Tourismus

Rekord in Leipzig

Im Jahr 2000 gab es in Leipzig noch 1,4 Millionen Übernachtungen. 2016 waren es nun 2,9 Millionen. Und das, obwohl Sachsens Image in der vergangenen Zeit gelitten hat. Ein Interview mit Andreas Schmidt von der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH.
Rekordbesuche in Leipzigs Hotels
Rekordbesuche in Leipzigs Hotels

2016 war für den Tourismus ein erfolgreiches Jahr und das, obwohl Sachsens Image in der Öffentlichkeit etwas angekratzt war. Wie erklären Sie sich das?

Also es ist tatsächlich so, dass wir zum Beispiel im März auf der Tourismusbörse ITB viele Fragen bekommen haben: „Was ist mit Sachsen los?“ Es gab Rechtsradikalismus, Linksradikalismus aber auch eine große Unruhe, die von großen Magazinen aufgegriffen wurde. Erfreulicherweise ist trotzdem das Kongress- und Tagungsgeschäft erstaunlich gut gelaufen. Leipzig wird vor allem auch national und international als junge, als aufstrebende, als lebensfrohe, dynamische Stadt wahrgenommen. Und mit touristischen Höhepunkten, wie wir sie in diesem Jahr hatten, wie zum Beispiel beim deutschen Katholikentag oder auch jährlich das Bachfest Leipzig, das Wave Gotik Treffen, ist es gelungen, dass wir auch im letzten Jahr mit einem Rekordwert abschneiden können. 

Da haben also letztes Jahr auch große Ereignisse mitgespielt. Solche Ereignisse fehlen in Leipzig dieses Jahr. Wie lautet denn ihre Prognose für 2017?

Also mit großen Ereignissen werben wir seit vielen Jahren auch in den internationalen Medien. Das reizt auch die Reiseveranstalter Angebote aufzulegen. Wir werben jetzt schon seit zwei Jahren intensiv für das Jubiläum „500 Jahre Reformation“, bei dem Leipzig sehr viele bedeutende Ausstellungen zu bieten hat, es gibt bestimmte Gästeführungen. Also die ganze Stadt zieht bei diesem Thema an einem Strang, um für Gäste zu werben. Und wir haben im Mai den Kirchentag auf dem Weg, wo wir auch bis zu 50.000 Gäste erwarten.

Die Zahl von knapp drei Millionen Besuchern in Leipzig bezieht sich auf Übernachtungsgäste. Jetzt übernachten die Menschen ja nicht mehr nur noch in Hotelzimmern, sondern auch in alternativen Dienstleistungen wie Airbnb, wo örtlich Ansässige ihre Zimmer vermieten können. Wie wirkt sich das auf Leipzigs Tourismus aus?

Uns liegt eine Statistik vor, dass Leipzig nach Berlin die höchste Frequenz hat, was Airbnb-Übernachtungen betrifft. Wir haben auch 40.000 Studenten und auch da ist anzunehmen, dass viele Freunde oder Familienmitglieder sie besuchen, also privat übernachten. Deswegen gehen wir davon aus, die drei Millionen Übernachtungen beziehen sich auf gewerbliche Übernachtungen in Leipzig. Aber selbstverständlich ist der Wert sehr hoch.

In Berlin wurde Airbnb ja kritisch betrachtet. Es klingt aber so, als sehen Sie das eher positiv.

So ein Markt entwickelt sich nur, wenn Bedarf da ist. Und da es tatsächlich so ist, dass wir zu Spitzenzeiten in Leipzig keine gewerblichen Übernachtungen bieten können. Daher wird der Bedarf auf andere Arten bedient. Im Endeffekt ist auch der Gast, der privat übernachtet, jemand, der hier Geld ausgibt, der mit der Straßenbahn fährt, jemand, der ein Souvenir kauft, ein Festivalticket kauft, der Essen geht. Also der Gast schafft auch Werte für diese Stadt und ist uns deshalb genauso wichtig.

 

 

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Helena Schmidt
05.01.2017 - 15:55