CD der Woche

Punk mit Konzept

Hinter einem guten Konzept steckt meist viel Arbeit. So sicher auch bei dem neuen Album von Turbostaat. Die Deutschpunk-Band aus Flensburg veröffentlicht mit 'Abalonia' ihr bereits sechstes Album. Das besteht nicht einfach nur aus Hau-Drauf-Musik.
Turbostaat am Meer
Die fünf Flensburger stehen kurz vor Veröffentlichung ihres sechsten Albums

Wer in letzter Zeit mal die Nachrichten gehört oder gelesen hat, dem ist sicher aufgefallen: Es gibt viel Stunk! Bei so vielem Anschlägen und feindlichen Auseinandersetzungen scheint eine Flucht in eine andere Welt nicht abwegig. So eine fiktive Welt stellt auch der Albumtitel 'Abalonia' des neuen Turbostaat Albums dar. Im gleichnamigen Song heißt es: „Vielleicht trifft man sie in Abalonia“. Worum genau es sich bei dem besungenen Ort handelt wird jedoch nicht klar.

Vom Cover zur Musik

'Abalonia' ist die erste Singleauskopplung aus dem neuen Album. Das Video dazu erschien bereits im letzten Jahr. Darin ist eine Wanderung zu sehen. Wohin diese führt ist jedoch nicht klar. Die Farben sind in schwarz-weiß gehalten und die Bilder sehr verschwommen.

 

 

Im gleichen Stil wie das Video ist auch das Albumcover von 'Abalonia' gestaltet. Es wirkt auf den ersten Blick düster und bedrückend. Und das spiegelt sich auch in der Musik wieder. „Komm mit mir, wir bleiben nicht zum Sterben hier“ heißt es im ersten Song. Der beginnt mit einem rockigen Intro und besingt ein Paar.

Ein einheitliches Gerüst aus Musik und Text

Dass es sich um Punk-Rock handelt, ist nicht abzustreiten. Die Melodien sind sehr gitarrenlastig und bedienen sich einem einfachen Schema. Und trotzdem lässt es sich nicht dem üblichen 0815 Punk-Rock zuordnen. Turbostaat brechen auf ihrem Album die einheitliche Struktur von Strophe, Refrain und Bridge auf. Deswegen gibt es auch mehrere Songs auf dem Album, die über die 5-Minuten-Grenze hinaus gehen. Dabei beginnen viele Lieder mit einem langen Intro, wie zum Beispiel 'Wolter'.

Die Melodien wechseln zwischen ruhigeren und sehr rockigen Parts. Auch gesanglich wird variiert. Die charakteristische, raue Brüllstimme von Sänger Jan Windmeier ist in den meisten Songs vorherrschend. Diese wechselt aber auch häufiger in eine ruhigere Singstimme. Bei dem Song 'Wolter' geht der Sänger sogar in eine Flüsterstimme über. Das wirkt zum einen bedrohlich, zum anderen aber auch geheimnisvoll. Die Wechsel in Gesang und Musik passen sich dem Text sehr gut an. Es entsteht Spannung und Dramatik.

Ein Album – Eine Geschichte

Die Aufnahmen zum neuen Album haben lächerliche fünf Tage gedauert. Die Idee für das Konzept dahinter allerdings eineinhalb Jahre. Und das merkt man. Thematisch passen die Texte der einzelnen Lieder sehr gut zusammen. Um genau zu sein – sie bauen sogar aufeinander auf. Das gesamte Album erzählt eine Geschichte. Trotzdem funktionieren die Songs auch im Einzelnen. Ihre Texte sind dabei kritisch und provokant, wie man es vom Punk natürlich auch gewohnt ist. Sie regen zum Nachdenken an, was teilweise auch an der Art des Textens liegt. So enthält der Song 'Die Arschgesichter' sehr gegensätzliche Formulierungen wie zum Beispiel: "Ich bin schon müde vom Schlafen und glücklich vom Heulen."

Fazit

Ausdrucksstark - So könnte man 'Abalonia' zusammenfassend beschreiben. Dabei liegt das Hauptaugenmerk des Albums nicht auf einzelnen Aspekten. Die Melodien sind einfach. Und auch die Texte stechen nicht einzeln hervor. Das Besondere liegt im Ganzheitlichen. Lyrics, Melodien und die einzelnen Lieder der Platte passen so gut zusammen wie selten bei einem Album. Das bringt natürlich auch eine gewisse Ähnlichkeit der Albumsongs mit sich. Langweilig wird es so schnell trotzdem nicht.

 

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Celia Woitas
25.01.2016 - 12:25
  Kultur

Turbostaat: Abalonia

Tracklist:
  1. Ruperts Gruen
  2. Der Zeuge
  3. Der Wels*
  4. Die Arschgesichter*
  5. Wolter
  6. Eisenmann
  7. Totmannknopf
  8. Geistschwein
  9. Die Toten
  10. Abalonia*

* Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 29.01.2016
PIAS Germany

Turbostaat sind nicht die ersten, die von Abalonia singen. Die Indie-Rock Band 'Said The Whale' haben mit 'Taking Abalonia' dem mysteriösen Ort ebenfalls einen Song gewimet.