Eine Wissenschaftlerin im Porträt

Schnee- und Regentage einer Biologin

Stellt euch vor, ihr zieht in ein unbekanntes Land und seid instant offline. In dieser Situation steckt Laura Méndez am Anfang ihrer Doktorarbeit, als sie an den Forschungsort Madagaskar reist.
Die Biologin Laura Méndez in einem Tropenhaus.
Die Biologin Laura Méndez in einem Tropenhaus

Manchmal ist es einfach Schicksal. So wie bei Laura Méndez, die beim Wandern in den norwegischen Bergen auf eine neue Freundin trifft, die aus Zufall aus der Stadt kommt, in die es sie demnächst treibt: Leipzig.
Die neu gewonnene Freundin bietet ihr ein Dach über dem Kopf, bis sie in der neuen Stadt Fuß fassen kann und eine passende WG gefunden hat – das war ihr besonders wichtig. Wegen ihres Jobs ist ihr das Prozedere schon bekannt, irgendwo „die Neue“ zu sein. Denn Laura ist Wissenschaftlerin und hat eine Doktorandinnen-Stelle an einem Leipziger Institut namens iDiv ergattern können, das den nachhaltigen Umgang mit der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten erforscht.

Was in Leipzig fehlt

Gebürtig kommt die Biologin aus Madrid. Am meisten vermisst sie die Berge: „Häufig will man mir nicht glauben, dass es in Madrid Schnee gibt. Aber dort sind hohe Berge, sogar Ski kann man fahren“. Da sieht es in Leipzig eher Mau aus: Den einzigen Berg, den wir zu bieten haben, ist der aus Trümmerhaufen bestehende Fockeberg – über diesen Vorschlag lacht die 28-jährige.
Aber auch ohne Berge fühlt sie sich in Leipzig wohl – nicht zuletzt, weil sie sich mit der Stelle an dem biologischen Institut, das weltweit ein hohes Ansehen in der Wissenschaft besitzt, einen großen Karrieresprung gemacht hat.
Sie forscht, inwiefern sich die Flora Madagaskars an neue Gegebenheiten anpassen kann, da menschlicher Einfluss und der Klimawandel zu einer Veränderung führen. Die Insel ist nicht gleich um die Ecke, fast einen ganzen Tag ist sie unterwegs.

Trip durch Madagaskar

Laura landet in Madagaskar und damit in einem Funkloch: Keine Internetverbindung und das für lange drei Monate. Das erschwert ihren allgemeinen Arbeitsablauf zu den Kollegen im Institut und auch den Kontakt zu Familie und Freunden. Das Herbarium in dem sie arbeitet war eher retro ausgestattet, „wie in den 60ern oder besser noch, wie in den 40ern“ sagt sie lachend. Doch durch diesen erzwungen Digital Detox, kann sie sich komplett auf ihre Arbeit in der Flora Madagaskars fixieren.

Für ihre Forschung benötigt Laura Proben aus verschiedenen Gebieten der Insel und damit muss sie sich auch mit unterschiedlichen Klimasituationen arrangieren – Dürre und Hitze in der Wüste und dauernde Regenschauer im Dschungel. Stundenlang sucht sie in den Gebieten nach den benötigten Proben, um genügend mit ins iDiv zu nehmen.

Laura mit Proben ihrer Forschung
Laura mit Proben ihrer Forschung

Druck von allen Seiten

Nach der Probenentnahme und der Ankunft in Leipzig wurde ihr Programm deutlich straffer, erzählt Laura:  „Im ersten Jahr war noch alles chillig, aber dann ging der Stress los“.

Denn Druck ist allgegenwärtig: finanziell und zeitlich prasselt er auf PhD-Studierende ein. Das kann schnell in starken psychischen Stress münden. Auch Laura gibt zu, dass es nicht immer leicht ist an seiner Doktorarbeit zu sitzen: „Manchmal ist man bis zu zwölf Stunden im Büro und muss auch am Wochenende arbeiten.“ Gerade die Büroarbeit, die man „so nebenbei macht“ verschlingt viel Zeit. So viel Zeit, dass sie manchmal nicht weiß, ob sie überhaupt noch Biologin ist.

Denn neben ihrem eigentlichen Projekt über die Flora Madagaskars hat sie auch noch andere Sachen auf dem Tisch, wie die Nachbereitung älterer Arbeiten, die veröffentlicht werden sollen. Ein langer und anstrengender Prozess, bei dem man wirklich viel Nerven zeigen muss.

Die Biologin an einer Maschine im Labor

Und was passiert nach der Akkordarbeit?

Doch neben dem ganzen Stress, weiß sie das Leben in Leipzig sehr zu schätzen. Die Stadt hat es ihr im letzten Jahr ziemlich angetan, sie spaziert gern am Karl-Heine-Kanal und beobachtet Nutrias oder ist mit dem Rad unterwegs. Ihre Traumvorstellung nach dem PhD? „Hier eine Postdoc-Stelle zu bekommen“, erklärt die Wissenschaftlerin, aber nicht nur wegen der Stadt. Sie hat sich hier einen Freundeskreis aufgebaut, den sie ungern schon wieder wechseln möchte. „Es ist schwer Beziehungen und Freundschaften aufrechtzuerhalten, wenn du ständig umziehst“, und sie erzählt weiter, dass sie froh ist in Leipzig so angekommen zu sein.

 
 

Kommentieren

Sarah Englisch und Annika Barmwater
24.01.2020 - 11:09
  Wissen