Gespräche auf dem Roten Sofa

Radikal, jung, grenzenlos

Ronja von Rönne liebt die Provokation. Nach ihrem Beitrag in der „Welt“ gegen Feminismus bringt die junge Bloggerin nun ihr erstes Buch auf den Markt – „Wir kommen“ ist eine radikale Suche nach sich selbst.
Ronja von Rönne auf dem Roten Sofa
Ronja von Rönne im Interview mit Moderatorin Anna Vogel

Was gibt es denn heute noch, womit sich die Jugend abgrenzen kann? Wie kann die anders sein, wild sein und auf gar keinen Fall spießig wirken? Ronja von Rönne entwirft mit „Wir kommen“ einen Vorschlag. Vier junge Erwachsene, alle begabt und gleichzeitig ziellos, alle im Glauben an die außergewöhnliche Kraft einer offenen Beziehung gehen auf eine Reise. Sie fahren zusammen ans Meer. Um sich nicht vom Alltag ablenken zu lassen, zerstören sie alle Elektrogeräte und freuen sich am Moment der Freiheit. Sie leben am Limit, mit dabei ein Kind, Emma-Lou, das sich verweigert zu sprechen und dem auf der Autofahrt Fragen gestellt werden wie „Nehmen wir an, dass deine Mutter stirbt,…Was würdest du dann machen wollen?“

Vom Staunen und Entsetzen

„Wir kommen“ ist kein Buch wie jedes andere. Ohne unbedingt durch seine Dramaturgie zu überzeugen, lässt es den Leser an der ein oder anderen Stelle fassungslos zurück. Aber dennoch entwickelt es einen gewissen Sog und lädt zum Staunen ein. Es macht die Einsamkeit einer jungen Frau zum Thema, die auf der großen Suche nach sich selbst und nach der Liebe, inmitten von Freunden und Beziehungen am Ende doch alleine dasteht. Dabei ist es ein schmaler Grat, in dem sich der Leser beinah als Voyeurist fühlen muss, wie er Zeuge dieses Experiments wird.

Das Phänomen Ronja von Rönne 

Es ist ein Roman, der ohne die Person Ronja von Rönne vermutlich nicht funktionieren würde. Sie versteht, sich medial in Szene zu setzen und sie versteht, durch ihre Aussagen zu provozieren. Noch immer ist nicht vergessen, wie sie im vergangenen Jahr mit ihrem Beitrag "Der Feminismus ekelt mich an" in der „Welt“ polarisiert hat. Mit ihren 21 Jahren stellte sie sich damals gegen Feminismus.

Auf dem Roten Sofa

Im Interview zeigt sich Ronja von Rönne selbstbewusst. Sie sieht sich selbst als erwachsen, denn sie führt eine ernsthafte Beziehung, kann von ihrem Job leben und trifft langfristige Entscheidungen. Deshalb kann sie die Diskussion über ihr Alter im Bezug auf ihr Romandebüt nicht nachvollziehen. 

Ich bin gut im Schreiben, ich bin talentiert.

Die Idee zu ihrem ersten Roman kam daher, dass sie gern ein Buch von sich haben wollte, schreiben wollte sie es aber nicht. Mit einigem Druck hat sie es aber doch geschafft. Und war der Meinung ein frohes Buch geschrieben zu haben – bis zu dem Zeitpunkt, als ihre Mutter sie fragte, ob sie schwer depressiv wäre. Eigen- und Fremdwahrnehmung gehen eben manchmal weit auseinander. Außerdem erzählt sie von unangenehmen Interviews, in denen sie gefragt wurde, mit wem sie geschlafen hätte, um den Job bei der "Welt" zu bekommen oder ob ihr Erfolg mit ihrem Aussehen zu tun hätte.

Ronja von Rönne im Gespräch mit Anna Vogel auf dem Roten Sofa
Ronja von Rönne im Gespräch mit Anna Vogel auf dem Roten Sofa

 

 

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Ronja von Rönne ist 1992 in Berlin geboren. Heute lebt sie in Berlin und Grassau. Seit 2015 ist sie Redakteurin im Feuilleton der Welt und Autorin des Blogs Sudelheft.

Ihr erster Roman „Wir kommen“ ist im Aufbau Verlag erschienen, hat 208 Seiten und kostet 18,95 Euro.