CD der Woche

R.I.P nach 20 Jahren!

Die Indie-Rock-Band Spoon aus Texas feiert ihr zwanzig jähriges Bestehen, doch das ist nicht das Ende, sondern der Auftakt für ein weiteres Album zum Verschlingen.
Spoon in Pose
Spoon in Pose

Die fünf Jungs von Spoon haben sich wohl vorgenommen ihren Fans zum Jubiläum einen Herzinfarkt zu schenken. Sie veröffentlichten zu ihrem 20-jährigem Bestehen einen kryptischen Teaser für ihr neues Album: „Spoon R.I.P. June 10“.  Dies war nicht die apokalyptische Botschaft für die Trennung der Band, sondern lediglich die Ankündigung für ihre erste Singleauskopplung „Rent I Pay“.  Beim Hören dieses Songs, der gleichzeitig auch der Opener von „They want my Soul“ ist, steigt definitiv der Puls – vor Freude. Mit teilweise übersteuertem Garagenrock singt Frontman Britt Daniel mit leicht kratziger Stimme gegen den Stillstand an. R.I.P für einen neuen Anfang. Bisher der krachigste Einstieg für ein Spoon-Album, doch genau das, was man nach bereits sieben veröffentlichten Alben braucht.

Rent I Pay by Spoon on tape.tv.

Nachdem die letzten drei Alben („Gimme Fikation“, „Ga Ga Ga Ga Ga“, und „Transferrence“) den Erfolgskurs in Amerika gesichert haben, scheint es so, als gelten Spoon hierzulande noch als Geheimtipp. Dabei spielen sie in der Indie-Rock-Szene bei den Großen mit. Man liegt nicht verkehrt, sie in einem Atemzug mit den Black Keys oder The Walkmen zu nennen. Doch trotz vieler Vergleiche mit dem Gesang von David Bowie oder dem Gitarrenspiel der Band The Pavement, haben Spoon stets bewiesen, dass sie ihren eigenen Charme besitzen. Da ist der geneigte Hörer gar nicht traurig, dass sie hier noch keinen Mainstream-Status erreicht haben.

They want my Soul

Sie wollen meine Seele – und die bekommen sie auch. In jedem Song des neuen Albums steckt ein wenig Essenz. Genug um sie zu fühlen, nicht zu viel um erschlagen zu werden. Selbst wenn sie einen rockigen Ton auf „They want my Soul“ anschlagen, fehlt es nicht an süßen Popmelodien („Do you“) oder eigenwilligen, atmosphärischen Parts („Inside Out“, „Knock Knock Knock“).  Auch wenn es die Band schon so lange gibt, ist sie sich nicht zu schade, um andere Größen zu huldigen. So fügt sich das Cover des Songs „I just don’t understand“ von Ann-Magret Smith genauso harmonisch ein, wie ihre selbst geschriebenen Songs. Vor allem wenn das große Finale kommt: der Album Closer „New York Kiss“ ist die ideale Mischung aus Pop, Off-Beat und jeder Menge Spoon. Einer dieser großartigen Momente, in denen man sofort das Bedürfnis hat, wieder auf Play zu drücken, um die vergangenen knapp 40 Minuten noch einmal zu erleben.

Noch einen Löffel gefällig?

Nach mehrmaligem Hören, steht die Meinung fest: Spoon haben auf ihrem Gebiet mal wieder ein Album ohne wirkliche Makel geschaffen. Sicherlich muss man ihre Eigenheit wie verrückte Pianoparts („Rainy Taxi“) erst erkennen, um zu verstehen, wo ihre Stärken liegen. Vergleiche mit anderen Bands werden nämlich erst dann hinfällig. Zum Schluss bleibt die Hoffnung, dass die Nachricht vom Ende der Band noch lange auf sich warten lässt und man noch einen Löffel mehr nehmen kann, um sich jeden Tag ein wenig zu versüßen.

 

Moderatorin Lily Meyer im Gespräch mit Carina Fron
Sg CD der Woche
 

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Carina Fron
04.08.2014 - 10:53
  Kultur

Spoon: They Want My Soul

Tracklist:

01. Rent I Pay
02. Inside Out
03. Rainy Taxi
04. Do You
05. Knock Knock Knock
06. Outlier
07. They Want My Soul
08. I Just Don't Understand
09. Let Me Be Mine
10. New York Kiss

Erscheinungsdatum: 01.08.2014
Anti (Indigo)