Kolumne

Requiem für meinen iPod

Acht Jahre lang hegte und pflegte unsere Kolumnistin die Playlist "Paulas Beste" – mit Songs und damit verbundenen Erinnerungen. Jetzt ist er hinüber und alles unrettbar verloren. Ein Requiem für die Playlist einer Jugend.
Der iPod ist nicht mehr da. Die Songs der Playlist werden unserer Kolumnistin nun nur noch zufällig begegnen.

Man soll den Tod nicht fürchten, säuselte mir schon der Blue Öyster Cult ins Ohr, als ich zum ersten Mal geknutscht habe – oder besser: als es zum ersten Mal erinnerungswürdig wurde. Und obwohl ich mich daran halten will, bekomme ich doch Angst. Ich fürchte den Tod meiner Erinnerungen. Denn nachdem die Festplatte meines iPods gesprungen ist, verblasst ein Titel nach dem anderen von einer jahrelang gepflegten Playlist und die damit verbundenen Ereignisse:

Der Film, bei dem ich zum ersten Mal geheult habe, und das nicht, weil Simbas Papa gestorben ist. Mein erster Kontakt mit “Singer/Songwritern” und stundenlangen Fachgesprächen im Bio-Leistungskurs darüber. Und dann natürlich noch die eine oder andere Peinlichkeit, manifestiert in einem verwirrten Musikgeschmack. Aber da waren noch so viel mehr. So viel mehr heruntergelassene Autofenster. So viel mehr Abende im Garten. So viel mehr aufgedrehte Lautsprecher, so viel mehr Erinnerungen!

Ich weiß, ich weiß. Im Zeitalter der externen Festplatten, der Clouds und Internet-Playlisten hätte ich ja alle Chancen gehabt. Ich bin aber altmodisch: Ich hatte nur meinen iPod. Irgendwie hatte ich die romantische Vorstellung, dass meine Enkel einmal zu mir kommen, mit einem fragenden Blick und einem: “Oma, was ist denn das?” auf den Lippen. Und ich hätte dann, wie Omas so sind, die Hände zusammengeschlagen und gesagt “Ach ja! Eure Oma hat so flippige Musik damals gehört.” – Schade, dass sie die Anfänge meiner persönlichen Musikgeschichte jetzt nicht mehr nachempfinden können.

Für diese Kolumne habe ich meine Freunde gefragt, die alten und die neuen, meine Eltern – alle. Welche Musik sie in den letzten 8 Jahren mit mir verbunden haben. Und es kam so viel zutage. So viel, an das ich mich nicht mehr erinnern konnte. Meine Mama sagte: “Da war bestimmt viel Nerviges dabei”. Meine Jugendfreundinnen machten Quietschlaute und zählten unsagbar peinliche Dinge auf. Jeder kam auf etwas anderes.

Das hier ist ein Requiem für meinen iPod. Die Erinnerungen darauf sind verloren gegangen – vorerst. Denn mein Rumfragen bei Freunden führte zu dem ein oder anderen Glas Wein und jeder erinnerte sich noch an ein paar Lieder. In unserer Erinnerung tanzten wir auf Dächern, sangen schräg Karaoke und feierten die wildesten Partys. Alles mit einem Playknopf.

Vielleicht ist die Playlist “Paulas Beste” in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Aber – so kitschig das klingen mag – die besten Menschen erinnern sich für mich an die Songs und ich mich für sie. Und es wird noch viel schöner werden, wenn wir irgendwann gemeinsam ein Lied hören, das wir bis dahin alle vergessen hatten.

In diesem Sinne: Es sind unsere Lieder. Welche, werden wir dann sehen.

 

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Paula Drope
14.08.2014 - 12:00

Songs, die unserer Kolumnistin auch ohne jede Playlist immer in Erinnerung bleiben werden:

The Reaper - Blue Öyster Cult

Colorblind - Counting Crows

9 Crimes - Damien Rice

Bet On It - Highschool Musical

Mr. Brightside - The Killers

Fitzcarraldo - The Frames

Every Me Every You - Placebo

Man lebt nur einmal - Ohrbooten

Kryptonite - 3 Doors Down

Zoot Suit Riot - Cherry Poppin' Daddies

Euer Lied - Skatoons