Frühkindliche Bildung

Sachsens Jüngste (fast) unter sich

Pädagoge, Spielgefährte und Kummerkasten für ein gutes Dutzend kleiner Energiebündel: Laut "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" verlangt der Freistaat seinen Erziehern bundesweit am meisten ab. Das Bildungsministerium relativiert die Zahlen.
Pädagoge, Spielgefährte und Kummerkasten für ein gutes Dutzend kleiner Energiebündel. Sachsen verlangt seinen Erziehern einiges
Pädagoge, Spielgefährte und Kummerkasten für ein gutes Dutzend kleiner Energiebündel. Sachsen verlangt seinen Erziehern einiges

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung herrscht in den Krippen und Kindergärten Sachsens Personalmangel: Ein Betreuer in der Krippe kümmert sich im Durchschnitt um sechs Kinder, nirgendwo in Deutschland sind es mehr. In den Kindergärten kommen auf einen Erzieher durchschnittlich 13 Kinder. Nur Mecklenburg-Vorpommern schneidet hier schlechter ab.

Der "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" stellt Sachsen ein schlechtes Zeugnis für die Betreuung seiner Jüngsten aus. Das Bildungsministerium wehrt sich und verweist auf die hervorragende Qualifikation und Ausbildung des Personals. Mephisto 97.6-Redakteurin Nina Ulke und Moderatorin Ina Beyer mit den Details: 

Nina Ulke und Ina Beyer zur Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Ministerium fordert "Blick hinter die Zahlen"

Das sächsische Kultusministerium relativierte die Zahlen der Bertelsmann-Stiftung umgehend: Die Personalsituation sage nichts über die tatsächliche Qualität der Betreuung aus. In Puncto Ausbildung und Qualifikation von Erziehern sei Sachsen bundesweit führend. Ein Blick hinter die Zahlen sei vor der Interpretation nötig, so Dr. Susanne Meerheim auf Nachfrage von mephisto 97.6:

Unser Personal ist bestens ausgebildet und auch was den Bildungsplan betrifft, den es an den Kitas gibt, sind wir Spitze im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Der Bildungsplan ist eine Grundlage, woran man die Qualität messen kann. Er gibt die Vorgaben, was in Kitas passieren kann: Das es eben nicht nur eine Aufbewahrung und Betreuung der Kinder ist, sondern das auch Erziehung und Bildung stattfindet. Dort finden auch Evaluationen statt.

Dr. Susanne Meerheim, stellvertretende Pressesprecherin im sächsischen Kultusministerium

Diese Evaluation sei jedoch keine Externe, wie von Schulen bekannt. Vielmehr sei das Landesjugendamt Ansprechpartner, falls es Misstände gäbe. Anmerkungen aus der Praxis tausche man auf Tagungen mit Erziehern aus. Wann und in welchen Abständen dies geschehe, lies Meerheim auch auf Nachfrage offen.

Ohnehin sei die Datengrundlage des Ländermonitors veraltet und würde die Verbesserung des Betreuungsschlüssels im September 2015 nicht einbeziehen. Laut Pressemitteilung des Kultusministeriums ist dieser von 1:13 auf 1:12,5 gesunken, im Durchschnitt betreuen die Erzieher also geringfügig weniger Kinder. In den Krippen soll sich ab 2018 ein Erzieher um fünf Kinder unter drei Jahren kümmern, auch hier würde das Personal entlastet.

Gewerkschaft zweifelt Optimismus an

Ursula-Marlen Kruse, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht in den Maßnahmen zumindest einen Anfang - auch wenn die Ziele lediglich ein Minimalkonsens zwischen CDU und SPD seien, der bei den Erziehern noch nicht zu spüren sei. 

Ein Kind braucht die Aufmerksamtkeit eines Erwachsenen und diese braucht es auch einmal für sich allein. Das hat mit der Ausbildung und Qualifikation der Beschäftigten nichts zu tun.

Ursula-Marlen Kruse, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen

Das Personal in den Kinderkrippen und Kitas sei in den Ländern der ehemaligen DDR durchaus besser ausgebildet. Die alten Bundesländer hätten hier viel aufholen müssen. Allerdings könne die Qualifikation fehlende Kapazitäten nicht ersetzen. Zudem stehe den Einrichtungen ein Generationenwechsel ins Haus, auf den zusätzlich reagiert werden müsse.

 

 

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Paul Hildebrand
29.06.2016 - 20:46

Das sächsische Kultusministerium auf Twitter:

Der Bundesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in 140 Zeichen: