Die Kolumne

Schnee im Sommer

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Magnus Folten über Koksnasen, Druckbetankung und Überwachungstechnik.
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Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Die Kolumne zum Nachhören (von Magnus Folten)
Die Kolumne zum Nachhören

50 Polizisten und zwei Spürhunde haben an Hauptbahnhof und Schwanenteich nach Drogen geschnüffelt. Sie haben gleich mehrere Drogendepots entdeckt. Haben Sie dein Zeug auch gefunden?

Natürlich nicht! Ich verstecke "mein Zeug" stets an einem sicheren Platz unterhalb meiner Gürtellinie… nämlich in meiner Hosentasche. Das Smartphone ist wohl meine einzige Sucht. Aber vielleicht ändert sich das ja. Jetzt da ich weiß, dass die Dealer ihren Stoff einfach in Parks verstecken. Da leihe ich mir doch glatt mal des Nachbars Hund aus.

„Los Pfiffi! Such das Koks. Such das Koks, Pfiffi!“

„Nein! Nicht die leeren Bierflaschen. Die geben bloß 8 Cent das Pfund!“ 

Nee, jetzt mal ehrlich! Die Dealer verstecken ihr Zeug einfach am Schwanenteich. Verrückt. Komisch das Drogen- und Smartphone-Junkies in Leipzig an den gleichen Orten abhängen. Ich erinnere an den Pokemon-Go-Hype. Da war der Schwanenteich DER Place to be.

2017, Leipzig. Keine Ölkrise, aber Benzinengpass bei einigen Tankstellen. Schuld ist ein Brand in einer Raffinerie in Leuna. Wie kommst du jetzt von A nach B?

Kolumnist Magnus Folten

Seufz… Zeiten, in denen ich mal wieder bereue, dass ich kein Auto habe. Sonst würde ich glatt meinen Chef anrufen:

„Moin Chef. Hasse ja vielleicht jehört. Sprit is alle. Ich kann dann heute nicht auf Arbeit kommen. Tschöss.“ 

Und dann würde ich mich nicht an den Tankhahn stellen, sondern unter den Zapfhahn legen. Auf den ist Verlass! In Kennerkreisen nennt man das Druckbetankung!

Aber leider bin ich mit dem Fahrrad unterwegs und selbstständig. Ergo: Ich habe weder eine Ausrede fürs Saufen, noch werde ich bezahlt, wenn ich nicht Arbeiten gehe.

Die Innenminister haben in Dresden neue Vorschläge für die Terrorverfolgung gemacht. Whatsapp-Überwachung, Fingerabdrücke, alles dabei. Was kommt als nächstes?

Ja was wohl? Da bleibt doch nur noch diese eine Sache, auf die wir seit Anbeginn der modernen Handys sehnlichst gewartet haben: Der Jamba-Nacktscanner!!

Sie erinnern sich vielleicht an elegante Werbespots auf Viva: „Lade dir jetzt den Jamba-Nacktscanner aufs Handy und guck dir deinen Schwarm ganz ohne Klamotten an.“

Nur, dass Sie als Endnutzer wenig davon haben würden. Tommy de Maizière könnte dann über das Smartphone ihres Sitznachbars oder Kollegen einfach einen Ganzkörperscan bei ihnen durchführen. Natürlich nur, um Bomben zu finden. Immerhin geht es ja nur um Terrorverfolgung – zumindest bisher. Die Frage ist, was Tommy macht, wenn er keine Bombe, aber Drogen bei Ihnen scannt…

So oder so, George Orwell oder auch ein notgeiler Stasi-Offizier fänden den Nacktscanner bestimmt ganz reizend.

Und nächste Woche?

Also so wie das hier aussieht, wird mir das zu heikel. „Komm Pfiffi. Wir nehmen das Koks und setzen uns ins Ausland ab.“ Wenigstens brauche ich dort keine neue Handynummer. EU-Roaming ist ja jetzt für umme!

 

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Magnus Folten
16.06.2017 - 15:46