Bauprojekt Leipziger Osten

Quartiersschule für Chancengleichheit

Nicht nur den Anwohnenden dürfte aufgefallen sein, dass Kräne, Baugruben und schweres Gerät gerade das ehemals ruhige Gelände hinter der Krönerstraße aufmischen. Warum es bei diesem Bauprojekt nicht einfach nur um eine Schule geht, lest ihr hier.
Baustelle Quartiersschule
Baustelle

Eine Menge Geld

Starke 79 Millionen Euro stecken in der Baugrube und dem Gerüst, dass die ehemalige Hermann-Liebmann-Schule gerade vor neugierigen Augen abschirmt. Die Stadt Leipzig selbst zahlt etwa 60% davon aus eigener Tasche, der Rest wird mit Fördergeldern vom Bund und dem Land Sachsen finanziert. Eine starke Summe, die Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung aber auch entsprechend lobte:

Die Quartiersschule Ihmelsstraße ist ein Meilenstein für die Weiterentwicklung der Leipziger Bildungslandschaft

Oberbürgermeister Burkhard Jung, (Stadt Leipzig, 2019)

 

Ein neuer Schulcampus, mitten im Osten
Ein neuer Schulcampus, mitten im Osten

Chancenungleichheit im Leipziger Osten

Hinter dem Mega-Bauprojekt steht aber durchaus mehr als der bloße Bau einer neuen Schule. Ein Blick in den Sozialreport 2020 der Stadt Leipzig gibt Aufschluss: Zwar sinkt die Anzahl von Kindern unter 15, die auf Sozialgeldzahlungen angewiesen sind weiterhin, in Volkmarsdorf beispielsweise um etwa 7% im Jahr 2019. Doch trotz dieser positiven Entwicklung ist noch immer jedes zweite Kind betroffen. Die Quoten für andere Staddteile im Osten sind niedriger, aber noch immer mit über 30% deutlich höher als in anderen Stadtteilen. Die Zahlen veranschaulichen, was viele Stimmen aus Politik und Ehrenamt schon lange bemängeln: die strukturelle Benachteiligung Jugendlicher im Osten der Stadt.

Die ehemalige Herrman-Liebmann Schule aus dem Jahr 1907 stand lange leer. Mit dem Projekt "Quartiersschule" wurde begonnen, die alten Klassenzimmer wieder mit Leben zu füllen - dafür wird gerade denkmalgerecht saniert. Etwa 700 Schüler:innen sollen hier nach den Winterferien 2022 im März auf die neue Oberschule wechseln, die Jahrgänge werden bereits seit 2017 an einem Übergangsstandort unterrichtet und ziehen in ca. einem Jahr um. Doch es wird nicht nur saniert, es wird auch kräftig neu gebaut.

Neben dem alten Gebäude entsteht jeweils ein Anbau, einer von ihnen soll weiteren 900 Kindern Platz am neuen Gymnasium im Osten Leipzigs bieten. Das wird wohl aber noch mindestens bis 2024 dauern. Beide Schulen bekommen jeweils eine Sporthalle, die in einem separaten Gebäude untergebracht werden. Doch was verbirgt sich hinter dem Namen "Quartiersschule"?

Mehr als nur eine Schule

Der etwas irreführende Name bezieht sich auf den Bezirk und die angrenzenden Stadtteile im Leipziger Osten. Dieses "Quartier" erfährt nicht nur allein durch zwei neue Schulen eine deutliche Verbesserung in der Infrastruktur.  Auf dem Campus wird nämlich auch ein Mehrzweckgebäude gebaut, welches vielseitig genutzt werden soll. Mensa und Aula sollen für Veranstaltungen genutzt werden können, es soll Räumlichkeiten für die Volkshochschule und andere Initiativen sowie die Musikschule geben. Die Vision sieht den Campus als sozialen Treffpunkt, wo Bildungsangebote und Kultur für alle zugänglich sein werden. Das Bauprojekt soll neue Möglichkeiten für Jung und Alt eröffnen und den Wandel des Stadtteils stark prägen. 1600 Kindern und den Bewohner:innen wird ein inklusiver, barrierefreier und generationsübergreifender Ort des Lernens geboten.

Die Stadt Leipzig schreibt jedoch selbst, dass bis 2030 vorraussichtlich 40 weitere Schulen benötigt werden. In der Ihmelstraße werden bald viele Kinder Bastelscheren umgehen müssen - die soziale Schere dagegen bleibt weiterhin eine Herausforderung auf dem Schreibtisch der Stadt. Millionenbeträge für Bildung sind zukünftig wohl eher nötig als wünschenswert, damit noch mehr Projekte wie die Quartiersschule geschaffen werden können.

 

Auf Twitter haben wir schließlich auch nach eurer Meinung zum Thema gefragt:

 

Kommentieren

Alexia Lautenschläger, Jan Arne Friedrich
26.02.2021 - 13:05

Zum Weiterlesen gibt es hier noch mehr Informationen:

 

Schaut auch gerne mal auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei!