CD der Woche

Put on your favorite Song

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es sind Teleman mit ihrem neuen Album „Brilliant Sanity“. Dabei mischen die vier Engländer fluffigen Britpop mit eingängigen Synthiemelodien.
Teleman versuchen rauszufinden, wer den schönsten Zeigefinger hat
Teleman versuchen rauszufinden, wer den schönsten Zeigefinger hat

Freunden von klassischer Musik wird der Name Telemann vielleicht ein Begriff sein. Das war nämlich ein barocker Komponist, der sogar in unserem schönen Leipzig zur Uni gegangen ist. Mit barocker Orchestermusik hat die englische Band Teleman allerdings nur bedingt zu tun. Die fanden den Namen des deutschen Komponisten einfach nur cool, als sie ihn auf einem Plattencover in einem Londoner Secondhand Laden gesehen haben. 

Musik zum Wohlfühlen

Aber wenn die jetzt nicht nach schwülstiger und überladener klassischer Musik klingen, wonach dann? Erstaunlicher Weise werden die vier Londoner häufig mit Kraftwerk verglichen, also einer Band, die für das komplette Gegenteil von schwülstig und aufgeblasen steht. Aber auch das sind sie nicht wirklich, viel mehr klingen Teleman wie eine Mischung aus Britpop wie er im Lehrbuch steht und ein wenig Synthesizern a la New Order. Das fällt besonders beim Titeltrack „Brilliant Sanity“ auf. Da hört man dann fluffige Melodien über einem elektronischen Schlagzeugbeat, was irgendwie eine Wohlfühlatmosphäre erzeugt. Überhaupt kommt einem das Album sehr kurzweilig vor und voll von Melodien, die sofort ins Ohr gehen. 

 

Auch was die erste Singleauskopplung angeht gibt es Verweise auf Kraftwerk. Die heißt nämlich „Düsseldorf“, was übrigens die Heimatstadt der deutschen Elektropioniere war. Wer die allerdings nicht mehr auf dem Schirm hat, denkt spontan wahrscheinlich an eine Liebeserklärung an die Rheinmetropole. Der Song entpuppt sich aber als irgendwie melancholische Beschreibung einer Partynacht. Im Text singt Sänger Thomas Sanders über ein Mädchen aus Düsseldorf, welches das lyrische Ich auf einer Party getroffen hat. Die ist dann aber wieder in der Nacht verschwunden und lässt ihn mit einem gebrochenen Herzen zurück. Im Hintergrund hört man dann, wie eine weibliche Stimme den Songtext nochmal auf Deutsch rezitiert, was dem ganzen einen gewissen avantgardistischen Touch verleiht.

Fazit

Wer ein leicht bekömmliches Album für zwischendurch will, ist mit „Brilliant Sanity“ ganz gut beraten. Freunde von Britpop mit elektronischen Einflüssen werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Allerdings hinkt der Vergleich mit Kraftwerk allein deshalb schon, weil sich die Band dafür musikalisch einfach viel zu wenig rausnimmt. Das verzeiht man den vier Engländern aber spätestens, wenn man plötzlich anfängt mit dem Fuß mitzuwippen.

 

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Heinrich Jakunin
18.04.2016 - 21:34
  Kultur

Teleman: Brilliant Sanity

Tracklist:

1. Düsseldorf*

2. Fall in Time

3. Glory Hallelujah*

4. Brilliant Sanity*

5. Superglue

6. Canvas Shoe

7. Tangerine

8. English Architecture

9. Melrose

10. Drop Out

11. Devil in my Shoe

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 08.04.2016
Moshi Moshi Records