Queere Partyszene

Queere Kunst feiern

Leipzigs queere Partyszene wächst. Mittendrin das Oeuvre-Kollektiv, dass nach einer kleinen Pause jetzt wieder eine Drag-Party geschmissen hat. Wir haben mitgefeiert und uns umgehört, was das Kollektiv und die Performer*innen bewegt.
Veranstaltungsplakat der letzten Oeuvre-Party.
A juicy drag night: Veranstaltungsplakat der letzten Oeuvre-Party.

Den Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Max Berkenheide über das Oeuvre-Kollektiv.
IfZ_Max Berkenheide

Noch sind die Gänge leer im Institut für Zukunft oder kurz IfZ. Aber schon in ein paar Stunden soll sich die Tür des Leipziger Techno-Clubs für eine Drag-Party des Oeuvre-Kollektivs öffnen.

Oeuvre, das ist Französisch und bedeutet so viel wie Gesamtwerk. Mitorganisator Tom Schremmer erklärt, dass es dem Verein vor allem darum geht, ein vielfältiges Bild queerer Kunst zu vermitteln. Deshalb ist auf der Party neben der Musik und den Auftritten der Performer*innen auch eine Fotoausstellung zu sehen.

Obwohl es auch schon Clubnächte in Hamburg und Wien gab, liegt der Fokus in und auf Leipzig. Das liegt nicht nur daran, dass hier viele der Mitglieder wohnen, sondern auch an Freiräumen:

Leipzig war vielleicht auch eine Art Sprungbrett,  eine Art Basis für Menschen, die Bock hatten, in eine relativ neutrale Umgebung zu gehen, die auch viele Freiräume und die nicht so das depressive Großstadtklima hat.

Tom Schremmer, Oeuvre-Kollektiv

"Ich fühle mich unglaublich schön"

Seit der Gründung des Kollektivs spielt auch Drag eine große Rolle bei Oeuvre. Zwar gibt es in Leipzig zahlreiche Clubnächte. Aber Drag-Shows gebe es bisher kaum.

Im Backstage-Bereich bereiten sich zwischen Zigarettenrauch und Schampus aus Bechern die Drag-Performer*innen des Abends vor. Xenia, Künstler*innenname Xix in the Morning, wird die Show heute moderieren und selbst auftreten. Sie erzählt, was Drag für sie bedeutet.

Sobald ich fertig bin, sobald ich die Wimpern aufgesetzt hab, fühl ich mich schon viel stärker, das stimmt schon. Also ich fühle mich da extrem bestärkt in meiner Persönlichkeit, ich fühle mich unglaublich schön, ich bin so glücklich, wenn ich in Drag bin und für mich ist es auf jeden Fall nicht ein Escape, aber eine Möglichkeit, einen Teil meiner Persönlichkeit auszuleben.

Xenia, Drag-Performer*in

Drag ist für sie eine ganz besondere Kunstform. Man müsse praktisch alles können: Makeup, Kostüme, eine Performance entwerfen, also Singen, Tanzen, auch Comedy. Ginge es nach ihr, würde Drag auch im Alltag präsenter sein. Um Anfeindungen zu entgehen, liefen aber viele Menschen viel weniger bunt rum, als sie wollen.

Kuschelecke und Rotlicht

Während Xenia weiter ihr Make-Up aufträgt, tackert Tom derweil Überzüge für die "Kuschelecke" fest. Wer eine kleine Pause braucht, kann es sich hier unter schummrig-rotem Licht ein bisschen gemütlich machen. Gitterartige Wände trennen kleine Bereiche voneinander ab. In diesem Bereich können Personen auch miteinander Geschlechtsverkehr haben, wenn sie wollen.

Sexpositivität, also der offene Umgang mit Sex, ist dem Kollektiv ebenfalls wichtig. In Zukunft soll es deshalb auch regelmäßiger queere und sexpositive Oeuvre-Partys im IfZ geben.

Für Vielfalt sensibilisieren

Gleichzeitig möchte das Kollektiv aber auch für politische Themen sensibilisieren. Die Club-Szene sei immer noch sehr männlich und weiß. Deswegen stehe schon bei der Auswahl der DJs und Künstlerinnen und Künstler Vielfalt im Vordergrund.

Wir achten in unserer Kulturschaffung darauf, so viele Mosaikstücke wie möglich zu finden, die so unterschiedlich wie möglich sind. Und die sich vielleicht auch aneinander reiben, vielleicht auch nicht immer ganz stimmig zusammenpassen, aber letztlich ein viel tieferes und umfangreicheres Kulturbild schaffen, als wenn wir jetzt nur weiße Personen einladen und einen Abend gestalten würden, uns aber auf die Fahnen schreiben, dass wir besonders weltoffen sein wollen.

Tom Schremmer, Oeuvre-Kollektiv

Die Vielfalt spiegelt sich an dem Abend sowohl in den Gästen als auch den Performances. Dort wo normalerweise harter Techno alles übertönt, füllt heute Gejubel den Raum. Die Kings und Queens tanzen, singen und schwitzen. Und mit ihnen der ganze Club.

 

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Maximilian Berkenheide
12.01.2020 - 22:53

Drag

Drag bezeichnet die künstlerische oder humoristische Darstellung von Geschlechtsidentitäten, die in der Regel nicht der eigenen Geschlechtsidentität entsprechen. Meist wird diese Darstellung durch starkes Makeup, extravagante Kleidung, auffällige Perücken und der Überzeichnung von als typisch wahrgenommenem Geschlechterverhalten unterstrichen. Drag spielt eine wichtige Rolle in der Homosexuellenbewegung.

queer

Ursprünglich eine negativ konnotierte Bezeichnung für von der Norm abweichendes Verhalten oder Aussehen. Heutzutage positiv umgedeutet, bezeichnet der Begriff die eigene Positionierung im LGBTIQ+-Spektrum.