Krebsforschung

Rauchen doch harmlos?!

Rauchen und Alkohol galten bislang als Hauptverursacher von Kopf-Hals-Krebsarten. Nun hat eine Untersuchung aus Leipzig ergeben: Unsere Gene sind (haupt-)verantwortlich.
Rauchen
Rauchen – doch nicht Hauptverursacher für Krebs im Kopf-Hals-Bereich?

50 von 100.000 Menschen erkranken schätzungsweise jedes Jahr in Deutschland an Kopf-Hals-Krebsarten wie z. B. Kehlkopfkrebs. Bislang ging man davon aus, dass Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum die Hauptursachen für Tumore im Kopf-Hals-Bereich sind. Eine Studie von Leipziger Forschern fand nun heraus, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, durch einen anderen Faktor maßgeblich beeinflusst wird: unsere Gene. Für die Studie wurde bei 90 Krebspatienten Blut entnommen und untersucht, wie sich deren weiße Blutkörperchen von denen der Normalbevölkerung unterscheiden. Der Unterschied liegt bei den HLA-Genen, die man auf den weißen Blutkörperchen findet. Sie sind Teil des Immunsystems und bestimmen, ob ein Stoff körperfremd oder körpereigen ist. Wenn diese mutieren, also in ihrer Struktur beschädigt werden, steigert sich die Empfänglichkeit für Krebs, weil körperfremde Stoffe nicht mehr erkannt und aussortiert werden können.

Tabak und Alkohol treten als Verursacher in den Hintergrund

Prof. Dr. Andreas Dietz leitet die Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Universitätsklinikum Leipzig und hat an der Untersuchung zu dem Thema mitgewirkt. Schon vor Jahren habe er gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum Untersuchungen zur Verarbeitung von Giftstoffen wie Tabakrauch durchgeführt. Das Ergebnis: Giftstoffe werden vom Menschen unterschiedlich verstoffwechselt. Während die einen Giftstoffe relativ früh aus dem Organismus ausscheiden, lagern andere die Giftstoffe ein oder verstoffwechseln sie zu schädlichen Produkten. Diese Menschen sind dann anfälliger für Krebs. Aber auch die Reparaturgene würden eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen, erklärt Dietz. Reparaturgene sorgen nämlich dafür, dass HLA-Mutationen bei der Zellteilung nicht weitergegeben werden.

Keine Milchmädchen-Rechnung

"Das Rauchen allein macht also noch nicht Kopf-Hals-Krebs bei jedermann", so Dietz, "sondern es müssen verschiedene andere Faktoren dazu kommen." Vor allem die Kombination aus Rauchen und einem Gendefekt führe schnell zu Krebs. Die Chancen, an Krebs zu erkranken, könne man regelrecht ausrechnen. In der Studie mit den Krebspatienten spielten unter anderem der Alkohol- und Tabakkonsum eine Rolle, aber auch wo der Tumor genau gewachsen ist. "Was uns wirklich überrascht hat: wie stark dieser genetische Hintergrund die Berechnung beeinflusst!", so Dietz weiter. Ob man Krebs auch ohne Gendefekt bekommen kann? Die Wahrscheinlichkeit sei deutlich geringer.

Aber wissen Sie, solche hypothetischen Überlegungen sind immer mühsam, weil am Ende bekommt er dann einen Herzinfarkt und keinen Krebs, aber hat dann trotzdem ein Problem, weil Tabakkonsum an vielen Stellen den Körper definitiv beschädigt.Andreas Dietz, Leiter der HNO-Klinik am Universitätsklinikum

Kein Freifahrtsschein

Die neuen Erkenntnisse sollen das Rauchen aber nicht verharmlosen, betont Andreas Dietz. "Im Gegenteil: Rauchen ist ein ganz massiver Krebs-Trigger, aber der Körper kann sich unterschiedlich stark wehren." Außerdem seien Kopf-Hals-Tumore nicht die einzigen Krebsarten, die mit dem Rauchen assoziiert werden. So würden auch Erkrankungen wie Brustkrebs unter Umständen vom Rauchen ausgelöst. Zudem hätten nur rund vier Prozent der Patienten, die an Kopf-Hals-Krebs erkranken, in ihrem Leben nie Tabak oder Alkohol konsumiert.

Für Patienten ändert sich aber mit den neuen Erkenntnissen nichts. "Wir bleiben bei der Preventivaufforderung 'Hört auf zu rauchen', egal welche Gene ein Patient hat", betont Andreas Dietz. Schließlich hätten die Patienten, die mit dem Rauchen aufhören, dann den größten Risikofaktor eliminiert, der durch schlechte Gene verstärkt wird.

Alle Informationen rund um die neue Studie hat mephisto 97.6 Redakteur Marvin Kalies im Gespräch mit Moderatorin Lisa Tuttlies zusammengefasst:

mephisto 97.6 Redakteur Marvin Kalies im Gespräch zu Kopf-Hals-Krebsarten
0507 SG Krebs

 

 

Kommentare

"Tabak und Alkohol treten als Verursacher in den Hintergrund" Das glaube ich nicht, und steht so sicher auch nicht in der Studie, denn diese Krankheiten betreffen ja fast nur Raucher. Richtig ist wohl, dass bei der Frage bei welchem Raucher letztendlich die Krankheit ausbricht, auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen, aber rauchen bleibt natürlich die Hauptursache.

@Josef Man muss natürlich auch noch anmerken, dass es in dieser Studie nur um Kopf-Hals-Krebsarten ging. Der Lungenkrebs, zählt da gar nicht dazu.

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