Festival-Tipp: 18/7001

Purer Techno in dystopischer Kulisse

Zerklüfteter Beton ehemaliger DDR-Bunker, intime Atmosphäre und Techno at its best – das 7001 Festival holt die Berliner Rave-Vibes der Neunziger im August nach Brandenburg.
Bunker
Das 18/7001 ist die Premiere des 7001 Festivals.

Eine kleine Kiefer wächst im Schatten verwitterter Betonmauen. Rostiger Stacheldraht bohrt sich durch eine Baumrinde. Eine bemooste Treppe verschwindet in der Dunkelheit eines Bunkers. Die Szenerie der verlassenen Militär-Anlage Freudenberg erscheint nahezu postapokalyptisch – die perfekte Kulisse für einen mächtigen Rave.

Das ehemalige DDR-Areal im beschaulichen Beiersdorf-Freudenberg, 50 Kilometer entfernt von Berlin, verwandelt sich vom 17. bis zum 19. August für drei Tage in einen eskapistischen Raum der elektronischen Musik – mit der ersten Ausgabe des 7001 Festivals. 

 

Techno at its best

Vorwärtsdrängende Bassdrums, drohende Synthies und klirrende Hi-Hats: Alle, die puren, harten Techno lieben, sind beim 7001 bestens aufgehoben. Acts wie der Berliner Parallx und die Britin Stephanie Sykes verfolgen einen brachialen, kompromisslosen Sound und lassen der Crowd keine Sekunde zum Luftholen.

Sets von Acts wie Philippa Pacho und Shlømo treiben nicht weniger vorwärts und hypnotisieren die Tanzenden mit auseinanderdriftenden Flächen und strangen Sounds.

Das Booking-Team des 7001 hat sich auch einige – natürlich – technoide Live-Acts an Bord geholt: Zum Beispiel die drei Jungs von FJAAK, die gebürtige Polin Monya und Ansome, der mit Drum Machine und Modular Synthesizer live auf der Bühne ziemlich bösen Industrial zaubert.

Ambient-Sets auf dem Chillfloor versprechen einen Ruhepol zum Runterkommen vom ganzen 4-to-the-floor-Geballer.

Ein Überblick über den Sound des Festivals findet sich auf Soundcloud: Das 7001-Team hat zusammen mit einigen Acts eine Podcastreihe gestartet. Reinhören lohnt sich, versetzt schon mal in die passende Festivalstimmung.

Beim Line-up wird deutlich: Krasse Headliner mit Millionen von Facebook-Likes sind gar nicht nötig, wenn man Wert auf hochwertige Musik legt. Statt Fame und Fans zählt beim 7001 der pure Sound. Sorgfältig ausgewählte Acts geben sich hier die Kopfhörer in die Hand – bekanntere DJs ebenso wie Newcomer.

Techno steht bei diesem Festival – offensichtlich – an erster Stelle. Auf dem ehemaligen Militärgelände ist aber noch mehr los. Kunst gibt es nämlich nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen. Neben über dem Gelände verteilten Installationen, Visuals und Mappings wird eine der Baracken auf dem Areal zur Ausstellungsfläche für Künstlerinnen und Künstler jeglicher Genres. Und für den Kopf ist auch was dabei: Geschichtsinteressierte und Erfrischungssuchende können sich bei einer geführten Tour in die wohltuende Kühle der unterirdischen Bunker zurückziehen und lernen einiges über die wechselvolle Geschichte der Bunkeranlage Freudenberg. 

 

Vom DDR-Bunker zum Techno-Festival

Das Militärgelände Freudenberg ist ein Relikt des Kalten Krieges: Mitte der Achtziger wurden etliche Bunker, Baracken und ein Stabsgebäude als Unterschlupf für DDR-Innenministerium und Volkspolizei gebaut. Nach der Wende blieb das Gelände zunächst verlassen.

Vorschläge zur Nutzung gab es von mehren Seiten: Vom Atommüll-Lager über den Standort einer Pharma-Firma bis zur Unterkunft für Geflüchtete. Ende der 2000er diente es sogar als Steueroase - über neunzig Unternehmen, der Großteil Briefkastenfirmen, siedelten sich an, um den niedrigen Steuersatz der Gemeinde auszunutzen.

Und nun verwandelt sich das triste, karge Militärgelände mit Nebel, Visuals und Kunst zu einem Ort, an dem sich nur gut zweitausend Freundinnen und Freunde der elektronischen Musik in den harten Bassdrums des Technosounds verlieren können.

Der Smoothie unter den Festivals

Überlaufene Mega-Festivals, bei denen ein Headliner den nächsten ablöst, gibt es wie Dosensuppen auf dem Campingplatz. Im Gegensatz dazu ist das 7001 gewissermaßen einer der Smoothies unter den Festivals der elektronischen Musik. Mit seinem Konzept kommt es ein wenig wie ein kleiner Kellerrave vor zwanzig Jahren daher: Feiern in intimer Atmosphäre, Fokus auf den puren Sound und eine rohe, kantige Kulisse. Das 7001 klingt ziemlich sympathisch und weckt die Hoffung, dass mit seiner Premiere die Vibes eines ordentlichen 90er-Raves auf dem Militärgelände Freudenberg wieder aufleben.

 

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