Ausgrabung

Rettungsgrabung gegen die Zeit

Eine Rettungsgrabung gegen die Zeit. Heliopolis, die größte Tempelanlage Ägyptens, verschwindet unter neuen Häusern und Nilschlamm. mephisto 97.6-Redakteur Dennis Blatt hat einen Teil des Ausgrabungsteams unter Dr. Dietrich Raue getroffen.
Ausgrabung in Heliopolis
Die Leipziger Studentinnen Susi Bergmann und Klara Dietze mit ägyptischen Helfern beim Vermessen der Fundstücke.

Eine Ausgrabung in Müll und Schlamm statt in Sand und Staub. Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums in Leipzig, war im September erneut auf den Spuren des altägyptischen Tempelbezirks Heliopolis. Zusammen mit Studenten des ägyptologischen Instituts grub der Forscher im Herbst wieder im Nordosten des heutigen Kairo. Eingekeilt zwischen wild wucherndem Häuserbau und ansteigendem Nilwasser war es ein Einsatz zur Rettung der Geschichte.

Heliopolis, die größte Tempelanlage Ägyptens, gilt in der ägyptischen Mythologie als Schöpfungsort der gesamten Welt. Mindestens 4000 Jahre alt, liegt der größte Teil der Anlage jedoch inzwischen unter dem Kairoer Stadtteil Matariya begraben. Die Ausgrabung gestaltet sich daher als schwierig für das ägyptisch-deutsche Team unter Dr. Dietrich Raue und Dr. Aiman Ashmawy vom Ägyptischen Antikenministerium.

Aus dem Nilschlamm geborgen

In dieser Herbstkampagne konnten Teile eines Tempels aus der Zeit Nektanebos I. (380 bis 363 v.Chr.) aus dem Nilschlamm geborgen werden. Darunter Basaltreliefs mit ungewöhnlich ausführlichen Inschriften. Auch Fragmente einer Königsstatue des Pharaos Merenptah (um 1200 v.Chr.) und Teile eines größeren Handwerkerkomplexes wurden von dem 20-köpfigen Forscherteam mithilfe einheimischer Helfer freigelegt.

Wenn die Finanzierung stimmt, soll es im Februar weitergehen. Unterstützung erhoffen sich die Forscher auch vom Ägyptischen Antikenministerium, dessen Minister Dr. Mamduh Eldamaty die Ausgrabung im September besuchte.

mephisto97.6-Redakteur Dennis Blatt über Heliopolis:

Der Beitrag von Redakteur Dennis Blatt über Heliopolis
heliopolis
 

Kommentieren

Hintergrundinformationen

In der altägyptischen Zeit galt Heliopolis als das kulturelle und religiöse Zentrum schlechthin. Jeder Pharao hatte am Entstehungsort der Welt seinen Tempel zu bauen, um dem Schöpfungsgott Atum zu huldigen. Einzig seine Lage unter der Millionenstadt Kairo und die Schwierigkeit der Ausgrabung hat verhindert, dass Heliopolis nicht in vollem Umfang touristisch erschlossen werden konnte. Daher besitzt es bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad von antiken Tempelstätten wir Karnak oder Luxor.