Filmkritik: Ghostland

Rückkehr ins Horrorhaus

Der französische Regisseur Pascal Laugier hat 2008 mit "Martyrs" einen der wohl härtesten Filme überhaupt geschaffen. Mit seinem neuesten Film "Ghostland" kehrt Laugier zum Horrorkino zurück.
Szene aus "Ghostland"
Vera und Beth müssen um ihr Leben bangen

Gruselige Puppen auf dem Regal, altes Mobiliar, Geheimgänge, ein dunkler Keller und Spinnenweben überall. Das Haus, das Colleen (Myléne Farmer) von ihrer Tante geerbt hat, dürfte allein beim Öffnen der Tür schon jeden in die Flucht schlagen. Colleen zieht trotzdem mit ihren beiden Töchtern Vera (Anastasia Phillips) und Beth (Crystal Reed) in das alte Gemäuer. Natürlich währt das Glück der drei nicht lang. Schon in der ersten Nacht kommt es zu einem brutalen Überfall im Haus.

16 Jahre später ist Beth erfolgreiche Schriftstellerin geworden und verarbeitet ihre Erlebnisse in Horrorromanen. Sie beschließt, sich fortan mehr um ihre Mutter und ihre Schwester zu kümmern und kehrt erstmals in das Haus von damals zurück. Doch schon kurz nach Beths Ankunft häufen sich seltsame Ereignisse und der ganze Schrecken scheint von vorn zu beginnen.

Zurück zu den Wurzeln?

Anfang der 2000er Jahre sorgte das französische Kino nicht nur mit einer Reihe von erotischen Filmen für Aufsehen, sondern schockierte auch mit Horrorfilmen mit bisher unbekannter Härte. Da wurden Familien blutig abgeschlachtet (High Tension) und Schwangeren mit einer Schere

Szene aus "Ghostland"
Eindringlinge im Haus

das Kind aus dem Bauch geschnitten (Inside), sodass die internationale Presse von einer sogenannten "New French Extremity" sprach. In diese extremen Gefilde begab sich auch der Regisseur Pascal Laugier mit Martyrs. Der Folterschocker ist zwar bei weitem nicht der blutigste Horrorfilm dieser Bewegung, aber mit Sicherheit der verstörendste und psychologisch tiefsinnigste Vertreter. Bis heute gilt Martyrs als einer der härtesten Filme überhaupt und darf im deutschen Handel nach wie vor nicht ungeschnitten verkauft werden.

Nachdem Laugiers Folgewerk namens The Tall Man ein überraschend ruhiger und harmloser Mysterythriller geworden ist, stellte sich nun für Horrorfans natürlich die Frage, ob der Regisseur mit Ghostland an seine alte Qualität und vor allem seine alte Härte anknüpfen würde. Ghostland ist von der Brutalität von Martyrs weit entfernt, hat mit seichtem Grusel aber nichts mehr gemein. Nicht ohne Grund wollte die FSK zuerst keine Jugendfreigabe erteilen. Nach einer beantragten Neuprüfung ist der Film jedoch fragwürdigerweise nun doch schon ab 16 Jahren freigegeben.

Packender Überlebenskampf

Allein die ersten 20 Minuten, in denen der Überfall auf die Familie gezeigt wird, sind der pure Terror. Regisseur Laugier terrorisiert das Publikum regelrecht mit unzähligen Schockmomenten und einem verstörenden Sounddesign. Dabei spielt sich fast der gesamte Film nur in diesem einen Haus ab, wo Laugier eine durchgängige Spannung heraufbeschwört. Ghostland drückt das Publikum mit brutaler Wucht in den Sitz und das ganz ohne große Splattereskapaden. Natürlich muss sich Laugier nach einem modernen Klassiker wie Martyrs an seinem eigenen Werk messen lassen - ob er will oder nicht.

Szene aus "Ghostland"
Horror im Kinderzimmer

Martyrs vereinte quasi drei Filme in einem, zog dem Publikum mit immer neuen Wendungen ständig den Boden unter den Füßen weg. Man wird den Eindruck nicht los, als hätte Laugier krampfhaft versucht, einen ähnlichen Effekte in Ghostland nochmal zu erzielen. Leider nimmt er es dabei mit der Logik dieses Mal nicht so genau. Die erste große Wendung kommt überraschend früh, danach wird es jedoch schnell unglaubwürdig. Laugier will viel zu viel, wirkt mit seinem Spiel mit Realität und Fiktion zu unentschlossen und begibt sich schließlich noch auf eine Metaebene, die so gar keinen Sinn ergibt. Wenn dann auch noch Horror-Großmeister H.P. Lovecraft persönlich in der Geschichte auftaucht, rutscht Ghostland beinahe ins Groteske ab.

Fazit

An seinen Kultfilm Martyrs kann Regisseur Pascal Laugier erneut nicht anknüpfen. Das muss er aber auch gar nicht, denn, abgesehen von einigen zu überambitionierten Wendungen, ist Ghostland einer der härtesten Horrortrips der letzten Monate.

 

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Ghostland

Regie: Pascal Laugier

Laufzeit: 91 Minuten

FSK 16

Cast: Crystal Reed, Anastasia Phillips, Myléne Farmer, Rob Archer und andere

Kinostart: 05.04.2018

Der Film erscheint am 10. August 2018 auf Blu Ray und DVD.