von solch einer tief brummenden Stimme erwartet man regelrecht, dass so früh wie möglich Barry Whites „Never never gonna give you up“ performt wird. Dieses gesellte sich ohne Probleme zu all den anderen Geschichten, die an diesem Abend präsentiert wurden. Mit gekonnten Tanzeinlagen, wie dem electric slide und fantastischen Saxofon-, Piano-, Fagott- oder electronic beats-Duetten wurde dem Zuhörer recht schnell warm ums Herz. Dazu dann Weisheiten von Liechtenstein wie:

Wenn ihr mal traurig seid, dann seid das volle Kanne und tut nicht so als wärt ihr irgendwie fröhlich und wenn ihr mal fröhlich seid, dann seid fröhlich, und tut nicht so als wärt ihr irgendwie cool.

 

 

Songs wie „Shave the monkey“ oder sein derzeit wohl bekanntestes Stück „Schönes Boot aus Klang“, aber auch ein Cover von Lana del Reys „Ride“ unterstrichen nicht nur die Vielseitigkeit dieses Trios, sondern formten den Abend lang eben jenes besungene schöne Boot aus Klang.

Es könnte immer noch eine Orgie werden.

Friedrich Liechtenstein

Gute zwei Stunden Klangrausch waren in der Moritzbastei spürbar und nach dem Konzert durfte man noch ein wenig mit Liechtenstein plaudern, von seiner mitgebrachten Algenbrause kosten und ein Foto knipsen. Sinnbildlich für die künstlerische Entwicklung Liechtensteins steht ein Dialog mit dem Publikum: „Spiel Supergeil!“, rief eine Zuschauerin in einer späten Liedpause, woraufhin er nur erwiderte:

„Hallo, wer hat dich denn geimpft? Heute geht es um Musik.“

Fazit

Die Veröffentlichung des Trios „Schönes Boot aus Klang“ und die Soloplatte „Bad Gastein“, sowie die dazu gehörige Liveshow sind also wärmstens zu empfehlen, wenn man den Delfinmann in all seinen Facetten näher kennenlernen möchte.

 

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Paul Raecke & Paul Sedelky
05.12.2016 - 23:51
  Kultur

Vom Konsumverweigerer zum Werbestar: Wer mehr über das Leben des Querschlägers Liechtenstein erfahren möchte, dem sei das Interview von zeit.online empfohlen.