Umweltzonen und Autoplaketten

Rot, Gelb, Grün– und Blau?

Zur Verkehrsministerkonferenz in Stuttgart wird über die Einführung einer neuen Plakette diskutiert. Diese soll die Farbe Blau tragen und helfen, hohe Belastungen mit Stickstoffoxiden in Innenstädten zu reduzieren. Klingt gut, ist aber umstritten.
Auto- Auspuff
Autoabgase enthalten Stickoxide und verschmutzen so die Atemluft

Die Umweltplaketten in grün, gelb und rot kennzeichnen diejenigen Autos welche in den jeweiligen Umweltzonen fahren dürfen. So können sich Fahrzeuge mit einer grünen Plakette in allen Umweltzonen bewegen, während Autos mit roter Plakette nur in bestimmten Umweltzonen fahren dürfen. Diese drei Plaketten dienen der Kontrolle und Reduzierung von Feinstaub in der Luft. Seit dem 1. Januar 2008 gelten solche Umweltzonen in Deutschland. Diese werden allerdings nur dort eingeführt, wo die Ursache der hohen Feinstaubbelastung in der Luft im Straßenverkehr zu finden ist. Jedoch wirkt nicht nur Feinstaub schädlich, auch Stichstoffoxide verschmutzen die Atemluft und schädigen dadurch den Menschen. Und aus diesem Grund diskutieren die Verkehrsminister derzeit über die Einführung einer weiteren, vierten Umweltzone. Symbolisiert würde diese durch die Blaue Plakette.

Stickstoffoxide (NO2)

Stickstoffoxide sind giftige, meist stechend riechende Gase. Kommen sie in der Atemluft der Menschen vor können sie so vor allem Beschwerden in den Atemwegen hervorrufen. Außerdem reizen sie die Schleimhäute in Augen, Mund und Nase. Ist man langfristig solchen Stikstoffoxiden ausgesetzt, kann es zu erheblichen Schäden der Atmungsorgane, sowie zu Herz- und Kreislauferkrankungen kommen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt Stickstoffoxid als krebserregend für den Menschen. Aber auch die Vegetation wird durch zu hohen NO2- Gehalt beeinflusst. Überdungung und Versauerung von Böden, sowie die Bildung eines bodennahen Ozons sind die Folgen. Aufgrunddessen hat die EU Stickoxid- Grenzwerte– insbesondere für verkehrsreiche, große Städte– festgelegt. Diese werden in deutschen Großstädten jedoch häufig nicht eingehalten. Auch in Leipzig ist dies oft der Fall. Der bundesweite, jährliche NO2- Grenzwert liegt bei 40 µg/m3. Gemäß der Leipziger Messstation am Will- Brandt- Platz lag der Wert allerdings im vergangenen Jahr bei rund 43 µg/m3.

Die Blaue Lösung?

Durch eine neue, blaue Umweltzone inklusive Plakette, soll dieser Stickoxidbelastung entgegen gewirkt werden. Vor allem Dieselfahrzeuge, die eine besonders hohe Stickstoffemission aufweisen, wären davon betroffen. Denn sie gelten als Hauptverursacher der Luftverschmutzung mit NO2 und Feinstaub. Laut Plänen des Umweltministeriums sollen Dieselfahrzeuge, die mehr als 80 µg/m3 Stickstoffoxid ausstoßen, nicht mehr in die Blauen Umweltzonen fahren dürfen. Sachsen jedoch lehtn diesen Vorschlag ab. Doch warum ist der Freistaat gegen diese Blaue Lösung? Das sächsische Verkehrsministerium meint, es gäbe effektivere Maßnahmen, um die Schadstoffbelastung zu minimieren. So solle beispielsweise verstärkt auf den Ausbau alternativer Antriebenergien und intelligenter Leitsysteme, die einen fließenden Verkehr ermöglichen, gesetzt werden. Demnach würden "schmutzige" Fahrzeuge nach und nach aus dem Verkehr verdrängt werden. Dennoch beraten nun die Verkehrsminister in Stuttgart über die Einführung einer solchen Blauen Plakette. Da sie unter den einzelnen Verkehrsministern jedoch umstritten ist, bleibt offen, ob und wann die Blaue Plakette eingeführt wird.

 

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