Konzertbericht

Rock on Wanda!

Seit gut einem Jahr ist Wanda in aller Munde und schießt im wahrsten Sinne wie eine Rakete durch die Decke. Die Wiener Pop-Band beweist mit ihrem Konzert im ausverkauften Täubchenthal, dass ihr Erfolg nicht von irgendwoher kommt.
Im Amore-Licht: Wanda
Im Amore-Licht: Wanda

Erwartungen

Fast alle Wanda-Konzerte sind ausverkauft oder es gibt Zusatztermine. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Andersartigkeit dieser Band. Seit Erscheinen Ihres Debütalbums „Amore“ fragt man sich anfangs immer wieder, wer diese Jungs sind, die mit Wiener Schmäh so frei von Liebe singen, ohne dass es dabei schmalzig wird. Nach Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Bussi“ stellt man sich diese Frage schon lange nicht mehr.
Schon Tage vor dem Konzert steigt meine Vorfreude immer mehr an. Ich bin gespannt, welche Songs sie aus ihren beiden Alben spielen werden und konnte es kaum erwarten, die Band, die regelmäßig aus meinen Boxen dröhnt, endlich live zu erleben. Meine Erwartung an sie? Vollgas natürlich!

Erster Eindruck

Dass Wanda trotz ihres Erfolges überhaupt nicht abhebeben, beweist Kent Coda. Wanda´s Vorband covert „Bologna“ auf türkisch. Dieses Lied schickten sie Wanda zu und bibberten, dass die Österreicher sie nicht verklagen. Doch die fanden die Aktion und die Interpretation ihrer ersten Singleauskopplung so gut, dass sie die drei Musiker aus Köln für verschiedene Konzerte als Vorband einluden. Coole Sache.
Nachdem Kent Coda den Grundstein für einen guten Abend gelegt hatten, ist es soweit. Es wird nochmal voller im Saal. Die Fans drängen weiter nach vorne, um ganz nah dabei zu sein. Nach der Vorband lassen die Jungs von Wanda nicht lange auf sich warten. Marco, der Sänger der Band, begrüßt die Fans mit einem geschrienen „Hallo Leipzsch“ und sofort schmettert er „Luzia" ins Mikro. Das ganze Publikum ist sofort aus dem Häuschen.

Musik

Mit ihren Einflüssen aus Pop, Rock und Indie fällt es schwer still sitzen zu bleiben. Viele ihrer Songs fordern bei ihrem Album „Amore“ zum Mittanzen auf. Das zeigt sich auch am Samstag Abend im Täubchenthal. Ihre Musik macht auf gewisse Art und Weise süchtig, weil die Texte ein Wir-Gefühl geben, welches die Band authentisch und greifbar macht. Ein Gefühl, das sie mit ihrem im Oktober erschienenen Album „Bussi“ erfolgreich fortgeführt haben. Sie blieben ihrer Linie treu, ihrer Ehrlichkeit, ihrer Lässigkeit und natürlich der Liebe, dem Exzess, der Lust am Leben und den oft wiederholten Textzeilen, die das Mitsingen extrem leicht machen. Sie singen von unerfüllten sexuellen Wünschen, Trennungen, dem Tod und natürlich der Liebe. Mit ihrer eigens interpretierten Grammatik und dem feschen, flotten Sound lässt sich nur erahnen, dass sich die Band von Falco und den Beatles hat inspirieren lassen. 

Show

Wanda spielen eine bunte Mischung aus beiden Alben und beziehen ihr Publikum jederzeit mit ein. Beim vierten Song „Bussi“ knallt es laut und ein Regen aus glitzernden Herzchen fliegt über das Publikum. Sänger Marco kündigt bereits an, dass nun etwas zu mitsingen kommt. Es folgt „Meine beiden Schwestern“, bei dem Wanda den Refrain komplett dem Publikum überlässt. Alle Bandmitglieder treten ein Stück zurück und stoppen das Spielen ihrer Instrumente. Sie genießen den Moment, in dem die Fans für sie singen und sind sichtlich überwältigt. Beim Song „Ich will Schnaps“ lässt sich Marco das Motto nicht nehmen und kippt erstmal einen Kurzen. Weiter geht es mit dem Publikumsliebling „Bologna“. Die Halle bebt kontinuierlich weiter. Wieder fliegen Glitzerherzchen durch die Gegend. Wanda machen klar, dass auch sie richtig viel Spaß haben.

„Hör mir uff, scheiß geile Stadt!“Wanda-Sänger Marco

Als nächstes folgt ein Song, der nicht aus ihrer Feder entsprang. "Bereits unsere Großeltern tanzten zu diesem Song", sagt Marco, und stimmt eine Eigeninterpretation zu „A Hard Day´s Night“ von den Beatles an. Mit ihrem Song "1, 2, 3, 4" holen sie wieder das ganze Publikum ins Boot und lassen sich getrennt nach Männern und Frauen gesanglich in Stimmung bringen. „1, 2, 3, 4 es ist so schön bei dir“ grölt die Menge…dabei zeigt Marco in den ersten Reihen auf einige Mädels. Sie rocken die Bühne wie Rockstars ohne dabei abgehoben zu wirken und bleiben ihrem Stil immer treu. Am Ende ihres normalen Sets verlassen Wanda die Bühne. Das Publikum will mehr und ruft nach Zugaben. Einige Fans buhen, aus Enttäuschung dass es schon vorbei ist. Und das obwohl die Band fast zwei Stunden durchgerockt hat. Fünf Minuten später kommen sie wieder und Marco meint spaßig im typischen wienerisch: „Könnt ihr uns einmal komplett ausbuhen, das wäre mal was anderes.“ Das Publikum kommt ihrem Wunsch nach und Wanda finden dies äußerst amüsant. Anschließend spielen sie ihren ersten Song „Luzia“ noch einmal und sorgen erneut für ausgelassene Stimmung.

Was in Erinnerung bleibt

Viel! Die ganze Band - jedes einzelne Mitglied - rockt. Besonders Bassist Ray gibt auf der Bühne alles. Dieser Abend steht einfach nur im Zeichen des Spaßes - und das bei so viel unkitschiger Amore! Nach dem Konzert kommen Christian (Keyboard), Lukas (Schlagzeug) und Ray (Bass) überraschend zum Merchandising-Stand, geben fleißig Autogramme und sind selbst für Smalltalk zu haben, was ihnen nach einem zwei-stündigen Powerkonzert noch mehr Symphatiepunkte einbringt. Nach Hause gehe ich mit einem breiten Grinsen und einem Ohrwurm nach dem anderen. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und es wird definitiv nicht mein letztes Wanda-Konzert bleiben. Wanda sind rockig, geben 100%, sind authentisch, einzigartig und nah. Spaß ist mit ihnen garantiert. Bussi.

 

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Stefanie Peschel
07.12.2015 - 17:10
  Kultur