Fotografien aus der DDR

Realität gegen Propaganda

Die Fotografin Gundula Schulze-Eldowy wuchs in der DDR auf und erlebte staatliche Zwänge, Unterdrückung und Isolation am eigenen Leib. 1977 begann sie ihre Eindrücke des alltäglichen Lebens in Ostdeutschland auf Bildern festzuhalten.
Die Ausstellung "Zuhause ist ein fernes Land" mit Fotografien von Gundula Schulze Eldowy im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Gundula Schulze-Eldowy fotografierte Menschen, die im offiziellen Bild der DDR nicht vorkamen.

mephisto97.6-Redakteurin Christin Sachtler besuchte ihre Ausstellung „Zuhause ist ein fernes Land“ im Zeitgeschichtlichen Forum und sprach mit der Fotografin:

Das Interview von Christin Sachtler mit Gundula Schulze-Eldowy
0212 RI Gundula Schulze Eldowy

Gundula Schulze-Eldowy versuchte mit ihren Bildern den Menschen eine Stimme zu geben, die in den staatlichen Zwängen der DDR kein Gehör fanden. Dabei geht sie auf die verschiedensten Lebensbereiche ein und fotografiert unterschiedliche Persönlichkeiten. Von 1977 bis 1990 arbeitete sie an Fotoserien, wie zum Beispiel "Berlin in einer Hundenacht", "Arbeit" oder "Der große und der kleine Schritt". In Büchern und Erzählungen schildert sie die Geschichten hinter den Bildern.

Das Unbewusste ist ein Symptom meiner Zeit. Für die Kommunisten dagegen gibt es nichts Unbewusstes. Es gibt nur ein Entweder-Oder. Gegensätze werden weggeredet, um das Leben auf einen Nenner zu bringen.

Gundula Schulze Eldowy

Man sieht mehrere Fotos aus einem Krankenhaus, eine Geburt oder ein Baby im Brutkasten. Werktätige an vollkommen veralteten Maschinen, die täglich bei ihrer Arbeit ihr Leben in Gefahr bringen, lächeln freundlich in die Kamera. Statt sozialistische Helden, wie sie die DDR gerne hätte, zeigen diese Menschen Persönlichkeit und Würde. Einige der Personen ließen sich sogar nackt fotografieren. Diese Form der Aktfotografie wirkt dabei nicht etwa erotisch oder anzüglich. Die Menschen werden so dargestellt wie sie sind – selbstbewusst, verletzlich und stolz mit all ihren Makeln. Viele der abgebildeten Personen begleitete Frau Schulze-Eldowy über Jahre hinweg, besuchte sie bei der Arbeit und saß abends mit ihnen zusammen. So entwickelten sich hinter den Bildern Lebensgeschichten – realistisch, mitfühlend und authentisch.

Beim Auslösen denke ich nicht an morgen, nicht an gestern, sondern nur an den Augenblick. Ich bin Teil des Geschehens, dass ich fotografiere.

Gundula Schulze Eldowy

Besonders berühmt wurden Gundula Schulze-Eldowys Bilder von der friedlichen Revolution im Herbst 1989. Menschen mit Fahnen und schwarz-rot-gold-bemalten Gesichtern, die pure Entschlossenheit ausdrücken. Tausende Menschen auf den Straßen von Leipzig und Dresden. Abseits dieser energiegeladenen Bilder erfasste die Fotografin auch sehr viele Menschen, die Leid erfahren haben. Eine Briefträgerin, die trotz Brille mit einer Lupe versucht, die Adressen zu entziffern, eine Frau namens Margarete Dietrich mit dem Bild ihrer gefallenen Söhne in der Hand oder Ulla und Horst, einem ungleichen Pärchen, dem das Kind weggenommen wurde.

Bilder über die Friedliche Revolution im Herbst 1989 von Gundula Schulze Eldowy

 

 

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Heute lebt Gundula Schulze-Eldowy in Berlin und Peru. Ihre Fotosammlungen sind auf der ganzen Welt berühmt, sodass man sie sich zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York oder Foto Fiesta in Hokkaido ansehen kann.